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Rhizom [Taschenbuch]

Gilles Deleuze , Felix Guattari
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

April 1977
"Ihr habt die Wahl zwischen einem letzten Abschied von der Psychoanalyse, einem rosa Panther, der Geschichte Amerikas, einigen Ameisen, einem Modell, das sowohl dem Strukturalismus wie der generativen Grammatik entwischt, einer Guerillatheorie, einer Orchidee usw. Und wenn Ihr über folgenden kleinen Satz stolpert: ‚Sie sind verrückt geworden‚, dann sind es Deleuze und Guattari, die sich über das lustig machen, was man von ihnen denkt. Sie lachen. Ein schallendes Lachen." (Roger Pol Droit, Le Monde)

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Rhizom + Postmoderne und Dekonstruktion: Texte französischer Philosophen der Gegenwart + Die différance: Ausgewählte Texte
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Produktbeschreibungen

Über den Autor

Gilles Deleuze wurde 1925 in Paris geboren. Bereits vor seiner Professur an der Sorbonne zeichnete sich Deleuze durch philosophiegeschichtliche Studien über Spinoza, Bergson, Hume, Kant und Nietzsche aus. 1995 beging Deleuze nach langer und schwerer Krankheit Selbstmord.Félix Guattari (1930-92) lehrte am Collége de Philosophie in Paris. Seine Schriften, zum Großteil in Zusammenarbeit mit Gilles Deleuze entstanden, spannen thematisch einen Bogen von den Bereichen Philosophie, Wirtschaft und Politik bis hin zur klinischen Psychoanalyse.

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Kundenrezensionen

4.2 von 5 Sternen
4.2 von 5 Sternen
Die hilfreichsten Kundenrezensionen
55 von 55 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen lasst keinen General in euch aufkommen 5. Februar 2005
Von noolog
Format:Taschenbuch
Rhizom - Ausser Botanikern dürfte dieser Begriff wohl nur Kennern dieses Buches etwas sagen. Das dicht unter der Erdoberfläche wuchernde Wurzelwerk von Gräsern, Zwiebeln und Knollen avanciert in diesem kleinen Werk mit großer Wirkungsgeschichte zum Paradigma eines neuen Denkens, das nicht hierarchisch ist, nicht tiefsinnig, nicht dialektisch, sondern schnell, vernetzt, heterogen, aparallel, asymmetrisch, mannigfaltig, vielschichtig - und das "nicht" schnell hinter sich lässt. Wem „neues Denken" zu sehr nach Marketing klingt: „Rhizom" ist ein Pamphlet aus alten Tagen, provozierend, positiv und humorvoll, dabei komplex und auf jeden Fall ernst zu nehmen. Deleuze kann wohl als einer der einflussreichsten französischen Denker angesehen werden, Guattari war Psychoanalytiker und Schüler Lacans.

Das Rhizom dient Deleuze/Guattari als Gegenbild zum „Baum-Modell" der Wissenschaften, in dem Ausdifferenzierungen über binäre Verzweigungen laufen, immer teilt sich eins in zwei, jeder Punkt ist hierarchisch genau bestimmt, ultima ratio ist das Eine, der Stamm [auch Gott, absoluter Geist, Doxa etc]. Damit wird die Differenz der Einheit untergeordnet, die Vielheit wird als abgeleitet verstanden. Das typische „Baum-Verfahren" ist daher die Dialektik, und insofern ist Hegel die deutsche Eiche, die das Autorenteam gerne fällen würde [oder von Termiten befallen sähe, auch eine rhizomatisch organisierte Mannigfaltigkeit].

Bemerkenswert an dieser kleinen Schrift ist nun, dass sie sich an dem Punkt der „Baum-Kritik", die wohl einen Großteil der Philosophiegeschichte betrifft, bei weitem nicht erschöpft, sondern erst dort beginnt und ein positives Gegenmodell entwirft. Deleuze/Guattari geben natürlich zu, dass die mit dem Entwurf eines Modells verbundenen Operationen eigentlich nicht mehr die ihren sind, steht doch ein Modell für etwas anderes [Repräsentation] und dient der Vereinfachung von Komplexem - sie nehmens mit Humor: „Uns ist schon klar, dass wir niemanden überzeugen können, wenn wir nicht wenigstens einige ungefähre Merkmale des Rhizoms aufzählen." Merkmale des Rhizoms sind Konnexion, Heterogenität, Mannigfaltigkeit, asignifikanter Bruch, Kartographie und Abziehbild - sie bilden die Eckpunkte einer Theorie der Vielheiten, die weniger Theorie als Arbeitsanweisung sein will.

Was also ist das Rhizom? Eine Ameisenkolonie, schreiben die Autoren, weil man nie mit ihnen fertig wird, Kafkas Hotel in „Amerika", weil es unzählige gleichwertige Eingänge hat, jedes Buch, wenn man eine Möglichkeit findet, sich an es anzuschliessen - wie an eine Maschine - und etwas zu produzieren, das Kurzzeitgedächtnis, weil es diskontinuierlich, mit dem Prozess des Vergessens verbunden ist und ihm die Einfälle zugehören, der rosarote Panther, weil er die Welt in seiner Farbe anmalt um in ihr zu verschwinden, auch „die schändlichen Liebschaften, die dem Altertum und dem Mittelalter so sehr am Herzen lagen", weil sie die Genealogien durcheinander bringen ... Warum wirkt dieses Buch so verrückt, wozu diese Provokationen? Es ist wie Quantenmechanik mit Fingerpuppen zu erklären, ohne sie zu reduzieren, eine lachende Pädagogik, die sich ihre Leser selbst sucht. Und dennoch: ernstzunehmende Philosophie, allemal im weiteren Verlauf des Werkes, dem der Text entstammt [siehe unten]. Franz Kafka, Henri Miller, Jean-Luc Godard, Pierre Boulez, Heinrich Kleist, Paul Virilio, Ernst Jünger, Marcel Schwob, von Sigmund Freud und Melanie Klein analysierte Kinder, Glenn Gould, Friedrich Nietzsche, der rosarote Panther - sie gehören unter anderem zum Ensemble des hier gespielten Theaters.

Vor allem wer sich in der akademischen Philosophie, Psychoanalyse oder Literaturtheorie auskennt, aber zuweilen etwas entnervt von ihrer Methodik und ihrem Pathos ist, oder von dem Bild, das diese sich gelegentlich von der Welt machen, sollte Rhizom lesen. Das Pamphletartige des Textes hängt mit seiner Stellung zusammen, ist er doch die Einleitung zu dem Hauptwerk von Deleuze/Guattari namens „1000 Plateaus - Kapitalismus und Schizophrenie II", in dem ohne wieder auf das Modell zu rekurrieren, aber unter den Prämissen des Rhizoms gearbeitet wird - dort im Gegensatz zur Einleitung weitläufig, intensiv, und in gewisser Weise auch systematisch.

Es ist allerdings nur das Vorwort, und wen „Rhizom" erfasst hat, den werden die restlichen 670 Seiten aus „Tausend Plateaus" reuen. Dafür ein u-bahntaugliches Format. Layout, Klebung und Papierqualität sind freilich bescheiden - trotz der geistreichen Schätze, die der Verlag offeriert, ein echtes MERVE-Problem.

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13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Interessante Theorie, komplexe Materie. 9. September 2004
Von TPE
Format:Taschenbuch
Definition: Rhizom [gr.] (Wurzelstock, Erdsproß) unterirdisch oder dicht unter der Bodenoberfläche waagerecht oder senkrecht wachsende, Nährstoffe speichernde (jedoch nicht zur Assimilation befähigte), ausdauernde Sprossachse vieler Stauden.
Rhizome wachsen an der Spitze unbegrenzt weiter, die älteren Teile sterben allmählich ab.
Als Rhizom bezeichnen Deleuze und Guattari in der Philosophie ein Modell für eine mimetisch-ästhetische Praxis, bei der die Metapher des Wurzelstocks das hierarchische und ramifizierende (verzweigende) Denken ersetzt, das Deleuze und Guattari kritisieren.
Im Buch übertragen die Autoren das ursprünglich botanische auf ein neues Denkmodell, dessen Notwendigkeit aus der Aussage resultiert, es genüge nicht länger das Multiple auszudrücken, man müsse es machen.
Die Autoren erläutern in sechs Punkten, wie dieses Denkmodell umzusetzen ist, wobei die botanischen Parallelen ständige Begleiter sind. Und somit ist dieses Buch nicht als Lebensratgeber oder ToDo-Anleitung zu verstehen, sondern als Denkanstoss. Typographisch gesehen ist dieses Buch absolut affrös, Inhaltlich gesehen kann es eine Bereicherung sein. Interessante Theorie, komplexe Materie.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sehr interessant 16. Januar 2013
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Ein Knaller aus den mittleren 70ern. Vielleicht kann man sagen, eine Bombe aus Worten, wenn man einige Aspekte dieser Zeit mit bedenkt. Das Buch wird heute noch ordentlich gekauft, weil es so angenehm dünn ist und der Begriff Rhizom" prächtig zu unserem vernetzten Zeitalter passt. Theoretisch geht es den beiden Autoren darum, die Vertikale durch die Horizontale zu ersetzen. Das Bild des Baumes, der seine Wurzeln in die Tiefe treibt und in der höchsten Krone die besten Früchte hervorbringt, war diesen Franzosen als Denkfigur zuwider. Darin sahen sie das Prinzip der Hierarchie verkörpert, das die abendländische Gesellschaft seit langem gekennzeichnet und für die Massen aus ihrer Sicht nur Ausbeutung bedeutet hat. Dagegen setzten sie das Rhizom: Ein Wurzelgeflecht, das unter der Erde stark in die Breite wuchert, Pflanzen und Pilze in sehr großer Zahl miteinander verbindet und schlimme Unwetter oder Katastrophen funktionsfähig überstehen kann. Als das amerikanische Militär das Internet erfand, hatte es auch, vielleicht unbewusst, eine Art rhizomatischer Struktur vor Augen, die nach einem eventuellen Atomkrieg die Kommunikation sichern sollte. Deleuze und Guattari wandten dieses Rhizomatische allerdings ins Revolutionäre. Das Buch war durchaus als Blaupause für die vielen Feinde des kapitalistischen Abendlandes entworfen und wurde auch so verstanden. In der morgendländischen Gesellschaft sahen die Autoren viel mehr ihr geliebtes Rhizom verkörpert als bei uns. Ob Bin Laden dieses Buch kennt? Westliche Anti-Terror- Experten sollten es aufmerksam lesen. Rhizom und Al Quaida haben vieles gemeinsam.

Am Ende des schmalen Bandes ist auf 14 Seiten ein Interview mit den beiden abgedruckt. Darin geht es um den ersten Teil von Kapitalismus und Schizophrenie". Deleuze und Guattari akzeptierten kein Ich" und keine Subjektivität , sondern nur konkurrierende Kollektivmaschinen". Im Kapitalismus meinten sie, die unterdrückende, in der Schizophrenie, die unterdrückte Kraft zu erkennen. Ihr Traum war die Befreiung der Wunschmaschinen". Entgegen einem verbreiteten Vorwurf ihrer Kritiker, lehnten sie die Konsumgesellschaft ganz und gar nicht ab, sondern wollten im Gegenteil immer mehr Konsum, immer mehr Kaufkraft und Möglichkeiten für die einfachen Leute. Aber dann kamen die wirklich konsumkritischen Öko-80er und plötzlich war der Wunsch nach dem Immer mehr" politisch unkorrekt. Das Ergebnis ist die Ausdünnung der Mittelschicht. Soll ein deutscher Bauarbeiter Urlaub in Thailand machen können? Deleuze und Guattari hätten das ganz eindeutig bejaht. Ohne moralischen Zeigefinger. Ohne ökologische Bedenken. Das macht diese Denker heute zumindest interessant. Subversiv waren sie immer. Ein kräftiges Ja zum Vergnügen. Nur wer richtig feiert, arbeitet mit Freude. Diese Linken sind aus ökonomischer Sicht integrationsfähig. Wie alle 68er.
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