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Konventionelle Naturbeschreibung wird man hier vergeblich suchen: "Einfühlsame Schilderungen von Wildblumen oder rauschenden Bächlein, Hohelieder auf die Waldesherrlichkeit, atemlose Stille in Gegenwart von Meister Reineke oder Frau Eule" sind nicht nach Quammens Geschmack. Stattdessen erzählt er von einer Klapperschlangenfarm in Texas oder hinterfragt die einseitige Parteinahme, die uns so sorgsam darauf achten lässt, für unser leibliches Wohl nur Thunfische, aber keine Delfine zu töten. Existenzielle Fragen wirft Quammen auf: "Sie haben sich im Laufe der Jahre schon oft gefragt, lieber Leser, warum Eulen keine Penisse haben" -- obwohl diese eigentlich "keine sonderlich elitäre entwicklungsgeschichtliche Errungenschaft" darstellen, wie all die penisbewehrten Krokodile, Marienkäfer, Schmetterlinge, Fadenwürmer und Milben beweisen.
Bei der Auswahl seiner Essays konzentriert sich Quammen auf die Frage, wie Menschen die natürliche Welt betrachten und auf sie reagieren und will dabei immer wieder die Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis aufzeigen. Immer wieder stellt sich die Wirklichkeit dabei weitaus komplizierter dar als zunächst gedacht -- wie etwa bei der Frage, warum ein Viertel aller bekannten Tierarten Käfer sind, ganz zu schweigen von den vielen Millionen unentdeckten Varianten des "Grundmodells Käfer".
Quammens Stärke besteht in der Mischung aus augenzwinkernder Ironie und Ernsthaftigkeit, mit der er die absurdesten Fragen aufwirft. Dank seiner gründlichen Recherche fördert er mit jedem Esssay eine wahre Fülle von Fakten und Anekdoten zu Tage, in denen er sich zeitweise zu verlieren scheint. Doch auf wundersame Weise gelangt er damit immer wieder zu hochinteressanten Einsichten und Theorien. Quammens Naturbetrachtungen liefern keine einfachen Antworten, sondern sind eine sehr lebendige Auseinandersetzung mit einer komplexen Welt, die uns immer wieder viel über uns selbst verrät. --Birgit Will
Quammen begibt sich wieder einmal auf ungewöhnliches Terrain, und seine Feldforschungen an den exotischsten Plätzen der Erde sind stets verknüpft mit der Frage, wie der Mensch die Natur in ihrerer Vielgestalt betrachtet. Zu hemmungsloser Neugier neigend interessiert er sich ebenso für Klapperschlangen wie für ihre Händler, für die Zubereitung tiefgekühlter Flederhunde wie für die Paarung homosexueller Kraken und die Muskatnuss als Wirtschaftsfaktor. Mit den Füßen im Sumpf des Amazonas philosophiert er über Gottes Liebe zu leuchtenden Käfern. Er wagt verwegene Abstecher in die Naturgeschichte und verbreitet sich über das berühmte Nashorn, das Albrecht Dürer nur vom Hörensagen kannte, dessen Abbild aber die gesamte Kunst- und Kulturgeschichte des Abendlandes beeinflusste.
Charmante Prosa gepaart mit unwiderstehlichem Humor und leichter Vermittlung komplexer Zusammenhänge: David Quammens luzide Beobachtungen sind eine herzerfrischende Lektüre.
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