Die Box enthält auf vier einzeln verpackten DVDs Lieveaufnahmen von vier Soloprogrammen von Ricky Gervais aus den Jahren 2003 bis 2010, die er in großen Theatern/Hallen gespielt hat. Die Programme sind alle ca. 70-80 Minuten lang, z.T. finden sich Specials von ca. 10-15 Minuten, z.B. ironische Gespräche mit seinem Produzenten Karl Pilkington. Die Sprache ist Englisch (teilsweise gut verständlich, teilweise aufgrund von Akkustik/Artikulation und Slang recht schwierig), mit englischen UT nur auf der letzten DVD "Science".
Eine nüchterne Beurteilung fällt bei Humordingen immer schwer und die zwei Sterne sind mein subjektiver Geschmack. Ich habe mir die Box zugelegt, weil ich von "The Office" begeistert war und etwas ähnliches erwartet hatte. Das ist diese Box hier nicht. Der Humor in den Programmen ist inhaltlich und strukturell eher wie in einer der besseren Karnevalssitzungen (allerdings in geschlossener Gesellschaft wegen der Deftigkeit des Humors) oder wie bei deutschen Comedians a la Mario Barth. Es geht haüfig um Körperflüssigkeiten oder Aktivitäten unterhalb des Bauchnabels, zwischen den Geschlechtern, innerhalb eines Geschlechts oder auch zwischen Tieren (z.B. besteht eine 10-minütige Nummer darin, dass Gervais ein - wohl reales - Informationsblatt rezitiert, in dem Homosexuellen Alternativen zum gängigen Verkehr genannt werden, die sich meist auf Ejakulationen in unkonventionellen Situationen beziehen; in einer anderen Nummer geht es länger um Zeichnungen von homosexuellen Handlungen in der Tierwelt). Die DVDs sind sehr berechtigt erst 'ab 18'. Andere Nummern greifen Standardthemen wie unfähige Politiker, Mann/Frau-Unterschiede, etc. auf. Die Titel der DVDs (Animals, Politicals, Fame, Science) suggerieren ein übergeordnetes Thema, das die Programme durchzieht. Das ist aber eine Täuschung. Die Themen werden mal kurz angetippt, aber eigentlich ist ein Programm ähnlich aufgezogen wie das andere.
Ein Unterschied zu o.g. liegt freilich in der Vortragsweise. Die ist sehr dezent, sehr süffisant, schlitzhörig und charmant. Sie bildet einen Kontrast zur Deftigkeit des Inhalts und macht wohl für die Fans einen Reiz des Vortrags aus. Mir persönlich reicht das aber nicht zu Gefallen, auch wenn ich Gervais zugestehen muss, dass er ein exzellenter Witzeerzähler und Pointensetzer ist. An jedem Kneipenabend wäre er mit 'Programmen' wie hier gezeigt ein Star, den ich vorbehaltlos bewundern würde. Für die Bühne taugt mir das nicht.
Fazit: Die schlechte Bewertung ist eine subjektive und eine Warnung für die Interessenten, die aus der 'The Office'-Ecke kommen. Wer klassischen, deftigen Humor mag, der die Inhalte eines Mario Barth mit der Finesse des Vortrags eines Hape Kerkeling vereint, der wird hier gute Sprachkenntnisse vorausgesetzt gut unterhalten.