TRUELOVE’S GUTTER
Richard Hawleys sechstes Studioalbum Truelove’s Gutter erscheint am 18. September 2009 bei Mute/EMI. In bewährter Hawley-Tradition wurde es wieder nach einem niedergegangenen Ort des historischen Sheffield benannt und wieder in den Yellow Arch Studios in seiner Heimatstadt aufgenommen.
Aber da enden auch schon die Parallelen zu früheren Veröffentlichungen, denn Truelove’s Gutter markiert ein neues großes Kapitel in der Entwicklung von Richards Sound und Songwriting. Truelove’s Gutter ist nicht nur sein bis dato musikalisch abenteuerlustigstes Album, sondern auch sein emotional offenstes. Mit seinen schuldbeladenen Geständnissen, Balladen über zerbrochene Leben und zärtlichen Tribut an selbstzerstörerische Freunde ist dies ein Werk von beinahe romanhafter Tiefe und Ambition.
In den zwei Jahren seit der Veröffentlichung seines weltweit gefeierten Top Ten-Albums Lady’s Bridge hat Richard seine musikalischen Muskeln bei diversen Projekten spielen lassen – von Kollaborationen mit den Arctic Monkeys und Elbow bis hin zu seinem Einsatz als Koproduzent und Koautor von Tony Christies großartigem Album Made in Sheffield aus dem Jahr 2008. Doch nichts in seiner illustren Karriere hat bisher so reichhaltig, dunkel und melancholisch geklungen wie Truelove’s Gutter. Richard selbst bezeichnet es als sein bisher ehrlichstes, erwachsenstes Album.
„Einige der Songs sind persönlich, aber viele basieren auf der Beobachtung von Freunden und Menschen, die ich kenne“, erklärt er. „Nicht auf eine gemeine, grausame Weise. Ich versuche lieber, die Menschen zu verstehen als sie zu verurteilen. Das war es, was ich mit diesem Album erreichen wollte: einfach ehrlich zu sein über den Zustand meines Herzens.“
Truelove’s Gutter nahm feste Formen an, nachdem Richards Plattenlabel ihm mutig angeboten hatte, ein Album aufzunehmen, von dem er schon immer geträumt hatte, ungeachtet kommerzieller Erwägungen. So wurde ein Traum Wirklichkeit, wie er zugibt, und gleichzeitig sah er sich vor eine kreative Herausforderung gestellt. Das Ergebnis ist eine exquisite musikalische Reise aus acht Stücken, die sich in ihrem eigenen Tempo entwickeln und doch in jedem opulenten Mini-Epos genügend Raum lassen, damit Richards zeitlose Stimme sich voll entfalten kann. „Dieses Mal habe ich mich für eine sanftere, meditativere Herangehensweise entschieden“, erklärt Richard. „Nicht zu dick auftragen, sondern den Song atmen lassen war das Motto.“
Von dem Seelentröstenden Klangemälde ‚As The Dawn Breaks’ hin bis zu der bewegenden Freund-in-Not-Ballade ‚Soldier On’ überraschen mehrere Tracks mit einer seidigen, duftenden Atmosphäre, die die melancholische Stimmung des Albums versüßen. Bei anderen wiederum, wie der klagenden, belehrenden ‚Remorse Code’ und dem gespenstischen Finale ‚Don’t You Cry’, bleibt kein Auge trocken. Viele der Texte wurden von realen Freunden aus Richards Leben inspiriert. „Im Grunde wird uns beigebracht, Lebensbereichernde Erfahrungen zu suchen, die uns dabei helfen, als Mensch zu wachsen und uns weiterzuentwickeln“, erklärt Richard. „Doch manchmal, ob es uns gefällt oder nicht, fühlen wir uns nach diesen Erfahrungen ein wenig leer, so als ob etwas fehlt. Meiner Meinung nach kommt das der menschlichen Realität näher als die Plastikträume, die uns Medien und Werbung verkaufen.“
Aber es gibt auf Truelove’s Gutter auch muntere, verspielte Momente. ‚Open Up Your Door’ ist eine warmherzige Bitte um Vergebung nach einem Streit unter Liebenden – plus, wenn möglich, Sex aus Mitleid. Der bittere Schnappschuss einer langfristigen Romanze in ‚For Your Lover Give Some Time’ mit einer Ironie, die eines Brel oder Gainsbourg würdig wäre, ist ein weiteres Highlight. „Der Song erzählt einfach ehrlich davon, wie Liebe sich verändert“, sagt Richard. „Eine Warnung, nichts als selbstverständlich hinzunehmen.“
Im Studio forderte Richard jedes Mitglied seiner Band dazu auf, beim Spielen seiner Instrumente neue Pfade zu beschreiten. Gleichzeitig ging auch er selbst viel freier mit seinem Spiel um und nahm seinen Gitarrenpart auf ‚Remorse Code’ in einem einzigen Durchgang auf, einschließlich eines wunderbar funkelnden Solos. Außerdem verwendete er viel Zeit auf den Feinschliff seiner Texte und die Reihenfolge der Tracks, bis diese wie eine Symphonie zusammenflossen.
„Ich wollte nicht noch mal dasselbe Album zum machen“, sagt Richard, „sondern mich als Texter, Musiker, Produzent und Arrangeur herausfordern. Dieses Album sollte von Anfang bis Ende zu einer angenehmen Hörerfahrung geraten, bei der man nicht einfach den Pausenknopf drücken und sich zwischendurch eine Seifenoper ansehen kann. Es soll seine Hörer dazu bringen, sitzenzubleiben und zuzuhören. Vom Sound her fließt es und springt nicht in Stil und Tempo hin und her. Es hat einfach eine Grundstimmung, die sich durch die gesamte Platte zieht.“
Eine wichtige Zutat, die den Sound auf Truelove’s Gutter von allen vorangegangenen Hawley-Alben unterscheidet, ist sein exotisches Arsenal antiker Instrumente: magische Geräte mit märchenhaften Namen wie Cristal Baschet, Waterphone, Ondes Martenot und die verzauberte Lyra. Auf zwei Tracks ist außerdem eine Glasharmonika zu hören, ein mechanisches Wunderwerk, das 1761 vom amerikanischen Gründervater Benjamin Franklin erfunden und später in einigen Teilen Europas verboten wurde, weil ihr diabolische Kräfte nachgesagt wurden.
„Mit diesem letzten Album wollte ich die Grenzen meiner Klangpalette ausgelotet“, erklärt Richard. „Deswegen habe ich diese seltsamen klingenden Instrumente verwendet, die man nicht oft hört und von denen ich vor den Aufnahmen noch nie gehört hatte. Ich wollte dem Album ein überirdisches Feeling verleihen und Klänge die anders sind als alles, was ich bisher ausprobiert hatte.“
Um diese bizarren Sammlung von musikalischen Apparaten zu bedienen, wurde Hawleys Band im Studio von Gastmusikern unterstützt. Einer von ihnen war David Coulter, ein Meister auf der Singenden Säge, der Richard von seinem alten Sheffielder Kumpel und Musikerkollegen Jarvis Cocker empfohlen worden war. Im Gegenzug empfahl Coulter den französischen Multiinstrumentalisten Thomas Bloch, der bereits mit Dutzenden von Künstlern wie Radiohead, Tom Waits und Marianne Faithfull gearbeitet hat.
„Der Schlüssel zu all dem war mein Großvater“, erklärt Richard. „Er war ein wirklich guter Violinist und führte manchmal eine komische Nummer mit einer Singenden Säge vor – das ist das Instrument, das man auf ‚Don’t Get Hung Up On Your Soul’ hört. Er spielte sie auf Familienfesten, und ich war ganz fasziniert von ihrem wunderschönen Klang.“
In einer der seltsamen Launen des Schicksals, die während der Entstehung von Truelove’s Gutter ihren Lauf nahmen, entpuppte Coulter sich als alter Schulfreund von Richards langjährigem Bassisten und Koproduzenten Colin Elliot. Dann stellte man fest, dass das Stahlblatt von Coulters antiker singender Säge, die ursprünglich im 19. Jahrhundert in Deutschland verkauft worden war, einen Stempel mit drei vertrauten Wörtern trug: Made In Sheffield.
Man kann es einen glücklichen Zufall nennen. Oder altmodischen Stahl aus Sheffield. Was immer die Zutaten sind, mit Truelove’s Gutter stellt Richard Hawley sein bisher tiefgründigstes, großartigstes, musikalisch ehrgeizigstes und emotional reifstes Album vor. Er mag mit seinem Netz in der Gosse der wahren Liebe (Truelove’s Gutter) fischen, doch gleichzeitig schaut er nach oben zu den Sternen.
Weitere Informationen:
www.richardhawley.co.uk
www.myspace.com/richardhawley
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