Aus der Amazon.de-Redaktion
Die 80er-Jahre. Die Neue Deutsche Welle. Hoch gefönte Frisuren, Karottenjeans. Nena. Die Ärzte. Und das alles in einem Film:
Richy Guitar. Der Filmbewertungsstelle war er 1984 das Prädikat "wertvoll" wert. Inzwischen dürfte er bei all denen, die diese Zeit live miterlebt haben, als Kultfilm und wehmütige Erinnerung an eine andere Zeit gelten.
"Der Film mit den Ärzten." So wurde er einst beworben. Und tatsächlich: Farin Urlaub, der sich hier noch artig Jan Vetter nennt, und Bela B. (Felsenheimer) sind die Hauptdarsteller dieses kleinen Filmes, der -- trotz einer an sich holprigen Inszenierung -- wie kaum ein anderes (west-)deutsches Werk den Zeitgeist der frühen 80er-Jahre einzufangen weiß. Doch wen interessiert das handwerkliche Geschick des Regisseurs, wenn der Film den Zuschauer die Vergangenheit noch einmal live erleben lässt?
Richard Schrader (Jan "Farin Urlaub" Vetter) träumt von einer Karriere als Gitarrist. Doch Richys Geschick im Umgang mit dem Saiteninstrument lässt zu wünschen übrig. Er bemüht sich und er hat Ideen, aber niemand will Richard eine Chance geben. Bis er Igor (Bela B.) kennen lernt, einen Schlagzeuger, der in Berlin als Straßenmusikant auftritt und schließlich ein Herz für Richard zeigt.
Geld verdienen aber können die beiden nicht. Und Richy bekommt Probleme mit seinem alten Herrn (Karl Pinnow). Der will, dass sein Sohn eine anständige Ausbildung macht. Die Musik, das sind für ihn nur Flausen, die dem Jungen ausgetrieben werden sollen. Nun ist Richy Guitar kein Problemfilm, sondern eine Komödie mit Happy-End-Faktor -- und so erhält der Junge eine Chance. Er wird Roadie von Nena.
Ein bisschen Herzschmerz, ein bisschen Rebellentum, vor allem aber ganz viel Frühe-80er-Jahre-Kolorit machen den Charme dieses Filmes aus, der in keinem Haushalt derer fehlen darf, die zwischen 1963 und 1972 geboren sind! --Christian Lukas
Amazon.de DVD-Bewertung
18 Jahre hat es gedauert, bis der 1984 gedrehte Film im Jahr 2002 seine DVD-Premiere erlebt hat. Es ist auffällig, dass viele deutsche Filme, die in den späten 70er- bzw. den 80er-Jahren gedreht worden sind, heute recht farblos wirken. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Der Zahn der Zeit hat die Farben der Filme "verwaschen". Sie wirken blass, abgestumpft. Um so mehr sei der Hut vor dem DVD-Verleiher dieses Filmes gezogen, der den Film einer ordentlichen Überarbeitung unterzogen hat.
Richy Guitar wirkt auf DVD so frisch, als sei er gestern erst in den Kinos gelaufen. Einige unbearbeitete Trailer, die sich in den Extras wiederfinden, zeigen auf, wie sehr die Farben des Filmes im Laufe der Jahre gelitten haben.
Läuft der Film 91 Minuten, findet der Zuschauer noch einmal fast 80 Minuten Zusatzmaterial auf dem Silberling. Neben den Trailern gehört dazu beispielsweise ein sehr langes Interview mit dem Regisseur Michael Laux. Dieser kommentiert außerdem die "Deleted Scenes" und erklärt, warum er darauf verzichtet hat, diese in seinem Film zu verarbeiten. Höchst interessant sind die Casting-Aufnahmen, die offenbar fast 20 Jahre in einem Videoschrank gelegen haben müssen (die Bildqualität ist dennoch erstaunlich gut) und wahrscheinlich nie für die Augen der Öffentlichkeit bestimmt gewesen sind.
Darüber hinaus ist der Ton der DVD-Auswertung überarbeitet worden. Die auftretenden Bands wie Die Ärzte, Nena, Plan B. und die Notorischen Reflexe klingen heute fast so, als seien sie erst gestern im Studio gewesen. --Christian Lukas