Eine Retrospektive von den Anfängen revolutionärem Umdenkens in der Modenfotografie bis zum Beginn aus heutiger Sicht technisch perfekter Fotografie. In allen Beispielen und in allen Zeiten ist Richard Avedon der Herr der Dinge, bestimmt mit seinen phänomenalen Ideen zwischen Situation, Arrangement, beteiligten Models, gewählten Locations und technischer Umsetzung die Gestaltung, den sozialen Hintergrund und die gesellschaftliche Verortung. Von Anfang an ist dabei die bewusste und kreative Einflussnahme auf die Bilder Gegenstand der Arbeiten. Wie viel diese zur Verbesserung der originären Bilder beiträgt, kann im Bildband wirklich anschaulich nachvollzogen werden. Jede Verbesserung des Films, jede erweiterte Möglichkeit der Bildbearbeitung wirkt sich unmittelbar auf die Klarheit der Aussage und des dargestellten Sujets aus. Wie durch immer besser wirkende Filter wird die dem Autor Avedon wichtige Bildaussage klarer und schärfer. Mode ist nicht allein Gegenstand des sie erzeugenden Handwerks und der Industrie. Sie ist ein Abbild der gesellschaftlichen Wertvorstellungen, der Intensionen von Politik, Kunst und Kultur. In diesen Kontext stellt Avedon seine Bilder und scheut sich nicht, auch Fragen ganz grundsätzlicher Natur zu stellen: was hat Bestand, welchen Wert besitzt das Heute im Angesicht der Vergänglichkeit und des allgegenwärtigen Verfalls ? Mehr als 5 Jahrzehnte beschreibt ein Mensch, der eigentlich dafür bezahlt wird, Mode zu dokumentieren, das gesellschaftliche Umfeld und die kulturpolitische Situation, aus, mit und trotz der diese Form menschlicher Selbstdarstellung besteht. Es ist kein Abriss dieses Bezugs zu erkennen, so dass man posthum feststellen muss, das Richard Avedon sicher auch heute, 6 Jahre nach seine Tod, den gesellschaftlichen Bezug zwischen Mode, Politik, Kultur und Establishment sicher und mit völlig neuem Blick darstellen würde, allem Mainstream zum Trotz. Es lebe die Kreativität solcher Menschen, von denen es leider nur wenige gibt.