Kurzbeschreibung
Geschätzt als Komponist und gesucht als Kompositionslehrer war Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901) eine Größe von europäischem Rang. Besonders seine über 200 kirchenmusikalischen Kompositionen stellen einen bedeutsamen Beitrag zur Sakralmusik des 19. Jahrhunderts dar. Stilistisch pflegt Rheinberger eine eher klassizistische Tonsprache, deren Harmonik zum Beispiel im Einsatz von Chromatik und Alteration allerdings zeitgemäß ist. Bemerkenswert sind auch seine geradezu mustergültige Satztechnik und die souveräne Beherrschung des Kontrapunktes. Der Komponist stand dabei sowohl der neudeutschen Schule als auch dem von ihm als epigonal betrachteten Cäcilianismus skeptisch gegenüber. Dass viele seiner Werke trotz hoher musikalischer Qualität nach seinem Tod im Jahre 1901 nicht mehr aufgeführt wurden, hängt nicht zuletzt mit äußeren Umständen zusammen: Die mit dem Jahrhundertwechsel beginnende ästhetische Neuorientierung führte zu einer radikalen Ablehnung jener konservativ-klassizistischen Richtung, der sich Rheinberger wie auch Brahms verpflichtet fühlte. Hinzu kommt, dass er sich nie selbst nachdrücklich für die Pflege seines eigenen Werkes eingesetzt hat. Seit mehreren Jahren macht sich Carus um die Wiederentdeckung dieses musikalischen Schatzes verdient und hat sich hierbei der Mithilfe namhafter Solisten und Ensembles versichert. Die vorliegende Folge enthält neben drei Opera mit Motetten auch Rheinbergers letzte, unvollendet gebliebene Messvertonung aus seinem Todesjahr.