Höchste Zeit, daß eine deutschsprachige aktuelle Biographie über den Komponisten und verhinderten Politiker Mikis Theodorakis erscheint. In Deutschland zu einseitig nur für die Filmmusik zu "Alexis Sorbas" bekannt, hinterläßt der jetzt 83-jährige Theodorakis der europäischen Musikkultur in Wirklichkeit ein breites Spektrum ideenreicher Kompositionen.
Schillernd auch in seinen linken politischen Überzeugungen, hat Theodorakis selbst bei wiederholten Inhaftierungen und schweren Folterungen bewundernswerte Standhaftigkeit und Todesmut bewiesen. Als Politiker hat er anders als in der Musik trotz gelegentlicher Anläufe, ein solcher zu werden (darunter Anfang der 90-er eine zweijährige Zeit als Minister) keine bleibenden Denkmäler hinterlassen - dafür war er eben zu schillernd und zu sehr der emotionale Künstlertyp. Auf jeden Fall muß er als herausragendes Monument und Charakteristikum des Griechenland der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts gelten, von den meisten Griechen geliebt, von einigen allerdings nicht.
Die Biographie von Hansgeorg Hermann bringt seine Persönlichkeit hervorragend heraus, wenn für meinen Geschmack auch mit ein bißchen zu viel emotionaler Nähe. Gleichzeitig macht das Buch den Leser mit der politischen Geschichte des Nachkriegs-Griechenland vertraut, mit der Theodorakis' Leben eng verwoben ist. Über die gelegentlichen zeitlichen Sprünge im Text, denen man nicht immer leicht folgen kann, hilft eine Zeittafel im Anhang hinweg.