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Produktinformation
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Auch wenn immer auch eine Interpretation des Werks gegeben wird – auf detaillierte Inhaltsangaben, gar solche, die Lesefaulen die eigene Lektüre ersetzen könnten, wird weitgehend verzichtet(für solche greift man besser auf die ebenfalls vorzüglichen Königs-Erläuterungen zurück). Der Schwerpunkt der durchweg von ausgewiesenen Experten verfassten Literaturschlüssel-Bände von Reclam liegt vielmehr auf Zusatzmaterialen (wie etwa Briefe des Autors, in denen er über seine Arbeit und seine Motive oder ähnliches berichtet, auf Zeitdokumenten, Worterläuterungen, eventuell überlieferter alternativer Fassungen einzelner Schlüsselpassagen etc.). Diese indes erhellen die historischen, künstlerischen und individuellen Hintergründe aus den unterschiedlichsten Perspektiven, so dass man sich nach der ersten Lektüre des Lesestücks selbst eine profunde Kenntnis über dessen Bedeutung in einem größeren Kontext erarbeiten kann – und das zu einem unschlagbar günstigen Preis! – Alexander Dohnberg -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiert .
Letzte Woche bei einer Altpapiersammlung viel mir dann besagtes Bändchen wieder in die Hände, und ich beschloss, noch einen Versuch zu wagen. Fast zwanzig Jahre reifer (?) und den Kopf frei von Gedanken an irgendwelche Jungs dachte ich, es wäre einen Versuch wert, endlich zu begreifen, wie der Richter seinen unfreiwilligen Henker auswählte und dieser schlussendlich auch noch seine gerechte Strafe erfuhr.
Alles beginnt damit, dass ein einfacher Dorfpolizist den Polizeileutnant Ulrich Schmied erschossen in seinem Auto in der Twannbachschlucht auf der Strasse von Lamboing, einem Tessenbergdorf in der Schweiz auffindet. Kommissär Bärlach, ein von Magengeschwüren geplagter, alter, erfahrener Kriminaler übernimmt den Fall. Als er entdeckt, dass der Ermordete unter falschem Namen bei einem gewissen Gastmann an dessen Gesellschaften teilnahm, werden ihm plötzlich von seinem Vorgesetzten Dr. Lucius Lutz Steine in den Weg gelegt. Letzterer wurde nämlich von Gastmanns Anwalt informiert, dass in dessen Haus Politik auf höchster Ebene betrieben werde. Künstler (als Vorwand), Politiker und Industrielle (die einen florierenden Waffenhandel betreiben) geben sich bei Gastmann die Hand und wollen bei ihren Geschäften nicht gestört werden.
Bärlach stellt sehr schnell fest, dass es sich bei Gastmann um einen alten Bekannten handelt, der als junger Mann, nur einer Wette wegen, einen anderen unschuldigen Menschen kaltblütig ermordet hatte. Seither verfolgte Bärlach diesen Mann, der immer wieder andere Namen annahm, konnte ihm aber nie etwas anlasten.
Das Buch hat nur 116 Seiten, und alles, was ich jetzt noch schreiben würde, wäre zuviel verraten. Nur noch soviel sei gesagt: Der perfide Plan, den Bärlach ausheckt, und der schlussendlich nicht nur den Mörder von Ulrich Schmied, sondern auch Gastmann zur Strecke bringt, konnte nur von einem brillianten Verstand, wie ihn Dürrenmatt auch schon in anderen Büchern bewies, ersonnen werden.
Spannung auf höchstem Niveau.
Mit "Kommissär Bärlach" ("Der Verdacht", "Die Katze, die gern Mäuse frisst") erschafft Friedrich Dürrenmatt eine Kriminalfigur, die stark autobiographische Elemente offenbart. Mit schweizerischer Gemütlichkeit, kriminalistischem Scharfsinn und der Gabe Dinge, wenn sie auch noch so weit hergeholt sein mögen in Verbindung zu bringen, meistert er alle Schwierigkeiten auf seine unkonventionelle und für seinen Vorgesetzten unwissenschaftliche Art der Verbrechensbekämpfung. Den Eindruck dass der immer etwas griesgrämige Bärlach nicht alles unter Kontrolle haben könnte kommt erst gar nicht auf. Dem Leser gibt der Autor das Gefühl ein Teil des Kommissärs zu sein, auch wenn sich der Betrachter immer ein Stück in der Ferne befindet.
Nachdem man sich in Friedrich Dürrenmatts nicht ganz einfachen, etwas langsamen und manchmal ausufernden Erzählstil "eingelesen" hat, fesselt einen nicht nur die bis zur letzten Zeile spannende Story mit ihrem nicht erwarteten Ausgang; die stark philosophischen Inhalte dieses Werkes regen zum Nachdenken an. So versteht es Dürrenmatt glänzend den Täter zum Opfer werden zu lassen, wobei die Sympathien des Lesers ständig von einer Person zur anderen wechseln.
Einzig die allgegenwärtigen Sticheleien gegen seine Heimat Schweiz die so schlecht zu sein scheint wie das Wetter während des ganzen Falles "nerven" etwas.
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