Im Juni 1940 schloss Richard Strauss seine "Danae"-Partitur auf ein Libretto von Joseph Gregor nach Motiven Hugo
von Hofmannsthals ab. Die Oper war gedruckt,Clemens Krauss und Salzburg standen zur Verfügung. Doch plötzlich er-
schien alles,als ginge eine lange Inkubationszeit ihrem Ende entgegen,als begänne der Virus "Untergang" zu wirken.
1943 verbrannte in einer Leipziger Druckerei das gesamte Notenmaterial,was durch das Manuskript später ergänzt
wurde. Goebbels rief den "totalen Krieg" aus. In Österreich und Deutschland schlossen die Theater und Festspiel-
häuser. Nur durch das Dazutun von Dr.Scheel(Gauleiter von Salzburg),kam es am 16.August 1944 zu Ehren des damals
achtzigjährigen Komponisten,zu einer inoffiziellen Premiere,in Form einer Generalprobe. Erst nach dem zweiten
Weltkrieg,am 14.August 1952,wurde die eingentliche Uraufführung der Danae,abermals unter Clemens Krauss,innerhalb
der Salzburger Festspiele,nachgeholt. Leider hatte Strauss diese Aufführung nicht mehr miterlebt,er war zu diesem
Zeitpunkt schon drei Jahre tot.
2011 nahmen sich nun die Intendantin der Deutschen Oper Berlin,Kirsten Harms(Regie)und ihr Ehemann,Bernd Damovsky
(Bühnenbild)der "Heiteren Mythologie" an und beendeten damit auch zugleich ihrer beider Tätigkeit an dieser Wirkungs-
stätte.
Hier,in dieser Produktion,wird die "Heitere Mythologie" nicht so heiter erzählt. Harms spannt ihren Bogen von den
griechischen Mythen,über die Entstehungszeit der Oper,bis ins Hier und Heute. Ihre Erzählweise ist geradezu ver-
blüffend in ihrer Aktualität,regt zum Denken an und schließt eine Lücke in der Strauss-Rezeption auf Blu-ray/DVD.
Pollux der König von Eos ist pleite. Der Gott Jupiter stellt seinem "Objekt der Begierde" Danae als Goldregen
nach,oder schickt den Eseltreiber Midas als Werber,dem er die Kraft verlieh,was er berührt,verwandelt sich in
Gold. Danae verzichtet auf den Gott und das Gold und wendet sich in Liebe Midas zu. Jupiter ist gekränkt und ent-
zieht dem Eseltreiber das Privileg der "Goldgewinnung". Midas wird wieder sterblich und arm;trotzdem finden Er
und Danae in Liebe zusammen.
Zurück bleibt der zürnende Gott Jupiter,der beim Tête-à-Tête mit den vier Ex-Frauen,Trost zu finden glaubt.
Das wunderbar gestaltete Bühnenbild fächert die Überwindung von der Gier nach Gold und hin zur wahren Liebe auf.
Über der Szene schwebt ein umgedrehter Konzertflügel wie ein Damoklesschwert und suggeriert eine durch Chaos und
Krieg zurückgelassene Welt,auf der statt Goldregen,nur Notenblätter fallen. Somit offenbart sich deutlich die
Parallele zwischen dem Wollen des Komponisten und der Harmsschen Denkweise.
Andrew Litton mit dem hauseigenen Orchester sind sehr bemüht,um den Anforderungen der "Danae"-Musik,mit ihren me-
lodischen Schönheiten,die oftmals an andere Strauss-Opern erinnern,gerecht zu werden.
Das Ensemble der Sänger zeigt wieder einmal,dass es nicht immer die ganz großen Namen sein müssen. Manuela Uhl
(Danae),Matthias Klink(Midas)und der hervorragend agierende Chor sind für mich die Protagonisten,die mich am
meisten beeindruckt haben.
Und auch mit der Qualität dieser Blu-ray ist man bestens bedient. Schon allein wegen der sehr informativen Extras,
dem super Bild/Ton und dem Booklet.