Dieses Hörspiel in kölscher Mundart ist nominiert worden für den Hörspielpreis des Deutschen Buchhandels 2001.
Im Jahre 1357 kommt ein Bote an die Pforte von Köln und bringt die unheilvolle Kunde der Pest. Das jung verheiratete Ehepaar Mengis und Richmodis von Aducht sind Teil einer reichen Patrizierfamilie und er ist einer der Ratsherren der Stadt Köln. Die Ratsherren beschliessen zum Schutz vor der Pest, alle Toten binnen zwei Stunden zu begraben. Als dies nicht hilft, fasst die tapfere Richmodis einen Plan. Sie überredet Ihren Mann, den Armen zu helfen. Als Richmodis kurz daraf erkrankt und hohes Fieber bekommt, gibt es für den Arzt und Freund der Familie keinen Zweifel: sie hat sich angesteckt und ist an der Pest erkrankt. Kurz darauf kann er nur noch den Tod feststellen. Mengis, Richmodis Ehemann, trifft es sehr, in Trauer läßt er ihr den Ehering um, als Zeichen der Liebe über den Tod hinaus. Ein Totengräber aber, der den Ring sieht und erkennt, daß er mit dem Klunker 2 Jahre lang Frau und Kind ernähren kann, beschließt einen kriminellen Plan: er will die Tote Richmodis ausbuddeln und den Ring stehlen. Er kann ein paar Kollegen anheuern, die er aber betrügen will. Als sie den Sargdeckel öffnen, steht Richmodis benommen auf. Die Totengräber laufen in wilder Panik davon. Es stellt sich heraus, daß Richmodis nicht tot war. Sie geht nun zum Haus Ihres geliebten Gatten und klopft. Dieser denkt, es wäre der Teufel und glaubt Richmodis erst, als seine beiden Schimmel als Zeichen den Turm besteigen. Dort sollen sie zu Stein geworden sein, als Mengis seine Richmodis zum ersten Mal wieder in den Arm genommen hat. So hat der Ring der Liebe sie wieder zusammengeführt.
Bei der Erzählung handelt es sich nicht um einen neuen erdachten Stoff, die Geschichte beruht auf einer alten Kölner Sage. Ars Audendi, ein neues Label, hat sich des Stoffes angenommen und zeitgerecht aufbereitet, eine Rahmenhandlung dazu erdacht und mit Kölner Originalen aufgenommen.
Durch gute Geräusche und passende Musik kommt es einem vor, direkt in der Vergangenheit gelandet zu sein. Überhaupt scheinen die Tonmeister hier sehr detailverliebt gewesen zu sein. Sie arbeiten sich hier fast an die Details wie in 'Jack the Ripper' heran. Dies ist wohl eines der Hauptgründe für die Nominierung.
Über die Sprecher kann man geteilter Meinung sein. Natürlich hervorheben muß man den genialen Christian Brückner, der den Erzähler spricht. Die Rollen der handelnden Personen wird von kölsch redenen Schauspielern gesprochen. Dies klingt zum Teil leihenhaft. Ich denke aber, daß die Entscheidung auf große Namen zu Gunsten von Kölner Schauspielern richtig war: die Mundart zeichnet dieses Hörspiel aus und eine alte, tolle Kölner Sage mit Hollywood-Schauspielern zu besetzen wäre am Thema vorbei-produziert. Dies hat auch wohl zu einem weiteren Argument geführt, das Hörspiel zu nominieren.
Auch die Gestaltung der CD finde ich gelungen. Das Falt-Booklet besteht insgesamt aus 10 Seiten, wobei sich Text und Illustrationen die Waage halten. Auf den Textseiten findet man nicht nur die Sprecher, sondern auch Hintergrundinfos und ein kleines Kölsch-Lexikon mit den auftauchenden Begriffen. Die Illustrationen sind in der Reihenfolge korrekt. Sie stammen aus der Feder des bekannten und alten Illustratoren Toni May, der schon sehr viele Kölner Motive gemalt hat. Sein bekanntestes Bild ist sicher das Portait von Willy Millowitsch.
Die Musik steuerte die Folkloregruppe 'Capella Antiqua Bambergensis' bei. Das Lied am Ende der CD 'Lied der Richmodis' wurde von Ars Audiendi geschrieben und von Claudia Immer (Gesang) und Alex Loch (Drehleier) interpretiert
Die CD hat 19 Tracks und so sind die Szenen hervorragend anspringbar. Ich denke, die Nominierung für den Hörspielpreis ist nicht falsch. Aus der alten Kölner Geschichte ist ein ansehnliches Hörbuch geworden. Für einen Erstling ein guter Start, der Lust auf mehr macht (vielleicht mal was ohne in-kölsch).