Wer sechs Richtige tippte, kann auf Geld hoffen. Für Poeten muss man zunächst drauf zahlen. 10.- Euro. Doch dafür gibt es dann auch Gedichte von richtigen sechs Lyriker/inne/n, die Leserinnen und Leser - auf eine Sprachreise mitnehmen, die ihren Preis wert ist.
Als erste nimmt Helga Karl, Fotografin aus Leidenschaft, die Reisenden mit auf eine lyrische Fotosafari. Mit Schnappschüssen „Von/Wolken gespalten/Der Stein" und „Lichtwolken ziehen" geht sie„ Auf deinem/Pulsschlag spazieren".
Joe Acosta, der Pharmazeut, experimentiert, lässt sich „nieder/kurz" und ist „wieder davon/mitten durch uns". Da „schleicht der Panther/über mein Herz", manch andere Tiere bewegen sich durch kunstvoll lyrische Szenarien und geben „Stoff für Wilde" und Zärtlichkeiten.
Zwischen „Dolce vita" und „Feigenblatt" bewegen sich Sarah Ines' erotische Gedichte. „vergiss wer du bist/küss mich schreiend" fordert sie, lässt „fantasien galoppieren" und breitet „das tuch des begehrens über uns".
Der vierte im Sechserbunde, Armin Zastrow, Solarenergieforscher, beginnt seine lyrische Reise durch Land und Zeiten am nordfriesischen Deich, sieht „Schemenhaft nur schimmern" die Lichter Husums, streift Italien, die Jahreszeiten, La Palma und endet beim „Blick in den Spiegel der Kritik". Ich denke, er kann zufrieden hineinblicken.
Die Kölnerin Isolde Ahr, als Lyrikerin inzwischen längst keine Unbekannte mehr, behauptet, „Wir werden Poesie in unserem Leben". Und sie bringt in ihrem Teil des Gedichtbandes ausreichend viele Beispiele dafür. Am Ende ihrer unbeendeten lyrischen Reise schaut Sie „auf tobende Fluten/zum unbekannten Reiseziel".
Der letzte der sechs Richtigen", Albert Schau, verrät nichts Biografisches, lässt aber mit Gedichten tief in sich hineinschauen. „Krieg gab ihm die Lebensmelodie vor" und erreicht in einem Gedicht, das ein ganzes Leben enthält, schließlich doch „das nicht mehr für möglich gehaltene". Sein Fazit: „Eine Handvoll Wörter hab' ich. Sonst nichts."
Und wie er haben auch seine fünf Mitautor/inn/en jeweils mit Gedichten aus ein Hand voll Wörtern bewiesen, was der Untertitel des Gedichtbandes behauptet: Lyrik lebt.