Anmerkung vorweg: 4:3-Fassung;Original war Widescreen (wie auch ein Szenenphoto auf der Hülle beweist).
Ich kann nicht beurteilen, wie stark der Text bearbeitet wurde, aber die Dialoge (und selbst die Monologe) wirken kaum 'alt' sondern eher 'zeitgemäß'. Das Stück ist also auch in diesem Sinne modern - ein Politiker bahnt sich skrupellos den Weg zur Macht, läßt die Dreckarbeit von anderen erledigen, um dann die 'Täter' öffentlichkeitswirksam selbst zu beseitigen. Am Ende fällt er selbst dem Verrat zum Opfer. Olivier gibt diesen Erz-Schurken und -Heuchler mit gewohntem Können und der erforderlichen Koketterie (der perfekt anmaskierten Fratze - diese Nase! - gemäß). Beachtenswert auch Ralph Richardsons Buckingham. Die Frauenrollen kommen weniger gut zur Geltung, hier dominiert das Puppenhafte (in Oliviers Filmen die Regel - mit Ausnahme der Catherine in Henry V). Leider gelingt Olivier diesmal nicht, die Kulissen gezielt zu instrumentalisieren. In Henry V ist das Spiel zwischen Künstlichkeit und Realität zentrales Konzept, und die Hintergründe im Hamlet bilden den Gegenpart zu den Personen. Im Richard III dagegen herrscht Pappmache vor, selbst vermutlich echte Hintergründe wirken dadurch wie ungeschickt nachgeahmt. Es ist nicht mehr Bühne aber noch nicht 'Realfilm', dadurch wirkt es billig. Kurios auch das Schlachtfeld von Bosworth: das sieht eher nach Sahelzone oder Mahgreb als nach England aus.
Fazit: Wer auf gute schauspielerische Leistung Wert legt und sich an der Kulissenhaftigkeit nicht stört, dem sei der Film wärmstens empfohlen. Sonst lieber für Henry V entscheiden.