Mit Spannung habe ich auf dieses Buch gewartet. Dass es keine Weiterführung des "alten" Buches werden würde, wusste ich. Hierin sollte es im das neue System, von Reynir erdacht, gehen. Die Level. Eine Ausbildung sinnvoll und pferdegerecht, aufgeteilt in Lern-Level für Pferd und Reiter. Eigentlich eine wirklich gute Idee: Dem Reiter wird etwas an die Hand gegeben, um ihm bei alltäglichen Gangsalat-Training, im Kuddelmuddel von Trainermethoden eine systematisch am Anfang beginnende Richtung zu geben, die sich an klassischen, barocken und sonstigen Reitstilen orientiert, ohne dabei die Gangbesonderheiten des Islandpferdes, seine Herkunft und Reittradition zu vergessen.
Dass das Buch mit dem Praxisteil ganz am Anfang beginnt, ist ebenso logisch. Wenn die Kommunikation zwischen Reiter und Pferd schon vom Boden nicht stimmt, wie soll es erst unter dem Sattel klappen?
Doch die Frage, warum die ersten Level, sicherlich die Grundlagen-Level, gegenüber den anderen derartig viel Platz eingeräumt wurde, bleibt. Warum wurde z.B. nicht auf die Darstellung von Hufschlagfiguren verzichtet (die man überall nachlesen könnte) und der "Reitkunst" (Level 5) statt dessen mehr Platz gegönnt?
Diesen hätten Level 3, 4 und 5 dringend gebraucht. Denn hier beginnt ja die eigentlich "Arbeit", das Formen des Pferdes, und hierin liegt vielleicht auch das Besondere in Reynirs Arbeit mit den Isländern. Und hier, bei Schulterherein, Versammlung, Töltarbeit usw. schleichen sich am ehesten Fehler ein, deren Behebung/Korrektur sinnigerweise im alten Buch noch ein breiter Platz eingeräumt wurde. Das macht für mich das Plus des alten Buches aus.
Nur zu wissen wie es geht, das ist eine Sache. Aber zu erfahren, was zu tun ist, wenn es einem nicht so schön gelingt wie Reynir und Leikur teilweise, das wäre wichtig gewesen.
Auch die Auswahl der Bilder ist nicht immer gelungen. Der Text transportiert einen gewissen Anspruch an die Reiterei, der anhand der Bilder oft nicht erfüllt zu werden scheint. Einige Bilder hätten sogar dringend der Kommentierung bedürft, denn das, was zu sehen ist, könnte dem Leser nahezu widersprüchlich erscheinen wenn er genau hinschaut.
Das Level-Buch ist wirklich gut aufgemacht, reichlich bebildert, aber für die Praxis nur bedingt tauglich. Wenn es ans "Eingemachte" geht, ist es schon zu Ende. Bleibt nur der Gang in einen der Kurse von Reynir, um dort wirklich etwas mitzunehmen für sich und sein Pferd.