Ricardo Reis - eines der berühmten Heteronyme des noch berühmteren Fernando Pessoa. Im Rahmen der Werkausgabe ist dieser schöne Band "Poesia - Poesie", der uns den Dichter einmal mehr näherbringt,im Ammann Verlag erschienen.
"Dr. Ricardo Reis wurde am 29. Januar 1914 gegen 11 Uhr morgens in meiner Seele geboren.", lässt uns Fernando Pessoa wissen. Und Ricardo Reis wiederum über sich: "Ich habe niemanden, den ich liebte, kein Leben, das ich wollte, keinen Tod, der mir etwas nähme."
Ricardo Reis ist - wie es auch dieser Satz belegt - ein Verzweifelter, verzweifelt an seinem Menschtum. Diese Verzweiflung wird zu wunderschönen Oden - nicht immer ganz im klassischen Maß, aber mit vielen Anklängen an die Antike. Auch philosophisch. War Reis Stoiker, war er Epikureer? Sicher beides zugleich. Und für beides zugleich finden sich Belege in diesen Gedichten.
"Einzig das Leben gewähren uns die Götter. / Daher lasst uns allem entsagen, was uns / Zu atemberaubenden Höhen erhöbe, / Ewig und doch bar aller Blumen...". Und an anderer Stelle: "Über meiner nichtigen Stirn graut schon / Das Haar des jungen Mannes, der ich einst war. / Meiner Augen Glanz verblasst. / Kein Anrecht mehr auf Küsse hat mein Mund. / Und wenn du mich noch liebst, so lieb mich um der der Liebe willen nicht: / Du betrügst mich nur mit mir."
Das ist Trauer, Verzicht. Deshalb: "Nicht Wein nur, auch Vergessen füll / In den Kelch ich, und mit ihm die Heiterkeit, denn unwissend / Ist das Glück....".
Wunderschön, sehr geschmeidig hat Inés Koebel diese Oden übersetzt. Oden, Gedichte, die zur Weltliteratur gehören.
In höchstem Maße empfehlenswert - für Freunde des großen portugiesischen Dichters und für Freunde der Lyrik.