Ich bin seit 1977 Fan der Marke RICOH, weil der Hersteller immer bemüht war, individuelle Lösungen zu finden, statt (nur) dem reinen Mainstream zu folgen. Wichtig ist, dass man wissen muss, was man von einem Fotoapparat erwartet in Verbindung der hauptsächlichen Verwendung einer Kamera. Dies ist eigentlich selbstverständlich, oftmals wird aber nur der Werbung gefolgt ("viel MP = beste Kamera, muss ja gut sein"), zig optische Zoom-Möglichkeiten werden eingekauft, obwohl man das Tele eigentlich so gut wie nie benötigt und wenn, stellt man dann erstaunt fest, wie rauschig die Bilder geworden sind, weil die Blende nicht mithalten kann.
Ausschlaggebend war deshalb für mich, dass die Kamera des Vertrauens werksseitig eine so hohe Lichtstärke aufweist, dass ein Blitz grundsätzlich überhaupt nicht notwendig ist UND trotzdem sehr gute Bildqualität erreicht wird. Dies wird zu 100% von der GR IV erfüllt. Die überaus lichtstarke Blende 1.9 verhilft zu besten Aufnahmen bis etwa 400 ASA, also bei etwa 90% aller Aufnahmen. Bei etwa 800 ASA beginnt sich ein leichtes Rauschen einzustellen.
Ich bin immer wieder erstaunt, wie scharf die Bilder sind. Die Kamera hat auf den ersten Blick "nur" 10 MP, vielleicht denkt sich jemand, da gibt es doch schon dreimal so viel, das bringt doch nichts. Dazu muss man wissen, dass das menschliche Auge ab etwa 7 MP weitergehende Auflösungen bei Normalbild garnicht mehr wahrnehmen kann. Deshalb ist es wichtig, ob die Kamera des Vertrauens, egal welcher Marke, in der Lage ist, eine feine Auflösung zu reproduzieren, die ohne erkennbares Rauschen, Verzerrungen, Abweichungen etc mir das auf das Bild bringt, dass ich eben fotografiert habe. Dies erfüllt eben auch die GR IV zu vollster Zufriedenheit. In diesem Zusammenhang sei auch der Hinweis erlaubt, dass eine sehr hohe Auflösung auch nur dann ihre volle Wirkung entfalten kann, wenn man diese Bilder auch dann vergrößert, zuschneidet oder auf DIN A 2 und noch größer reproduziert bzw will und muss. Solange die Bilder im Laptop verbleiben und man sich nur 10x15 Positive vom DM holt, ist jeder MP-Wahn i.d.R völlig fehl am Platz.
Falls das Licht doch nicht ausreicht und das ist selten der Fall, hat Ricoh einen kleinen Blitz beigefügt, der zum aufklappen ist. Zuerst war ich ein wenig enttäuscht, er schaut sehr mickrig aus. Welche Überraschung, als ich ihn ausprobiert habe: Bis 3 - 4 Meter wird perfekt ausgeleuchtet, aber auch im Nahbereich einwandfreie und vor allem farblich ausgewogene Bilder, ohne weiße Überzeichnungen oder Überbelichtungen. Die Akkulaufzeit ist bei der Blitzfunktion leider mäßig.
Die GR IV hat ein sehr helles, großes und hochauflösendes Sucherdisplay, das für die Bildgestaltung sehr hilfreich ist. Leider ist die Oberfläche sehr empfindlich für Daumenabdrücke etc, so dass es empfehlenswert ist, sich im Fachhandel des Vertrauens eine Schutzfolie zuzulegen. Durch das große Display wird ein Sucher nicht mehr vermisst.
Die Verarbeitung der GR IV ist wie die Vorgänger sehr zufriedenstellend, gute Haptik, die Oberflächen sind strukturiert, alles in allem macht die Verarbeitung einen guten bis sehr guten Eindruck. Der Blitz ist etwas filigran.
Neben der Lichtstärke von 1.9 war für mich wichtig, dass die Brennweite eher auf Weitwinkel ausgelegt ist. Dies wird mit dem vorhandenen Objektiv, das einer festen Brennweite von 28-35mm entspricht, erfüllt. Da ich gerne Landschaften fotografiere und Übersichtsaufnahmen, sowie Gruppen in Innenräumen, kann ich das Objektiv nur jedem empfehlen, der hier seine Passion sieht. Wer hingegen lieber auch mit Tele arbeitet, wird hier von der RICOH GR IV konsequent nicht bedient und muss sich nach anderen Möglichkeiten umsehen.
Relevant war für mich auch die Makromöglichkeiten des Objektivs, hier hat man die Möglichkeit geschaffen, bis annähernd im Maßstab 1:1 hervorragende Abbildungen schaffen zu können. Dank der lichtstarken Blende sind dabei oft kurze Verschlusszeiten möglich, man spart sich also häufig ein Stativ. Es ist also problemlos möglich, in der Natur, aber auch bei technischen Aufnahmen helle, feine und scharfe Bilder herstellen zu können. Da ich gerne in diesem Bereich arbeite, kam mir diese Möglichkeit sehr entgegen. Der Bildstabilisator ist hilfreich, wird aber selten benötigt.
Die Kamera ist im übrigen tatsächlich kompakt und flach, d.h. dass sie bequem in die Sakko-Innentasche passt, ohne das ein Objetiv absteht oder erst abgeschraubt werden muss. Spiegelreflex hatte ich bereits, aber wie man weiß, nicht jeder Tag in der Freizeit ist dazu geeignet, dauernd so eine große Tasche mit SR mitzuschleppen... Diese Kompaktheit wird von der GR IV wird zu 100% erfüllt, schön flach, verschwindet in allen Innentaschen, ohne abzustehen. Zur praktischen Seite gehört auch, dass der Auslöser quasi sofort reagiert, es ist kaum eine Verzögerung spürbar, ein wichtiges Kaufkriterium, wenn man in schneller Folge Bilder schießen will. Auch der (Spot/Mehrfeld-)Focus reagiert sehr schnell und justiert sofort nach. Es gibt auch die Möglichkeiten (neben der Automatik) die der manuellen Bedienbarkeit, sowie zeiten- oder blendenorientiert , sowie szenenorientiert zu fotografieren. Hier wird der Amateur aufgefordert, ein wenig Eigeninitiative einzubringen, das meines Erachtens eine schöne Möglichkeit gibt, noch mehr individuelle Fotos zu machen, als wie das "normale" Programm vorgibt.
Die Menüführung am Apparat ist sehr ausführlich und meistens selbsterklärend, es gibt auch ein dickes Handbuch in A 5 dazu.
Ich verweise hierzu auf die technische Beschreibung mit den noch weiteren 100 Funktionen, die ich hier nicht beschreiben möchte (wie z.B. die Filmfunktion), auf die amazon.Seite bzw. auf die Ricoh.Homepage. Hier vermisse ich wie bei jeder Digitalkamera die alten Zeiten des analogen Fotografierens ohne Automatik. Du hast keine Anleitung benötigt. Du wußtest, was zu tun ist, eine Anleitung war grundsätzlich garnicht notwendig. Du hast den Film eingelegt und los gings.
Fazit: Die GR IV ist sehr gut verarbeitet, schnell, kompakt, hervorragende Lichtstärke 1:1.9, konsequent weitwinkelorientiert, tolles Makro, scharfe Aufnahmen mit hoher Auflösung, kurz, eine echte Empfehlung wert für Fotografen, die das Nachdenken über das Motiv noch nicht verloren haben - und die kein Tele benötigen!