Er war der erfolgreichste deutsche Jagdflieger im Ersten Weltkrieg. Sein Leben wurde in mehreren Büchern beschrieben und auch
verfilmt: Manfred Albrecht Freiherr von Richthofen (1892-1918), der Rote Baron. Im Vordergrund dieses Buches stehen seine Tagebuchaufzeichnungen. Zusätzlich ist eine acht Seiten lange Biografie sowie eine Übersicht der damals gebräuchlichen Flugzeuge enthalten.
Seine Familie und seine Kadettenzeit werden kurz gestreift. "Die strenge Zucht und Ordnung fiel einem so jungen Dachs besonders schwer." (S. 21) Richthofens Interessen lagen eher im Sportlichen und natürlich konnte er es nicht erwarten zur Armee zu kommen. Ostern 1911 war es soweit. Er wurde Kavallerist. Später als Ordonnanzoffizier empfand er die Schützengräben von Verdun als langweilig. Die Lösung: er schrieb ein Gesuch an seinen kommandierenden General (siehe Titel) und durfte Ende Mai 1915 zur Fliegertruppe wechseln, zunächst als Beobachter, der seinen Piloten dirigieren sollte. Von Anfang an hört man aus Richthofens Worten die Begeisterung: "Aber es ist ein verdammter Nervenkitzel, so durch die Luft zu sausen, besonders nachher, als es wieder runterging, das Flugzeug nach vorn kippte, der Motor aufhörte zu laufen und mit einemmal eine ungeheure Ruhe eintrat. ... Aber es ging alles so selbstverständlich und natürlich vor sich, auch das Landen, wie man wieder die Erde berührte, und alles war so einfach, dass einem das Gefühl der Angst absolut fehlte. Ich war begeistert und hätte den ganzen Tag im Flugzeug sitzen können." (S. 43) Nervenkitzel. Der junge, Abenteuer suchende Richthofen hatte endlich etwas gefunden, das ihm Spaß machte. In der Folge ist von seiner Ausbildung und vor allem von seinen zahlreichen Einsätzen die Rede.
Warum Richthofen so erfolgreich war? Michael Schlosser führt es auf den kühlen Kopf, die eiskalte Überlegung und das fliegerische Können zurück. Er ging methodisch vor. In seinen Tagebuchaufzeichnungen kann man mehr als einmal seinen Gedankengängen folgen. Abgeklärt, geduldig wartet er auf die passende Gelegenheit. Furcht kannte er wohl nicht. Nur einmal, während der Beschreibung eines Fluges durch ein Gewitter, ist die Angst des Fliegerasses spürbar.
Frauen oder Freundinnen sucht man vergebens. Stattdessen scheinen Hunde sehr beliebt gewesen zu sein. "Das schönste Wesen, das je die Welt geschaffen hat, ist die echte Ulmer Dogge, mein 'kleines Schoßhündchen', der Moritz." Rasserein natürlich. Moritz durfte sogar mitfliegen und hat sich dabei anscheinend sehr vernünftig benommen.
Zur Gestaltung: der Text wird durch zahlreiche Schwarz-Weiß-Bilder aufgelockert. Die Überschriften fallen durch die rote Farbe auf. Sehr übersichtlich ist die Präsentation der damals verwendeten Flugzeugtypen: auf der linken Seite jeweils ein Bild des Fliegers sowie die technischen Daten, auf der rechten Seite Erläuterungen zur Entwicklung und zum Einsatz.
Mein Fazit: Die Aufzeichnungen des Roten Barons sind überraschend gut lesbar und interessant formuliert. Die Gestaltung ist abwechslungsreich. Es hat Spaß gemacht dieses schmale Buch zu lesen.
==> Außerdem empfehlenswert:
Schütze im Steigflug, autobiografische Erinnerungen des englischen Piloten Cecil Lewis.
Nachtrag: ACHTUNG - bitte beachten Sie auch die Rezension von Volker vom 24.10.2010. Anscheinend ist in dem vorliegenden Buch das Tagebuch des Roten Barons nicht vollständig abgedruckt sowie die Darstellung der Flugzeuge fehlerhaft. Da ich selber keine weiteren Bücher über von Richthofen kenne, kann ich dazu momentan nichts sagen, vertraue dem Rezensenten aber in seinem Urteil.