Pressestimmen
Kurzbeschreibung
Laktose ist Milchzucker und muss zur Aufnahme im Körper in Glukose und Galaktose gespalten werden, was durch das Enzym Laktase geschieht. In Deutschland leiden ca. 15 – 20 Prozent unter einer mehr oder weniger ausgeprägten Laktose-Intoleranz – sie können die Laktose nicht mehr vollständig verwerten. Da diese Intoleranz nicht heilbar ist, müssen die Betroffenen selbst herausfinden, wie viel Laktose sie noch vertragen können und ihre Ernährungsgewohnheiten diese Menge anpassen. Dieser Ratgeber enthält aktuelle Informationen zur Erkrankung und einen großen Rezeptteil für täglich neue abwechslungsreiche und vor allem leckere Gerichte ohne Milch- und Milchprodukte.
Über den Autor
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Theorie
Wer mit Bauchschmerzen auf den Verzehr von Milch reagiert, leidet meist an einer Milchunverträglichkeit, die im medizinischen Sprachgebrauch auch Laktoseintoleranz genannt wird. Da ist der Bedarf nach fachgerechten Informationen groß. Auf den folgenden Seiten werden Ursache, Bedeutung, Ausmaß, aber auch Grenzen der Milchunverträglichkeit aufgezeigt, Wissenswertes zu den Symptomen und den Diagnostikmöglichkeiten vermittelt sowie Therapien und Strategien zum Umgang mit den Beschwerden aufgeführt.
Wenn der Mensch keine Milch verträgt
Der Mensch und das Milchvieh haben in unseren Breiten eine gemeinsame Vergangenheit. Für die Milchwirtschaft hat der Mensch seine Landschaft verändert, Wälder gerodet, um Wiesen anzulegen und Flüsse umgeleitet, um diese zu bewässern. Bis auf 3000 Meter Höhe werden in den Alpen die Ziegen und Kühe geschickt, wo sie Terrassen getreten und das Wachstum der Pflanzen verändert haben. Milch, Butter, Sahne und Käse sind über Jahrhunderte wichtigster Lieferant von tierischem Eiweiß und Fett gewesen. Zweifelsfrei hat dieses Zusammenleben dem Menschen genutzt.
Des Säuglings Nahrung
Doch dass wir uns auch nach der frühkindlichen Phase mit Milch ernähren, ist eigentlich von der Natur nicht vorgesehen. Als Folge des natürlichen Verschwindens von Milch im Speiseplan des nicht mehr gestillten jungen Menschen können etwa 4 Milliarden Erwachsene auf unserer Erde den Milchzucker – das Hauptkohlenhydrat der Milch, auch Laktose genannt –, nicht mehr normal verdauen. In vielen Ländern, hauptsächlich in Asien und Afrika, spielte die Milch traditionell früher keine Rolle und hat erst mit der Kolonialzeit, wie z.B. in Indien, Einzug gefunden. In Europa vertragen die meisten Menschen die Milch sehr gut. Dennoch haben etwa 10 bis 20 Prozent der Europäer mit der Milch und manchen Milchprodukten Probleme und verzichten auf sie aufgrund einer erlernten Vermeidungsstrategie. Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Unwohlsein sind die Haupterscheinungen dieses Phänomens, das durch das Fehlen eines Enzyms im Dünndarm zustande kommt. Die normale Kuhmilch enthält immerhin 45 bis 50 Gramm Milchzucker pro Liter Milch.
Informationen für den Alltag
Wer an einer Milchunverträglichkeit leidet, sollte auf seine Ernährung achten. Einerseits, um keine Bauchbeschwerden zu haben, andererseits um sich vor allem in Bezug auf die Versorgung mit Kalzium und Eiweiß (Protein) richtig zu ernähren. Meistens genügt es, auf den Milchzuckergehalt einer Speise zu achten und Milchprodukte zu wählen, die keine oder nur noch minimale Milchzuckeranteile haben. Und wer dennoch trotz Milchzuckerunverträglichkeit auf manche Milchprodukte nicht verzichten möchte, kann sich durch die Einnahme des Enzyms Laktase helfen, das es in Drogerien rezeptfrei gibt.
Seltene Ursachen sind hier kein Thema
Auf seltene Ursachen der Milchunverträglichkeit wie den angeborenen Laktasemangel, der extrem selten ist, sowie die Allergie gegen das Eiweiß der Kuhmilch wird in diesem Ratgeber nicht eingegangen. Die Kuhmilchallergie ist schlecht nachweisbar, da es keine wirklich verlässlichen Messmethoden gibt, obwohl einige Ärzte mit den so genannten Allergietests eine Sicherheit suggerieren wollen, die aber einer medizinisch-wissenschaftlichen Grundlage entbehren. Die Unverträglichkeit von Kuhmilcheiweiß ist äußerst selten und tritt meist nur bei Säuglingen auf.
Hilfe in der Not
Dass Milch einer der besten Grundlagen zur Wiederherstellung der körperlichen Gesundheit darstellt, davon zeugen Ernährungsprogramme der WHO und der UNICEF in Hungergebieten. So hilft z.B. die Milch– oft in Form von Trockenpulver – auch in vielen Entwicklungsländern, die Säuglingssterblichkeit zu verringern.
Dass man aber als Erwachsener auf Milch verzichten kann, wenn man sich anderweitig ausgewogen ernährt, beweisen drei Viertel der Erdbevölkerung.
Rezepte, die geeignet sind
Schließlich gibt es allerorts wunderbare Gerichte ohne Milch, wie viele Rezepte unserer Nachbarn in Italien, Griechenland und Spanien zeigen. Dieses Buch zeigt zudem, wie selbst bekannte, ursprünglich milchenthaltende Gerichte ohne Laktose zubereitet werden können.
Die Rolle der Genetik
Warum vertragen die Skandinavier die Milchprodukte besser als die Chinesen? Können unsere Gene vorhersagen, ob wir Milch vertragen? Diesen Fragen ging eine finnische Forschergruppe Anfang dieses Jahrzehnts nach, als sie nach der genetischen Ursache für die Milchzuckerunverträglichkeit suchte.
Verschlüsselte Informationen
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass eine minimale Veränderung auf unserem zweiten Chromosomenpaar dafür verantwortlich ist, dass einige von uns den Zucker
der Milch nicht vertragen. Andere, nämlich die Mehrheit der Mitteleuropäer, dagegen vertragen Laktose doch. Die Forscher fanden diese genetische Veränderung ganz in der Nähe derjenigen Stelle, die für die Bildung des Enzyms Laktase verantwortlich ist, das den Milchzucker spaltet.
Träger der Erbsubstanz
Die DNA-Ketten unserer 23 Chromosomenpaare haben unser Erbgut allein über die millionenfachen Kombinationsmöglichkeiten von vier informativen Bausteinen gespeichert. Diese heißen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin und werden mit ihren Anfangsbuchstaben A, T, G und C abgekürzt. Menschen, die den Milchzucker vertrugen, hatten auf ihrem Chromosomenpaar Nr. 2 an der Position - 13910 entweder die Kombination T/C oder T/T. Erwachsene, die ihn nicht vertrugen, hatten die Kombination C/C. Diese Kombination führt dazu, dass Erwachsene das Enzym Laktase nicht mehr produzieren.
Relikt aus alten Zeiten
Darauf folgende Studien an sehr verschiedenen Bevölkerungen zeigten, dass diese Veränderungen mit der gleichen Häufigkeit auftraten, mit der auch die Laktoseintoleranz in diesen Ländern auftrat. Somit war klar, dass hier ein altes Gen gefunden wurde, das die Menschen mit Milchviehhaltung seit archaischen Zeiten begleitet hat. Menschen in unseren Breiten haben dieses Unverträglichkeitsgen, also die Kombination C/C nur in 15 Prozent bis 20 Prozent, und in Skandinavien, wo es traditionell viel Milchwirtschaft gibt, sogar nur in 2 Prozent der Fälle. Amerikaner haben dieses Gen nur in 8 Prozent, wenn sie europäischer Abstammung sind, aber in 80 Prozent, wenn sie afrikanischer Abstammung sind.
Anpassung an die Umwelt
Es erscheint im Sinne der Evolution möglich, dass sich dieses Gen bei den Menschen, die Milchwirtschaft betrieben hatten, nicht so durchsetzen konnte, weil es seinem Träger einen Nachteil verschaffte. Bevölkerungsgruppen, welche die Milch nicht vertragen hatten, hielten sich seltener Milchvieh als jene, welche die Milch vertrugen. Letztere hatten jedoch einen evolutionären Vorteil, da sie leichter an die wichtigen Zucker, Fette, Eiweiße, Vitamine und Mineralstoffe herankamen, die in der Milch enthalten sind. Das genetische Geheimnis ist zwar noch nicht ganz aufgeklärt, da es z.B. afrikanische Völker gibt, bei denen dieser Zusammenhang nicht nachvollziehbar ist; aber für den Mittel- und Nordeuropäer konnte dieser Zusammenhang klar und eindeutig hergestellt werden. So zeigte eine darauf folgende deutsche Studie, dass von 116 Patienten, die angaben, Milchzucker nicht zu vertragen, über 90 Prozent das Unverträglichkeitsgen aufwiesen. Das Wissen um die genetische Grundlage dieser Zusammenhänge hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Milchzuckerunverträglichkeit und die damit verbundenen Beschwerden aus dem Bereich des Spekulativen auf eine wissenschaftlich fundierte, biologische Grundlage gestellt wurden.
Sinn und Natur des Milchzuckers
Nach der Geburt ist die Fähigkeit, den Milchzucker zu spalten, noch bei allen Menschen vorhanden. Es ist eine der Natur des durch die Muttermilch gestillten Kindes entsprechend sinnvolle...
Auszug aus Richtig essen bei Laktoseintoleranz. Abwechslungsreiche Rezeptideen für jeden Tag von Dagmar Kihm-Schreiber. Copyright © 2007. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Theorie
Wer mit Bauchschmerzen auf den Verzehr von Milch reagiert, leidet meist an einer Milchunverträglichkeit, die im medizinischen Sprachgebrauch auch Laktoseintoleranz genannt wird. Da ist der Bedarf nach fachgerechten Informationen groß. Auf den folgenden Seiten werden Ursache, Bedeutung, Ausmaß, aber auch Grenzen der Milchunverträglichkeit aufgezeigt, Wissenswertes zu den Symptomen und den Diagnostikmöglichkeiten vermittelt sowie Therapien und Strategien zum Umgang mit den Beschwerden aufgeführt.
Wenn der Mensch keine Milch verträgt
Der Mensch und das Milchvieh haben in unseren Breiten eine gemeinsame Vergangenheit. Für die Milchwirtschaft hat der Mensch seine Landschaft verändert, Wälder gerodet, um Wiesen anzulegen und Flüsse umgeleitet, um diese zu bewässern. Bis auf 3000 Meter Höhe werden in den Alpen die Ziegen und Kühe geschickt, wo sie Terrassen getreten und das Wachstum der Pflanzen verändert haben. Milch, Butter, Sahne und Käse sind über Jahrhunderte wichtigster Lieferant von tierischem Eiweiß und Fett gewesen. Zweifelsfrei hat dieses Zusammenleben dem Menschen genutzt.
Des Säuglings Nahrung
Doch dass wir uns auch nach der frühkindlichen Phase mit Milch ernähren, ist eigentlich von der Natur nicht vorgesehen. Als Folge des natürlichen Verschwindens von Milch im Speiseplan des nicht mehr gestillten jungen Menschen können etwa 4 Milliarden Erwachsene auf unserer Erde den Milchzucker - das Hauptkohlenhydrat der Milch, auch Laktose genannt -, nicht mehr normal verdauen. In vielen Ländern, hauptsächlich in Asien und Afrika, spielte die Milch traditionell früher keine Rolle und hat erst mit der Kolonialzeit, wie z.B. in Indien, Einzug gefunden. In Europa vertragen die meisten Menschen die Milch sehr gut. Dennoch haben etwa 10 bis 20 Prozent der Europäer mit der Milch und manchen Milchprodukten Probleme und verzichten auf sie aufgrund einer erlernten Vermeidungsstrategie. Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Unwohlsein sind die Haupterscheinungen dieses Phänomens, das durch das Fehlen eines Enzyms im Dünndarm zustande kommt. Die normale Kuhmilch enthält immerhin 45 bis 50 Gramm Milchzucker pro Liter Milch.
Informationen für den Alltag
Wer an einer Milchunverträglichkeit leidet, sollte auf seine Ernährung achten. Einerseits, um keine Bauchbeschwerden zu haben, andererseits um sich vor allem in Bezug auf die Versorgung mit Kalzium und Eiweiß (Protein) richtig zu ernähren. Meistens genügt es, auf den Milchzuckergehalt einer Speise zu achten und Milchprodukte zu wählen, die keine oder nur noch minimale Milchzuckeranteile haben. Und wer dennoch trotz Milchzuckerunverträglichkeit auf manche Milchprodukte nicht verzichten möchte, kann sich durch die Einnahme des Enzyms Laktase helfen, das es in Drogerien rezeptfrei gibt.
Seltene Ursachen sind hier kein Thema
Auf seltene Ursachen der Milchunverträglichkeit wie den angeborenen Laktasemangel, der extrem selten ist, sowie die Allergie gegen das Eiweiß der Kuhmilch wird in diesem Ratgeber nicht eingegangen. Die Kuhmilchallergie ist schlecht nachweisbar, da es keine wirklich verlässlichen Messmethoden gibt, obwohl einige Ärzte mit den so genannten Allergietests eine Sicherheit suggerieren wollen, die aber einer medizinisch-wissenschaftlichen Grundlage entbehren. Die Unverträglichkeit von Kuhmilcheiweiß ist äußerst selten und tritt meist nur bei Säuglingen auf.
Hilfe in der Not
Dass Milch einer der besten Grundlagen zur Wiederherstellung der körperlichen Gesundheit darstellt, davon zeugen Ernährungsprogramme der WHO und der UNICEF in Hungergebieten. So hilft z.B. die Milch- oft in Form von Trockenpulver - auch in vielen Entwicklungsländern, die Säuglingssterblichkeit zu verringern.
Dass man aber als Erwachsener auf Milch verzichten kann, wenn man sich anderweitig ausgewogen ernährt, beweisen drei Viertel der Erdbevölkerung.
Rezepte, die geeignet sind
Schließlich gibt es allerorts wunderbare Gerichte ohne Milch, wie viele Rezepte unserer Nachbarn in Italien, Griechenland und Spanien zeigen. Dieses Buch zeigt zudem, wie selbst bekannte, ursprünglich milchenthaltende Gerichte ohne Laktose zubereitet werden können.
Die Rolle der Genetik
Warum vertragen die Skandinavier die Milchprodukte besser als die Chinesen? Können unsere Gene vorhersagen, ob wir Milch vertragen? Diesen Fragen ging eine finnische Forschergruppe Anfang dieses Jahrzehnts nach, als sie nach der genetischen Ursache für die Milchzuckerunverträglichkeit suchte.
Verschlüsselte Informationen
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass eine minimale Veränderung auf unserem zweiten Chromosomenpaar dafür verantwortlich ist, dass einige von uns den Zucker
der Milch nicht vertragen. Andere, nämlich die Mehrheit der Mitteleuropäer, dagegen vertragen Laktose doch. Die Forscher fanden diese genetische Veränderung ganz in der Nähe derjenigen Stelle, die für die Bildung des Enzyms Laktase verantwortlich ist, das den Milchzucker spaltet.
Träger der Erbsubstanz
Die DNA-Ketten unserer 23 Chromosomenpaare haben unser Erbgut allein über die millionenfachen Kombinationsmöglichkeiten von vier informativen Bausteinen gespeichert. Diese heißen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin und werden mit ihren Anfangsbuchstaben A, T, G und C abgekürzt. Menschen, die den Milchzucker vertrugen, hatten auf ihrem Chromosomenpaar Nr. 2 an der Position - 13910 entweder die Kombination T/C oder T/T. Erwachsene, die ihn nicht vertrugen, hatten die Kombination C/C. Diese Kombination führt dazu, dass Erwachsene das Enzym Laktase nicht mehr produzieren.
Relikt aus alten Zeiten
Darauf folgende Studien an sehr verschiedenen Bevölkerungen zeigten, dass diese Veränderungen mit der gleichen Häufigkeit auftraten, mit der auch die Laktoseintoleranz in diesen Ländern auftrat. Somit war klar, dass hier ein altes Gen gefunden wurde, das die Menschen mit Milchviehhaltung seit archaischen Zeiten begleitet hat. Menschen in unseren Breiten haben dieses Unverträglichkeitsgen, also die Kombination C/C nur in 15 Prozent bis 20 Prozent, und in Skandinavien, wo es traditionell viel Milchwirtschaft gibt, sogar nur in 2 Prozent der Fälle. Amerikaner haben dieses Gen nur in 8 Prozent, wenn sie europäischer Abstammung sind, aber in 80 Prozent, wenn sie afrikanischer Abstammung sind.
Anpassung an die Umwelt
Es erscheint im Sinne der Evolution möglich, dass sich dieses Gen bei den Menschen, die Milchwirtschaft betrieben hatten, nicht so durchsetzen konnte, weil es seinem Träger einen Nachteil verschaffte. Bevölkerungsgruppen, welche die Milch nicht vertragen hatten, hielten sich seltener Milchvieh als jene, welche die Milch vertrugen. Letztere hatten jedoch einen evolutionären Vorteil, da sie leichter an die wichtigen Zucker, Fette, Eiweiße, Vitamine und Mineralstoffe herankamen, die in der Milch enthalten sind. Das genetische Geheimnis ist zwar noch nicht ganz aufgeklärt, da es z.B. afrikanische Völker gibt, bei denen dieser Zusammenhang nicht nachvollziehbar ist; aber für den Mittel- und Nordeuropäer konnte dieser Zusammenhang klar und eindeutig hergestellt werden. So zeigte eine darauf folgende deutsche Studie, dass von 116 Patienten, die angaben, Milchzucker nicht zu vertragen, über 90 Prozent das Unverträglichkeitsgen aufwiesen. Das Wissen um die genetische Grundlage dieser Zusammenhänge hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Milchzuckerunverträglichkeit und die damit verbundenen Beschwerden aus dem Bereich des Spekulativen auf eine wissenschaftlich fundierte, biologische Grundlage gestellt wurden.
Sinn und Natur des Milchzuckers
Nach der Geburt ist die Fähigkeit, den Milchzucker zu spalten, noch bei allen Menschen vorhanden. Es ist eine der Natur des durch die Muttermilch gestillten Kindes entsprechend sinnvolle Fähigkeit. Der Milchzucker deckt zu diesem Zeitpunkt fast die Hälfte des täglichen Kalorienbedarfs. Bald danach jedoch, bis etwa zum fünften Lebensjahr, verliert sich diese Fähigkeit bei drei Viertel der Weltbevölkerung.
Kohlenhydrate in der Kost
Im Erwachsenenalter nimmt der durchschnittliche Mensch dann täglich mit der Nahrung etwa 300 Gramm Kohlenhydrate auf, darunter aber nur noch etwa 15 Gramm Milchzucker. Über die Hälfte unserer Kohlenhydrate nehmen wir übrigens in Form von Stärke zu uns, meist als Kartoffeln und Getreide. Stärke wird erst im Laufe der Verdauung in ihre Einzelbausteine, die Einfachzucker, zerlegt und lässt dadurch den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen. Ein Drittel der Kohlenhydrate nehmen wir in Form von Rohrzucker zu uns, der schnell ins Blut eintritt. Leider nimmt der Zuckeranteil in unserer Nahrung immer mehr zu und bereitet so Übergewicht und dem Diabetes mellitus, der »Zuckerkrankheit«, den Weg.
Zweifachzucker
Der Rohrzucker, der auch Saccharose genannt wird, ist ebenso wie der Milchzucker, die Laktose, ein Disaccharid, also ein Molekül, das aus zwei Einzelzuckern besteht. Disaccharide muss der Körper erst durch eigene Enzyme spalten, bevor er sie aufnehmen kann. Im Falle des Rohrzuckers ist das bei allen gesunden Menschen ohne Problem ein Leben lang möglich, im Falle des Milchzuckers eben nicht.
Der Darm unter der Lupe
Der Ort, wo der Milchzucker gespalten wird, ist der Bürstensaum der Dünndarmzellen. Dort sitzt das Enzym Laktase, das die aufgenommene Laktose in die beiden Einzelzucker Galaktose und Glukose spaltet, die dann vom Dünndarm leicht aufgenommen werden können. Und genau an diesem Ort liegt die Erklärung, warum manche Menschen den Milchzucker nicht vertragen. Bei ihnen fehlt an dieser Stelle das Enzym Laktase, so dass sich der unverdaute Milchzucker im Verdauungsstrom weiterbewegt und schnell, zum Teil schon nach 15 Minuten, den Dickdarm erreicht. Dort wird der Milchzucker durch die normalen Darmbakterien unter anderen in Wasserstoff, verschiedene Gase sowie kurzkettige Fettsäuren gespalten. Die Fettsäuren wiederum können im Gegensatz zum Milchzucker vom Dickdarm aufgenommen werden. Auf diesem Weg kann auch der erwachsene Mensch, der den Milchzucker nicht spalten kann, zumindest einen Teil des Milchzuckers für die Energiegewinnung nutzen.
Unangenehme Begleiterscheinungen
Der Nachteil dieser Art der Verwertung von Milchzucker ist, dass der Körper mit großen Mengen unnatürlicher Stoffwechselprodukte konfrontiert ist. Wasserstoff, der im Darm als Gas auftritt, sowie die anderen Gase stellen die Grundlage der Blähungen dar. Die hohen Mengen an Milchzuckerziehen wiederum Flüssigkeit an, was ebenfalls Durchfälle verursachen kann. Wahrscheinlich üben auch die Fettsäuren einen chemischen Reiz auf die Darmschleimhaut aus, die darauf, wie bei allen Darmentzündungen, mit der Abgabe von Körperwasser in den Stuhl antwortet.
Laktoseintoleranz genauer betrachtet
Als primären Laktasemangel bezeichnet man in der Medizin die im Erbgut verankerte Schwäche, das Enzym Laktase zu bilden. Daneben gibt es noch den erworbenen Enzymmangel, der auch sekundärer Laktasemangel genannt wird.
Die Ursache liegt im Darm
Im Gegensatz zum primären Laktasemangel, bei dem das Gen vorschreibt, dass keine Laktase mehr gebildet wird, ist der sekundäre Laktasemangel durch die Zerstörung von Zotten im Dünndarm bedingt. Diese Zotten enthalten im Bürstensaum die Zellen, die das Enzym produzieren. Wenn die Zotten z.B. im Rahmen eines bakteriellen Darminfektes entzündlich angegriffen werden, gehen sie zugrunde und können am Verdauungsprozess nicht mehr teilnehmen. Dabei fehlen nicht nur die Laktase, sondern auch viele andere Enzyme und Verdauungsvermittler, die für den Stoffwechsel wichtig wären. Der Patient leidet unter Blähungen, Schmerzen, Durchfällen und manchmal auch Fieber und schwerem Krankheitsgefühl. Der sekundäre Enzymmangel kann auch im Rahmen von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, wie dem Morbus Crohn oder der Sprue auftreten, die durch eine Allergie gegen das Gluten, den Getreidekleber, zustande kommt.
Langsame Genesung
Interessanterweise erholt sich nach so einer Entzündung die Fähigkeit der Dünndarmzellen, wieder Laktase zu bilden, am langsamsten von allen Verdauungsfunktionen. Die Patienten bemerken das an einer anhaltenden Laktoseintoleranz noch Monate nach Abklingen der Entzündung.
Die häufigsten Beschwerden
Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Unwohlsein sind die Hauptsymptome der Milchzuckerunverträglichkeit. Der Bauchschmerz ist meist von krampfartiger Natur, taucht zeitnah zur Nahrungsaufnahme auf, da der Milchzucker etwa 15 bis 45 Minuten nach dem Verzehr die Bakterien im Dickdarm erreicht. Der Schmerz ist meistens in der Nabelgegend lokalisiert oder im Unterbauch. Man hört oft typische Darmgeräusche, die durch die Verschiebung der Gase aufgrund der natürlichen Peristaltik - also der Muskelbewegungen des Darmschlauchs, die den Speisebrei normalerweise hin- und herschieben - zustande kommen. Das was der Mensch unter Blähungen versteht, ist eigentlich die Anwesenheit von zu großen Mengen an Gasen im Darm. Oft führen die Darmgase zu einem unangenehmen Stuhldrang. Die Durchfälle können voluminös sein, manchmal sogar schaumig und zum Teil auch wässrig, was aber eher selten ist.
Bekannt als Abführmittel
Dieser abführende Aspekt des Milchzuckers wurde früh erkannt und schon lange vor der Entwicklung moderner Medikamente als Abführmittel bei Verstopfung eingesetzt. Der Milchzucker wird nach wie vor in Drogerien und Apotheken als Abführmittel verkauft, da er wohlschmeckend ist und früher als gesundes Hausmittel galt. Solch große Mengen an Milchzucker, die hierbei verabreicht werden, kann selbst ein Mensch mit erhaltener Enzymtätigkeit nicht mehr aufnehmen, so dass es über den soeben beschriebenen Mechanismus zu einer Beschleunigung der Darmpassage kommt. Ein weiterer Nebeneffekt ist der hohe Anteil an Glukose, also Traubenzucker, der bei dieser Abführmaßnahme aus dem Milchzucker freigesetzt wird und damit den Organismus, z.B. bei einer Veranlagung zum Diabetes mellitus, überfordern kann.
Einfluss der Nahrung
Studien haben gezeigt, dass bei Menschen mit Milchzuckerunverträglichkeit die Symptome weniger schlimm auftreten, wenn die Milchprodukte zusammen mit kräftiger oder fettreicher Nahrung aufgenommen werden. Wahrscheinlich wird durch diese Speisen die Magen-Darm-Passage verlangsamt und somit der Abstrom des Milchzuckers zum Dickdarm gebremst. Andere Studien an Patienten mit erwiesener Unverträglichkeit haben Hinweise erbracht, dass sich der Körper an den Milchzucker gewöhnen kann, wenn dieser kontinuierlich gegeben und vor allem langsam gesteigert wird. Wahrscheinlich adaptiert sich die Darmflora an die höheren Milchzuckermengen.
Noch erträgliche Mengen
Eine interessante Studie kommt aus China, wo fast alle Menschen nach der Kindheit die Fähigkeit verlieren, den Milchzucker zu spalten. Es wurden Personen untersucht, die nach Aufnahme von Milchzucker schwere Symptome entwickelten. Es galt, die Menge an Milchzucker herauszufinden, die notwendig ist, um Symptome zu erzeugen. Erstaunlicherweise kam dabei heraus, dass bis zu 6 Gramm Milchzucker von den meisten Probanden problemlos vertragen wurden. 6 Gramm Milchzucker sind in etwa 125 bis 130 Milliliter Milch enthalten. Eine andere Studie kam zu dem Ergebnis, dass sogar 240 Milliliter Milch problemlos von Menschen mit Milchzuckerunverträglichkeit vertragen werden. Wurde Milch zu zwei verschiedenen Zeitpunkten zusammen mit einer festen Mahlzeit eingenommen, vertrugen diese Probanden in einer weiteren Untersuchung sogar 480 Milliliter Milch pro Tag. Die Ergebnisse dieser Studien sind von besonderer Bedeutung, da manche Patienten Angst vor geringen Mengen Milchzucker haben.
Laktose nicht nur in Milch
Milchzucker ist als billiges und leicht herzustellendes Produkt in Nahrungsmitteln oder Medikamenten enthalten, wo wir ihn zunächst nicht vermuten würden. Sehr viele Tabletten enthalten Milchzucker als Trägersubstanz. Milchzucker wird in die Wurst gegeben, da er Geschmack und Konsistenz positiv beeinflusst; in 100 Gramm Aufschnitt können zwischen 1 und 4 Gramm Milchzucker enthalten sein. Paniermehl, Bonbons, Backmischungen, Dosenwaren, Trockengerichte, Gewürze und Pflanzenfette enthalten sehr oft Milchzucker als Beigabe. Das heißt, wenn wir diese Nahrungsmittel nicht in zu großen Mengen zu uns nehmen, werden die Mengen, ab denen wir Probleme mit dem Milchzucker bekommen, meist nicht überschritten.
Auf die Menge kommt es an
Die oft gehörte und in der Laienpresse immer wieder gelesene Aussage, dass man auf den Milchzucker »allergisch« sei und schon bei der Aufnahme von Spuren dieses Zuckers, wie z.B. in einer Vitamintablette, Symptome bekäme, entbehrt einer medizinischen Grundlage. Diesbezüglich interessant ist die zuvor erwähnte Untersuchung eines Expositionsversuchs mit Milch. Als Patienten mit nachgewiesener Milchunverträglichkeit ein Glas Milch vorgesetzt bekamen, das entweder Milchzucker oder keinen Milchzucker enthielt und im Geschmack durch Süßstoffbeigabe nicht unterscheidbar war, bemerkten sie keine Unterschiede im Auftreten von Symptomen. Zusammengefasst scheint die alte Weisheit »dosis facit venenum«, dass also die Dosis für die Wirkung entscheidend ist, auch hier zuzutreffen.
Exakte Diagnose ist sinnvoll
Andererseits haben Arbeiten gezeigt, dass Patienten, die angaben, Milch zu vertragen, aber an den so genannten irritablen Darmbeschwerden litten, ebenfalls von einer milchzuckerfreien Langzeitdiät profitieren. Weitere Studien hingegen haben gezeigt, dass gerade die Verdauungssymptome einer starken psychischen Beeinflussung, wenn nicht sogar Kontrolle unterliegen. So hat eine wichtige Veröffentlichung vor einigen Jahren gezeigt, dass die meisten Nervenbotensubstanzen nicht im Hirn freigesetzt und aktiv sind, sondern im Darm.
Schnelle Erkenntnis hilft
Gastroenterologische Spezialambulanzen sehen viele Patienten mit unspezifischen Bauchbeschwerden, die sie quälen und von einem Arzt zum anderen treiben, weil »nichts Organisches« gefunden wurde. Einem Teil dieser Patienten kann aber geholfen werden, wenn frühzeitig der Nachweis einer Milchzuckerunverträglichkeit geführt wird. Denn spätestens seit klar ist, dass es eine genetische Konstellation gibt, die zur Milchzuckerunverträglichkeit prädisponiert, wissen wir, dass wir bei 10 bis 15 Prozent der Menschen in Europa Symptome nach dem Genuss von Milch erwarten können.
Nachweis der Laktoseintoleranz
Wenn der Patient und sein Arzt das Gefühl haben, dass nach dem Genuss von Milchprodukten Symptome einer Unverträglichkeit auftreten, sollte der Verdacht auf einen Laktasemangel geäußert werden, also ein Mangel des für die Spaltung des Milchzuckers wichtigen Enzyms. Zudem sollten entsprechende Tests veranlasst werden.