... ist der MdI-Zyklus im Rahmen der Perry Rhodan-Saga entstanden. Mitte der Sechzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts war so manches anders auf der realen Welt namens Terra: Der Präsident einer einflussreichen Region des Kontinents Nordamerika hatte wenige Jahre zuvor das ehrgeizige Ziel formuliert, binnen zehn Jahren einen Menschen auf den Mond und sicher wieder zurück zu bringen. In Europa waren die Wirtschaftswunderjahre an ihrem Höhepunkt angekommen. Nichts schien mehr unerreichbar, kein Wohlstand zu dekadent, keine Technik zu teuer und außer dem permanent drohenden alles vernichtenden Atomkrieg war weit und breit kein Grund zu erkennen, warum das Wunder irgendwann mal enden sollte.
Der MdI-Zyklus atmet diesen Zeitgeist in vollen Zügen und ist auch heute noch allerbest spürbar. Die Autoren schufen mit den (bei Band 22 der Silber Edition nur dem Namen nach bekannten) Meistern der Insel eine geheimnisumwitterte Macht, der scheinbar alles möglich war. Da wurden zwei bis sechs Sonnen von jeweils identischer Größe aus dem Sternenfundus einer Galaxis gepflückt, an gewünschtem Ort versammelt, in eine perfekte geometrische Struktur gebracht und so ausbalanciert, dass diese gewaltigen Gebilde (nebst einer variablen Anzahl von Planeten, von denen aus die Sternenfeuer gezielt beeinflusst werden konnten) über Äonen stabil blieben. Wozu das Ganze? Um diese Sonnen als Energiequelle für Materie-Transmitter zu nutzen, die Raumschiffe oder ganze Flotten über Millionen von Lichtjahren von einer Galaxis in eine andere zu schleudern - oder bei Bedarf auch "nur für einen kurzen Hüpfer" von einem Ende der Milchstraße zum anderen. Und das Ganze scheinbar "einfach so", weil die Meister der Insel die dafür erforderliche Technik eben beherrschten...
Eine atemberaubende Vorstellung der Beherrschung von Massen in einer Größenordnung, die mir schon beim Schreiben Blockaden verursacht, und die kein Mensch sich auch nur entfernt plastisch vorzustellen vermag. Und ein dramaturgischer Kunstgriff, der nicht nur die Menschen des 20. (und 21.) Jahrhunderts staunen lässt, sondern sogar dem Perry Rhodan des 25. Jahrhunderts und seiner arkonidischen Supertechnik Respekt abnötigt und beiden Grenzen zieht.
Zu einer Zeit also, in der noch niemand Teilchenbeschleuniger kannte und sich kaum Wissenschaftler für die heute bekannten, gemessenen oder berechneten subatomaren Wunderwerke, die das Universum im Innersten zusammen halten, kümmerten, ging es um großmaßstäbliche Technik - etwas "Handfestes" also. Und kein Autor hat sich auch nur ansatzweise gefragt, wie denn bitteschön all diese Wunder des Kosmos zu erklären wären, die der staunenden Leserschaft unterbreitet wurden.
Es ist, wie es ist - basta! Das ist ja gerade, was den Reiz an gänzlich Unbekanntem und grenzenlos Überlegenem ausmacht. So mögen weiland die Scheers, Darltons, Mahrs und Voltz' gedacht haben. Schön fur uns "Heutige", dass diese Meisterstücke der Space Opera, die damals in 64-Seiten-Happen portioniert ins Publikum gestreut wurden, inzwischen gedruckt in 400-plus-Seiten-Ladungen greifbar sind, und jetzt auch zu Gehör gebracht werden.
Der MdI-Zyklus ist nicht umsonst ein auch heute noch leuchtende Augen produzierender Meilenstein der knapp 50-jährigen Rhodan-Historie. Lesern und Hörern bleibt eins ums andere Mal der Mund offen stehen, wenn wieder ein Superlativ beschrieben oder eine für unmöglich gehaltene Überraschung kredenzt wird.
Zur Handlung des vorliegenden Abschnitts haben die Produktbeschreibung und mein Vorrezensent schon genug geschrieben. Mir geht es mit dieser Rezension ausschließlich darum, die Begeisterung weiter zu tragen, die ich als Teenager beim Lesen der Hefte gespürt habe und die sich auch heute sofort wieder einstellte, als ich die sonore Stimme von Josef Tratnik dabei belauschte, wie sie diese Wunder des Universums erneut vor meinem geistigen Auge entstehen ließ.
Einziger (und meiner Überzeugung nach vernachlässigbarer) Wermutstropfen ist, dass im MdI-Zyklus sehr oft sehr komplizierte Beschreibungen von künstlichen Sternensystemen, Planeten, unvorstellbar komplizierten technischen Anlagen und mehrschichtigen Hohlwelten mit aus unserer Sicht ganz und gar unmöglichen Schwerkraftverhältnissen nötig sind. Bei allem Nutzen derartiger Schilderungen: Wer, wie ich, die Silber Editionen bevorzugt im Auto hört, verliert öfter mal den Faden, wenn denn der Verkehr doch mal die volle Aufmerksamkeit erfordert.
Klar - jeder CD-Player erlaubt, beliebige Textlängen zurückszuspringen, insofern ist dieser Effekt im Ergebnis kein echter Nachteil. Aber doch eine winzige Komforteinbuße, die ich sehe und nicht verschweigen möchte.
Eine klare Kaufempfehlung bleiben die Hörbucher der Reihe trotzdem. Story genial, Sprecher genial, Produktion (mit dezenten Soundeffekten gewürzt) - auch genial. Und wenn ich dann berücksichtige, dass (meiner Wahrnehmung nach) dem Produktionsteam in über 15 Stunden audiblem Endergebnis nur ein einziger Versprecher "durch die Lappen" gegangen ist, bleibt nur zu sagen: Schwamm drüber - und her damit!