Von dieser DVD gibt es erfreuliches und weniger erfreuliches zu berichten. Also schön der Reihe nach.
Musik:
Das Gesamtkonzept Sebastian Weigles ist überzeugend. Die schwierigen Verhältnisse im Bayreuther Festspielhaus meistert er souverän.
Von den Sängern können vor allem Stolzing (Klaus Florian Voigt), Beckmesser (Michael Volle) und David (Norbert Ernst) überzeugen. Sachs (Hans Hawlata) bietet eine solide Leistung, eher enttäuschend (vor allem wegen mangelnder Textverständlichkeit) dagegen Eva (Michaela Kaune).
Wem die Bilder nicht gefallen (dazu unten mehr), der kann die DVDs auch als akustische Gesamteinspielung der Meistersinger nehmen und fährt damit recht gut.
Man darf dennoch nicht vergessen, dass Bayreuther Wagner-Aufführungen seit Jahren besetzungsmäßig nur noch zweitklassig sind, da die wirklichen Wagner-Spezialisten und -Stars eine Teilnahme inzwischen auf Grund der von Wolfgang Wagner geforderten Probenbedingungen ablehnen. Das Niveau einer Aufführung an der Met oder auch an kleineren deutschen Häusern mit Wagner-Tradition (z. B. Mannheim) wird nicht erreicht.
DVD-Technik:
Dass man auch bei Opern-DVDs auf nahe liegende Dinge wie verschiedene Kamerawinkel verzichten muss ist ja leider Standard. Dieses Feature wurde damals, bei Einführung der DVD zwar angepriesen, es gibt jedoch kaum DVDs, die davon Gebrauch machen würden.
Ärgerlicher finde ich da schon, dass man auf Untertitel verzichten muss. Keiner kann mir erzählen, dass er den Text komplett versteht. Und selbst wenn, so wäre eine Übersetzung, z. B. ins Englische wünschenswert.
Sehr dämlich ist der Eröffnungs-Gag, vor Erscheinen des Menüs: "Loading Hirsch" - und dazu füllt sich ein Hirsch langsam mit Farbe. Man ahnt schon, dass das was mit der Inszenierung zu tun haben muss.
Ton- und Bildtechnik:
Die Bildtechnik ist einwandfrei, der Ton gelegentlich etwas dumpf anmutend. Auch sind die Sänger unterschiedlich laut wahrzunehmen, je nach dem, wo sie gerade agieren. Für einen Live-Mitschnitt ist das noch akzeptabel.
DVD-Extras:
Unterbrochen durch völlig unpassende Pseudo-Pop-Musik von der Qualität eines Entertainer-Keyboards sieht man recht unzusammenhängende Schnipsel aus den Vorbereitungen. Die Sänger geben Allgemeinplätze von sich wie "Das ist ein schwieriges Stück" oder "Die Figur vollzieht eine sehr interessante Entwicklung."
Interessant ist, dass Beckmesser-Darsteller Michael Volle zwischen "dem Stück" und "unserer Produktion" unterscheidet. Beides hat nämlich nicht allzuviel miteinander zu tun.
Inszenierung:
Katharina Wagners Inszenierung gehört ganz einfach zu den schlechtesten Opern-Inszenierungen, die ich je gesehen habe. Das Spektrum reicht von krasser Überzeichnung (Stolzing) bis hin zu dümmlichen Kalauern ("Knie nieder, David, und nimm diese Schell!" - und statt der vorgesehenen Ohrfeige erhält er einen Schellenkranz!) und plumpen Provokationen (onanierende Puppen).
Insbesondere Stolzing wirkt ähnlich hysterisch wie Tom Cruise auf der Couch von Oprah Winfrey - ständig rennt er kreuz und quer über die Bühne und bemalt (wohl dank seines revolutionär kreativen Geists) alle möglichen Gegenstände und Personen mit weißer Farbe. Das Ergebnis ist selbstverständlich weit davon entfernt, Kunst zu sein. Mir drängt sich ein Vergleich zu Katharina Wagner auf: Genau so wie Stolzing in ihrer Inszenierung ist sie eine talentfreie Adlige (Stolzing als Ritter, sie als Wagner-Erbin), die sich nur durch gezielte Provokation für einen Augenblick Aufmerksamkeit verschaffen kann. Nur durch ihre Familie bekommt sie die Chance, eine Oper in Bayreuth zu inszenieren - an ihrem Talent kann es mit Sicherheit nicht liegen, das hat der Urgroßvater dann doch für sich behalten. Das einzig gute, was ich an ihrer Ernennung zur Festspielleiterin sehen kann ist, dass man nicht wieder den Fehler machte und ihr wie ihrem Vater einen Vertrag auf Lebenszeit gewährte.
So torkelt das sinnfreie, überladene Spektakel - gegen Ende immer konfuser werdend - einem wohlverdienten Buh-Konzert entgegen. Nichts schöneres kann es heutzutage für eine Regietheater-Vertreterin geben, wie ich glaube.