Diese sehr gut lesbare Untersuchung von Goldziher ist ein Klassiker und nicht nur interessant, wenn man sich mit der Geschichte der Auslegung des Koran befasst oder Islamwissenschaften studiert, sondern überhaupt empfehlenswert, wenn man sich mit der Kultur des Orients beschäftigt; d.h. vor allem auch christliche oder jüdische Theologen sollten dieses Buch kennen. Goldziher war neben Theodor Nöldeke einer der bedeutendsten westlichen Islam-Gelehrten - Forscher von vergleichbarem Gewicht muss man heute erst einmal finden! Besonders interessant an dieser Studie dürfte sein, dass Goldziher zu einer Zeit nicht zuletzt in Ägypten studierte, in der die Wissenschaften vom Islam im Umbruch waren. Er kannte al-Afghani, einer der Begründer der damaligen Reformbewegung, persönlich. Allerdings sollte man sich, wenn es um die Deutung des Koran geht, nicht nur auf Goldzihers Stimme verlassen, immerhin vertritt er in dieser Hinsicht deutlich eine "Außenperspektive", und es gab natürlich im letzten Jahrhundert auch durchaus neue Entwicklungen, die über die von ihm geschilderten Problematiken hinausgehen, so aktuell sie vielfach bleiben. Man muss sich dazu vorstellen, dass der von ihm bereits zu Rate gezogene monumentale Kommentar von at-Tabari seinerzeit erst seit wenigen Jahren vorlag.