Eines der populärsten Werke der klassischen Musik ist George Gershwins (1898-1937) "Rhapsody in Blue". Gerade die Zuordnung aber zum Genre der klassischen Musik ist mehr als strittig, schließlich steckt das Werk - so wie fast alle anderen Werke Gershwins - voller Elemente zeitgenössischer Musik. Wie kaum ein anderer Komponist nämlich zollte der Amerikaner dem Jazz Tribut.
Folglich ist die "Rhapsody in Blue" ein bunter Reigen verschiedener musikalischer Stimmungen, wobei die Grundstimmung freilich positiv ist. Gershwin konzipierte das Werk ursprünglich für Klavier solo. Weiterhin existieren verschiedene Orchesterversionen, deren Arrangements Gershwin allerdings nicht selbst vornahm.
Die vorliegende Version für Jazz Band und obligates Klavier instrumentierte Ferde Grofé. Ihre Vorzüge liegen in der kammermusikalischen Transparenz und dem durchaus reizvollen, metallischen Bläserorchester.
Von ähnlich beschwingtem, mitreißendem Habitus ist die "Cuban Overture". Ohne Umschweife packt sie den Hörer. Besonders bemerkenswert ist der konzertierende Charakter der Komposition. Zudem gestaltet der amerikanische Tonsetzer das Werk interessant durch einen differenzierten Einsatz von Schlagwerk und Bläserstimmen.
Zahlreiche Jazzlieder wurden von George Gershwin und seinem Bruder Ira geschaffen und sind bis heute in aller Munde. Viele davon stammen aus der berühmten Oper "Porgy and Bess", von der hier ein Auszug, der sogenannte "Catfish Row" eingespielt ist. Von besonderer Schönheit ist hier die fein gearbeitete Fuge.
Gershwin versteht es, in seine typisch nonchalante Tonsprache unwiderstehliche und zutiefst berührende Elemente einzuflechten.
"An American in Paris" ist eines der liebenswertesten Charakterstücke Gershwins. Er verarbeitet hier seine Reiseerfahrungen aus Frankreich. Um den Anspruch vollkommener Authenzität zu erheben, schrieb er für die Erstaufführung original französische Autohupen vor. Überhaupt ist das Stück schrill und bunt, wirkt an einigen Stellen überheblich, um dann wieder in Melancholie zu versinken. Die Klangsprache ist hier beinahe expressionistisch.
Das Chicago Symphony Orchestra bietet dem geneigten Hörer eine Aufführung der Extraklasse. Maestro und Pianist ist hier James Levine, der so farbig nuanciert und artikuliert, dass die vorliegende Aufnahme - in herausragender Aufnahmequalität - getrost als Referenz bezeichnet werden kann. Man höre sich nur die herrliche Transparenz in der "Rhapsody" an! Jede noch so feine Klangfarbe ist zu hören, das Blech wirkt nie aufdringlich oder unangenehm. Dabei versäumt es Levine aber dennoch nicht, die teils wilden Reigen zu gliedern und straff zu akzentuieren. Gepaart mit der hervorragenden Orchesterleistung wird die Darbietung unendlich vielseitig und sollte in keiner ernst zu nehmenden CD Sammlung fehlen.