"Und darum, weil ich nicht als ein Verliebter
Kann kürzen diese fein beredten Tage,
Bin ich gewillt, ein Bösewicht zu werden."
Kein Wort über die Schwächen der DVD-Version des Films, dafür aber gleich mehrere Gründe, warum Sir Ian McKellens Richard absolut zu empfehlen ist: Der Film (der das Ergebnis einer Tournee mit den Stücken "King Lear" und "Richard III." ist), verlagert Shakespeares Stoff in die 30er Jahre, stellt den tyrannischen Richard als eine Art Hitler da. Diese Variante ist nicht neu (Richard wird tatsächlich sehr oft so auf die Bühne gebracht, sind gewisse Parallelen doch sehr offensichtlich), wird aber selten so aufwendig umgesetzt wie im vorliegenden Fall. Die Ausstattung ist einfach bombastisch, rechtfertigt einen Oscar. Und die Atmosphäre, die dadurch geschaffen wird, passt wie die Faust aufs Auge.
Doch der Film hat noch ganz andere Qualitäten: Ian McKellen ist einer der besten Richards, die das Theater je gesehen hat. Perfekt verkörpert er den verkrüppelten Bösewicht, der sich kreuz und quer durch seine Verwandschaft mordet. Entäuscht hat mich dagegen nur die Szene, in der der grausame Mörder Gewissensbisse bekommt. Diese ist an anderer Stelle schon eindringlicher umgesetzt worden. Auch hat man im Film das Ende des Stückes komplett umgestellt, zeigt das, was Shakespeare nur im Botenbericht darstellt - ein Tribut an das Medium. Beeindruckend Richards letzte Worte: "Wo nicht zum Himmel, dort Hand in Hand zur Hölle!".
Böse Zungen behaupten, hätte man Ian McKellen die Rolle vor einer schwarzen Wand spielen lassen, so wäre der Film genauso gelungen, "Richard III." eine One-Man-Show also. Obgleich dieser Einwand nicht wirklich zutrifft, zu gut ist z.B. Annette Bening als trauernde Witwe, die dennoch Richards Charme erliegt, so ist doch anzumerken, daß "Richard III." schlichtweg von Shakespeare so angelegt ist, schon immer ein Stück zum Profilieren für alternde Schauspieler war. Aber wenn das so eindrucksvoll gelingt wie im vorliegenden Film, ist dagegen gar nichts einzuwenden...