Wagneropern werden ja leider immer modernisiert, meistens erkennt man das Werk dann nicht mehr. Hier ist dem Regiesseur Lenhoff das Kunststück gelungen, eine moderne Inszenierung auf die Bühne zu stellen, welche (bis auf die Schlussszene) das Werk unangetastet lässt. Die Inszenierung ist straff und spannend, die Besetzung der Rollen hochkarätig.
Im Gegensatz zu den Parsifal-Inszenierungen, welche ich bisher kennenlernte, ist Amfortas hier die zentrale Figur. Und das ist richtig, damit versteht man das Werk erst mal. Üblicherweise muss der jeweilige Sänger ihn als siechen,sich in Reue zerfleischenden Gralskönig spielen, welcher nie auf eigenen Füßen auftritt. Hier wurde der König, gespielt und gesungen von Thomas Hampson, als ein Mann dargestellt, welcher durch seinen Sündenfall eine unheilbare Wunde zugefügt bekam, die immer wieder aufbricht, wenn der Gral enthüllt wird. Natürlich weigert er sich deshalb, seinem Amt nachzukommen. In dieser Inszenierung wird deutlich dargestellt, dass sich die Ritter deshalb gegen ihren König wenden, ja, sie greifen ihn sogar an. Und er flieht vor ihnen. Und wenn er das nicht kann, fleht er auf den Knieen darum, dass sie ihn töten und damit erlösen. Thomas Hampson gestaltet diese schmerz- und reuezerrissene Figur sowohl stimmlich als auch darstellerisch überzeugend.
Auch Matti Salminen als Gurnemanz, Waltraud Meier als Kundry, Chris Ventris als Parsfal - jede Rolle ist fantastisch besetzt.
Bühnenbild und Kostüme sind nicht die erste Sahne - vor allem Amfortas trägt ein Kostüm, das ihn wie eine ägyptische Mumie aussehen lässt.
Die Schlussszene ist leider nicht nach dem Libretto - weder stirbt Kundry entsühnt noch übernimmt Parsifal die Herrschaft über die Gralsritter. Aber das verzeiht man, da ansonsten das Werk unangetastet blieb.
Die DVD enthält ein Booklet, und einen Bonus,den "Parsifal Progress", in welchem die Sänger, der Regiesseur, Kostüm- und Bühnenbildner zu dieser Inszenierung Stellung nehmen.
De Tonqualität ist hevorragend. Eine DVD, welche ich "Wagnerianern" nur wärmstens empfehlen kann. Im Vergleich mit der Neuinszenierung von Bayreuth aus dem gleichen Jahr kam aus der Presse das Echo: "Baden-Baden verweist Bayreuth auf die Plätze". Und das stimmt.