Vielleicht sollte es einfach mal wieder ein Geheimnis bleiben, weshalb gerade während, in, um, nach persönlichen Krisen große Komponisten häufig so ungemein beeindruckende Werke schufen; vielleicht macht es ja auch gar keinen Sinn, immer zu (ver)suchen, hintergründig zu erforschen, warum, weshalb, wie und was ... Nehmen wir einfach mal wieder die Kunst als Ganzes, geben wir uns den Werken mal wieder vorbehaltlos hin, lauschen den qualvollen wie den befreienden Emotionen, lassen wir den 'Gesang der Seele' auf uns wirken. Dann nämlich geben wir uns selbst die Chance, aufmerksam zuhörend viel zu entdecken, zB auch wie die INTERPRETEN fühlen, was sie reproduzierend aus den Werken schöpfen, wir lernen deren Emotionen kennen, in uns aufzunehmen und durch ihr Spiel uns so auch wieder den Komponisten zu nähern, ein wunderbarer, nicht enden wollender emotionaler Kreislauf!
Diese Gedanken empfand ich spontan beim gestrigen Konzert in der Hamburger Laeiszhalle und jetzt wieder beim Nachhören dieser 'seelenvollen' CD, die treffend den Titel 'Rhapsody' trägt (... musikalische Themen, lose miteinander verbunden, können flüchtige, unzusammenhängende Motive sein, die nicht unbedingt aufeinander aufbauen oder verschränkt sind ...), die den Emotionen wirklich freien Lauf lässt: Rachmaninov's (g-moll Op. 19) wie Prokofiev's (C-dur Op. 43) Sonaten für Cello und Klavier höchst temperamentvoll wie feinsinnigst interpretiert! Gautier Capuçon beeindruckt in fantastisch romantischen Farben ebenso wie mit unerwartet plötzlichen Ausbrüchen, großartig verlebendigte Kunst! Gabriela Montero elektrisiert mal mit hartnäckigen Staccati des Klaviers, mal mit ungemein subtilen, feinsten, ja geradezu 'getupften' meditativen Klängen, sanft das Cello exponierend begleitend. Beide führen gekonnt klug durch diese aufrührenden Werke; da haben sich zwei außergewöhnliche Interpreten gefunden, die alles auskosten, was den 'Gesang der Seele' ausmachen kann.
Quasi als Zugabe: Rachmaninov's 'Vocalise' (Op. 34 No. 14), das letzte der '14 Lieder', ursprünglich der Sopranistin Antonia Nechdanowa gewidmet, eine Transkription von Capuçon und Montero, ein Traum für Cello und Klavier, warm, fließend, sehnsuchtsvoll! (Rachmaninov begleitete übrigens selbst gern damit Grigori Piatigorsky.) Und dann zeigen die beiden Interpreten Capuçon und Montero sich noch von ganz anderer Seite: Mit ihrer Transkription von Rachmaninov's 'Variation No. 18' (Rhapsodie über ein Thema von Paganini), ein Wiegenlied, lyrisch, sehr emotional.
Mein Fazit: Unbedingt hörenswert!!!