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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Recht oder Gerechtigkeit?, 24. Januar 2006
Irgendwo zwischen zwei abgelegenen Jura-Nestern in der Schweiz der 50er Jahre wird ein junger hoffnungsvoller Polizist in seinem Auto erschossen -- als dieser Roman erstmals erschien, sicher ein kaum zu fassender Tatbestand. Dementsprechend komisch liest sich denn auch, wie der biedere Dorfpolizist, der die Leiche fand, nun vorgeht. Erstaunlich nur, dass der zuständige Ermittler in Basel, Kommissar Bärlach, ob solch himmelschreiender Stümperei nicht zu toben beginnt. Es scheint fast, als brauche er gar keine exakte Untersuchung des Tatortes. Und wie sich später herausstellt, braucht er die tatsächlich nicht... Dürrenmatts Kommissar Bärlach gehört nicht zu den strahlenden Helden der Kommissars-Zunft. Ein schwerkranker Misanthrop aus Erfahrung, der im günstigsten Fall noch ein Jahr zu leben hat... Man fragt sich, was so einen dazu bringt, sich an einem Mordfall so festzubeißen, wie er es tut. Denn auch wenn Bärlach den größten Teil der Ermittlungen scheinbar an seinen Untergebenen Tschanz delegiert, so merkt der Leser doch gleich (im Gegensatz zu Tschanz), dass Bärlach sich hier mit Haut und Haar engagiert. Im Laufe der Handlung wird schnell klar, warum Bärlach nicht locker lässt: Es gibt einen Zusammenhang zu einer alten Wette, die er am Anfang seiner Karriere mit einem abenteuernden Vagabunden in einer Kaschemme in Konstantinopel geschlossen hat. Seitdem entwickelte sich sein Wettgegner zum Verbrecher aus Prinzip, während er Karriere machte als Kommissar -- aber ausgerechnet jenem Wettgegner konnte er nie dessen zahlreiche Verbrechen nachweisen. Es geht Bärlach also um Gerechtigkeit -- so scheint es. Und tatsächlich stellt er am Ende auch Gerechtigkeit her, aber nicht so, wie man es sonst bei Krimis erwartet. Eine pessimistischere Pointe kann man sich kaum vorstellen für eine Krimihandlung, obwohl doch jeder bekommt, "was er verdient". Ich empfand "Der Richter und sein Henker" trotz des präzise entwickelten Plots und der stringenten Ermittlung weniger als Krimi, viel eher als Parabel. Dazu trägt sicher bei, dass Dürrenmatt seine Figuren seltsam schemenhaft zeichnet -- sogar Bärlach, der noch am plastischsten von allen erscheint, hat etwas von einem Archetypus. Tendenziell eher Typen als realistische Figuren sind auch die meisten Protagonisten, Bärlachs Vorgesetzter durchaus mit komischen Zügen; am lebendigsten wirkt noch die Charakterisierung ausgerechnet des ermordeten Ulrich Schmied. Und zu einer Parabel auf die Frage, ob Recht und Gerechtigkeit immer dasselbe sind, passt auch die Sprache, in der dieser Krimi geschrieben ist: Kurze lakonische Sätze, direkte Rede, keine inneren Monologe, die dem Leser das Innenleben der Figuren näherbringen. Jede Figur eine Blackbox. Und doch muss ich mir sofort widersprechen: "Der Richter und sein Henker" ist andererseits ein Krimi reinsten Wassers, jedenfalls was seinen Aufbau angeht. Und Bärlach hat von Anfang an einen konkreten Verdacht, erfährt man (allerdings verschweigt er, gegen wen der sich richtet). Wer genau liest, wird bald denselben Verdacht hegen wie Bärlach. Aber als guter Krimi-Autor versteht es Dürrenmatt, dem Leser mehrere viel scheinbar näher liegende Spuren zu präsentieren -- das A und O eines jeden echten Whodunnit. "Der Richter und sein Henker" liest sich schnell und unkompliziert, obwohl er alles andere als unkompliziert ist. Warum man ausgerechnet diesen nur scheinbaren Krimi so oft in Schulen liest, ist mir daher ein Rätsel. Aber ein äußerst empfehlenswertes Buch ist es auf jeden Fall.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Krimi mit überraschendem Ende, 29. Juni 2000
Von Ein Kunde
"Der Richter und sein Henker" ist ein spannender Kriminalroman von Friedrich Dürrenmatt. Die Handlung des Buches spielt nach dem 2. Weltkrieg in der Schweiz. Nach dem Mord an den Polizisten Robert Schmied werden die Ermittlungen des Falls an Kommissar Bärlach, den ehemaligen Vorgesetzen von Schmied, übergeben. Da Bärlach jedoch schwer krank ist, wird ihm, auf seinen Wunsch, ein Gehilfe, Polizeileutnant Tschanz, zugeteilt. Während Tschanz nach gelerntem kriminalistischem Vorgehen gegen den Hauptverdächtigen, einen gewissen Herr Gastmann, vorgeht, ermittelt Kommissar Bärlach eher im Hintergrund. Der Kommissar scheint jedoch ein grosses Geheimnis zu verbergen, denn er weiss mehr als Tschanz vermutet... "Der Richter und sein Henker" ist Lesespass pur, vor allem auch wegen dem leicht verdaulichen Sprachstil den Dürrenmatt benützt. Trotzdem schafft es der Autor, die Stimmung um das Geschehen in Bern, Twann und Lamboing dem Leser zu vermitteln. Zudem findet der Leser in Kommissar Bärlach den typischen Urschweizer und in Tschanz den zukunftsorientierten Denker vor, was sehr passend zu der grossen Stadt Bern und den kleinen Juraörtchen Twann und Lamboing ist. Der Roman wird zu keiner Zeit langweilig, was ich als sehr positiv empfinde. Vor allem am Anfang wird der Leser mit dem Mord an Schmied sofort "gepackt". Zudem ist die Suche nach dem Mörder sehr spannend, weil Dürrenmatt immer mehr Charaktere vorstellt, die potentielle Mörder sein könnten. So vergrössert sich der Kreis der potentiellen Mörder automatisch. Auch ist es spannend, wie Bärlach am Ende den Mord aufklärt, indem Dürrenmatt die vielen Details miteinander verbindet und sich so schliesslich eine Lösung des Mordfalls ergibt. Am besten an dem ohnehin guten Roman hat mir allerdings der Schluss mit den letzten Kapiteln und der darauffolgenden Pointe gefallen. Durch diesen Schluss hebt sich dieses Buch zweifellos von den anderen Kriminalromanen ab, und endet nicht in einem typischen Klischee-Schluss. Nicht so gut gefallen haben mir die oft langgezogenen Zwischenkapitel. Sie waren meist schwer und kompliziert zu lesen, da die Sätze in diesen Kapiteln nicht sehr viel Spannung aufbauen. Alles in allem kann man aber sagen, dass das Buch aus einem guten Anfang, einem mittelmässigen Mittelteil und einem sensationellen Schluss besteht - absolut empfehlenswert.
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17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
ein Monument der Literaturgeschichte, 22. Februar 2006
Wir schreiben das Jahr 1948. Der hinterhältige Mord am begabten Polizeilieutenant Ulrich Schmid ruft den alternden Kommissar Bärlach auf den Plan. Bärlach, der in Schmid seinen Nachfolger gesehen hatte ist sehr betrübt über dessen Tod, denn er wird ihm aufgrund seiner Krankheit schon bald folgen. Der alte Kommissar hat Magenkrebs und nur noch 1 Jahr zu leben, doch als eine heiße Spur oder vielmehr der Zufall ihn und seinen neuen Assistenten Tschanz auf die Spur des Finanziers Henri Gastmann führt, keimt in Bärlach eine alte Hoffnung auf. Gastmann ist für Bärlach kein Unbekannter mehr, denn beide haben noch eine alte Rechnung offen, die aus einer alten Wetter entspringt, die beide einst abgeschlossen hat und mit welcher Gastmann einen perfekten Mord vor den Augen des Kommissars vollziehen konnte, ohne jemals dafür belangt zu werden. Zwar war ihm Gastmann sein Leben lang immer einen Schritt voraus, doch der Kommissar ist diesmal besser vorbereitet als zu erwarten. Mit allen Mitteln versucht Bärlachs Intimfeind ihn von weiteren Ermittlungen abzubringen, doch der Richter hat sein Urteil längst gesprochen und schon bald wird der Henker dieses vollstrecken...Im Abgesang liefern sich der perfekte Verbrecher und der unbeirrbare Ermittler einen epischen Kampf, der ein für allemal einen Schlussstrich ziehen soll. Der Mord an Ulrich Schmid bildet dabei den Ausgangspunkt, selbst wenn der Mörder sich schließlich als jemand ganz und gar anderes herausstellt. Es stellt sich auch die Frage, ob sich Dürrenmatt nicht auch selbst als der Charakter des Schriftstellers in diesem Buch verewigt hat, einiges deutet zumindest darauf hin. Wie lässt dieses Buch nun insgesamt beschreiben? Kurios, episch, faszinierend, witzig, genial. Befasst man sich mit der Tiefe dieses Buches so bleibt man als Leser schließlich ernsthaft verblüfft und erstaunt zurück.
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