Anita Baker hat unbestritten eine der schönsten und ausdrucksstärksten Soul-Stimmen: warm und volltönend, kehlig und vielseitig. Mit der synthetisch glitzernden Hochglanz-80er-Produktion ist allerdings weder der Stimme noch den Songs ein Gefallen getan. Was auf "Rapture" und auf acht Jahre vorher noch zeitgemäß klingt, ist schon 1994 hoffnungslos veraltet. Statt mit echten Instrumenten Wärme und Seele einzuhauchen kommen zu oft Drumcomputer zum Einsatz (und verhunzen damit z.B. das wunderbar gesungene "The look of love"), statt echter Streicher hört man schmierige Synthie-Flächen, und die E-Piano-Sounds klingen abgenutzt. Die drahtige und metallische Produktion trägt mit zischelnden High-Hats und überbrilliantem Sound zu der kühlen Atmosphäre bei. Leider fehlt es dazu auch an griffigen Melodien a la "Sweet love" oder "You bring me joy". Dazu kommen belanglose Standardtexte aus dem unteren Soul-Regal. So bleiben nur das zart schmelzende "Sometimes I wonder why" und das elegante "My funny valentine". Der Rest ist zu glatt, zu poliert, zu "how will I know", um als Soul durchzugehen.
Unter dem Strich bleibt ein Album für Freunde von Babyface, Luther Vandross und Whitney Houston, und es bleibt der Wunsch, das Anita Baker endlich in eine Produktion eingebettet wird die ihrer Stimme gerecht wird. Wer hören möchte wie das klingen könnte, dem sei Regina Belle's "Lazy afternoon" ans Herz gelegt