Chastity Riley ist Staatsanwältin, und zwar eine der unkonventionellen Art. Sie hasst ihr Büro, liebt es, im St.-Pauli-Fanblock zu stehen, trinkt gern mal einen über den Durst, hat einen empfindlichen Magen, einen ebensolchen Kreislauf, vergnügt sich mit einem 15 Jahre jüngeren Nachbarn, und überhaupt kommt nichts auf der Welt an ihren heiß geliebten Kiez heran.
Als am Hafen eine skalpierte Frau gefunden wird, beginnen für sie und ihre Kollegen einige aufregende Tage, denn der Täter scheint sich nicht mit einem Opfer zufrieden zu geben.
Simone Buchholz hat sich eine Menge Mühe gegeben, unverwechselbare, originelle Charaktere zu erschaffen. Allen voran die äußerst menschliche und damit auch sympathische Staatsanwältin, aber auch viele Nebenfiguren sind genauso "hart aber herzlich" geraten, wie man sich als Außenstehender St. Pauli eben vorstellt. Die Autorin lebt als Zugezogene selbst in Hamburg und muss die Stadt und ihre Einwohner eindringlich lieben gelernt haben, anders ist es kaum zu erklären, wie leicht es ihr fällt, dem Leser diese Zuneigung aufzuzeigen.
Umso größer wirkt die Diskrepanz zwischen den Figuren, die einem schnell ans Herz wachsen, und der schluderigen, phanatasielosen Krimihandlung. Selten war ein Täter so einfach und schnell zu erraten wie hier, die Mordfälle dienen scheinbar einzig als Aufhänger. Ein wenig mehr Aufwand hätte in dieser Hinsicht nicht geschadet und der Autorin sicher auch nicht zu viel abverlangt.
"Revolverherz" lässt zwar einiges Steigerungspotenzial durchblicken, ist für jeden Hamburg-Fan aber dennoch unbedingtes Pflichtprogramm.