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am 8. März 2007
Nicht nur bei Chopin und Scarlatti, sondern auch bei Brahms beweist Ivo Pogorelich hier wieder seine einsame Meisterschaft. Er gibt Brahms, dessen Klavierstücke gar zu oft anbiedernd schwelgerisch und sentimental gespielt werden, seine Größe und Melancholie zurück. Ich habe die Kompositionen, die auf dieser CD versammelt sind, noch nie so sensibel, zart und zugleich so hinreißend kraftvoll gehört. Dank Pogorelichs hoch empfindsamem, klug gebändigtem Rubato-Spiel und einer nie sinnlos entfesselten, aber in den dramatischen Partien überwältigenden Leidenschaft klingen sowohl die vier Intermezzi wie auch die zwei Rhapsodien auf dieser CD vollkommen neu und endlich befreit von all den sentimentalen Konventionen, die Brahms oft in die Nähe des Salons gerückt haben. Faszinierend zudem - und besonders schön im ersten Stück, dem Capriccio, zu hören -, wie räumlich bei Pogorelich diese Musik klingt, wie dieser Ausnahmekünstler gleichsam eine Klangarchitektur entstehen läßt. Fazit: Eine absolut geniale Interpretation, die andere akklamierte Einspielungen, wie z.B. die von Hélène Grimaud, brav erscheinen läßt, aber auch die seinerzeit maßgebende Gesamtaufnahme des Brahmsschen Klavierwerks durch Julius Katchen in den Schatten stellt.
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am 28. Februar 2010
Ich kann verstehen, wenn jemand ganz anders "drauf ist", daß er hier verrückt wird. Das scheint nicht Brahms zu sein, es scheint nicht recht vorwärts zu gehen. Aber geht dabei etwas verloren? Ich finde nicht. Wenn es ein anderer als Pogorelich spielen würde, wär es sicher unerträglich. Man mag ihm folgen, oder mag es nicht; ich folge ihm, und er zieht mich in ein neues Hören hinein. Er will, daß ich es so höre, und - warum nicht? Wer kann denn sagen, daß nicht sogar Brahms sich darauf eingelassen hätte, sich noch anders zu erfahren? Ich sehe den Auftrag des Künstlers, Musik immer wieder neu zu erschaffen, und dieses hier bewegt mich sehr.
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am 29. Februar 2008
Pogorelich ist für seine Manierismen bekannt, mit Tempobezeichnungen verfährt er nach Lust und Laune. So wird aus dem ersten Stück der CD, op. 76 No 1, das un poco agitato zu spielen ist ("unruhig bewegt"), ein Nocturne. Das Andante teneramente von op. 118, No 2 schlafft zu einem Largetto ab und mündet in einen Choral - wobei man zwischendurch desöfteren meinen könnte, Pogorelich sei bereits eingeschlafen. Oder ist es vorzeitige Vergreisung? Wer die Leidenschaft und Nervosität von Brahms Klavierstücken erfahren will, hält sich doch besser an Julius Katchens Referenzaufnahme.
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am 6. August 2012
Ich schätze Pogorelichs Aufnahmen sehr; Bachs englischen Suiten, Chopins Scherzi ... Außergewöhnlich, einzigartig! Seine Brahmsdeutung hingegen berührt mich nicht in gleicher Weise ... sehr, sehr langsam, einzelne Aspekte fast zwanghaft klar herausstellend; dadurch geht für meinen Geschmack das Wesentliche verloren: die eigentümliche melancholisch-gefasste Stimmung mit seinen vereinzelten Gefühlsausbrüchen und auch zuversichtlichen Momenten. Immer noch meine Referenz: Julius Katchen! Auch Stefan Vladar liefert eine meines Erachtens durchaus überzeugende Deutung dieser einzigartigen Perlen der Klavierliteratur ab.
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