Ergänzend zur o.a. Beschreibung des Films sollte erwähnt werden, dass die Hauptdarstellerin Elke Haltaufderheide auch die Produzentin des Films ist. In unaufdringlichen, aber sehr eindringlichen Szenen legt sie die gefährlichen sinnlichen, erotischen, emotionalen und vermutlich auch mentalen Unterschiede zu ihrem Mann offen.
Die Handlung des Films, welche die Theaterschauspielerin Haltaufderheide in mancher Kameraeinstellung verrät, ist sehr glaubwürdig ... denn es ist die Geschichte einer Leidenschaft zwischen zwei Menschen, die sich nur in diesem Zug erfüllen kann. Für die Frau hat der Zug eine ganz besondere Bedeutung. Nur in ihm konnte sich die leidenschaftliche Beziehung zu einem Schulfreund entwickeln. Ihre Sexualität wurde und wird vom Ausnahmezustand an sich bestimmt. Nur so kann sie sich spüren, fühlen, wahrnehmen - und die Balance zu ihrer Ehe und ihrem Alltag halten. Ihr Schulfreund und jetziger Geliebter schätzt die ungebundene Arbeitsweise eines Zug-Kellners; vor allem aber liebt er das Ambiente einer Welt, welches ihn schon als Kind zu einem Eisenbahn-Freund werden ließ. Von Beginn an hatte er das Fahren auf Schienen auch einen starken erotischen Aspekt empfunden. Aber die Tragik, die sich in der Frau bei allem abspielt, bleibt auch ihm verborgen.
Allein der sublime Hochmut ihres (mit der Realität glaubhaft überforderten) Gatten - totenstill, bemitleidend und sehr verletzend - als sich die Frau unbeobachtet fühlend im Auto ihres Mannes den Träumen an ihre Welt im Rheingold-Express hingibt und zärtlich selbst befriedigt, ist eine der vielen eindringlichen und doch mit Scham und Diskretion vollführten Szenen des Films. Was ist dagegen schon etwas so Plumpes wie der Streifen "Basic-Instinct" ? Gar nichts !
Szenen einer Ehe - komponiert für einen deutschen Spielfilm jener Jahre, der schauspielerisch exzellent bis in die Nebenrollen besetzt ist. Der Film ist ansprechend, rührend, beklemmend, realistisch, unterhaltsam, mit der entscheidenden Mischung aus Professionalität und bewusster "Unprofessionalität" gemacht, um vieles und jeden von uns auf seine Weise anzusprechen. Bisweilen schöne Bilder aus dem Fenster des Rheingoldexpress sind Beiwerk ... es hätte genau so die Norddeutsche Tiefebene sein können, um ebenso gut zu sein.
Zum exzellenten Bonusmaterial zählen ein aufschlussreiches Making-of über den Film, Regie und Regisseur Niklaus Schilling, wie auch ein Almanach in Kurzform mit guten Fotos und Daten der Schauspieler.