man sollte sich nicht täuschen:
dies ist keine einfache einführung in opern richard wagners von 'holländer'
über 'tristan' schliesslich zu 'parsifal'.
carl dahlhaus, musikwissenschaftler mit lehrstuhl von 1967-89 in berlin, war der
dt. repräsentant für die musikästhetik und musiktheorie des 19. und 20. jahrhunderts.
und der exponiert hier nicht einfach nur handlung und personal der jeweiligen musik-
dramen, sondern exploriert über die handlungsrahmen hinaus den kultur-historischen
boden der musik-dramatischen ästhetik, wagners gestaltungswillen.
eine ästhetik, die wagner in seinen schriften zu 'oper und drama' entworfen hatte.
dahlhaus zeigt den dieser ästhetik als 'kunstwerk der zukunft' immanenten widerspruch:
wagners 'ton-wort-verhältnis' als rangfolge drama - musik als wenig plausibel durch
die progression der musik, die nicht mehr nur gewichtiges mittel zum ausdruck des
dramas, sondern selbst zum tragenden drama wird:
die wechselwirkenden abhängigkeiten von ton zu wort heben sich auf in ästhetisch
wechselwirkender funktionalität: durch die sog. leitmotivtechnik als kontinuum ver-
knüpfter melodischer momente wie 'gefühlswegweiser' (wagner) offenbaren die musik-
dramen eine im oberflächlich-klanglichen fluss eine kaum nur hörend verifizierbare komplexität,
'eines der deutlichsten zeichen für (den) ästhetischen rang'.(dahlhaus)
also: kein wagner-gesang, keine schönen stimmen, kein interpreten-kanon:
ein ge-wichtiges kleines reclam-buch also und, bereits seit 1971, ein profundes
wagner kompendium, verständlich und völlig uneitel verfasst im vergleich zum umgang
andrer mit wagner
Leben mit Wagner., jedoch als einführung für
wagner-(opern-)debutanten zu komplex.