Mit seinem neuestem Film "Revolver" hat Guy Ritchie leider alles andere als Ruhm geerntet. Die Leute sollen scharenweise aus dem Kino gegangen sein und mehrere namhafte Magazine rieten sogar ihren Leser den Film zu meiden. Die Ideen zum Film seien geklaut, der Erzählstil sei zu chaotisch und selbstverliebt. Die schlechten Ergebnisse, die dieser Film einspielte waren auch der Grund, warum er keinen deutschen Vertreiber fand.
Haben all diese Leute Recht? Immerhin ist es daselbe Publikum, dass dafür sorgt das die Zahlen hinter den Filmnamen immer höher werden und damit das Auskommen mittelmässigster Regisseure und Schauspieler gesichert ist. Dass der Film nicht allgemeintauglich ist, gebe ich sofort zu. Aber damit steht er wohl in einer Tradition vieler Filme, die an den Kinokassen versagten nur um Jahrzehnte später als "absoluter Kult" zu gelten. Ob es dieser Film schafft, wird die Zeit zeigen. Was ich Ihnen raten würde - tun Sie ihn sich an, machen Sie sich selbst ein Bild davon. Ich denke es lohnt sich.
"Revolver" ist unglaublich komplex. Wahrscheinlich der komplexeste Film mit dem dicht durchwobensten Erzählstrang den ich je gesehen habe. Dadurch ist er zugleich spannend und fordernd, obwohl (vielleicht wäre ein "weil" passender gewesen) es um Schach geht. Es geht um zwei Männer, Kontrahenten, der heruntergekommene Profispieler Mr.Green - wunderbar in Szene gesetzt von Jason Stratham, der seine "cooler Schönling" Masche von "Transporter" gottseidank abgelegt hat und Mr.D einem zwielichtigen Kasinobesitzer und "Con", gespielt von Ray Liotta. Diese beiden Männer spielen gegeneinander, nicht Schach - sondern ein tödliches Machtspiel, der eine aus Rache, der andere aus verletztem Stolz. Und jetzt wirds etwas kompliziert :-) - zugleich taucht der Zuschauer in die Köpfe der Kontrahenten ein und sieht das Spiel aus deren Perspektive. Und um das Ganze noch richtig durcheinanderzubringen wird man gleichzeitig noch Zeuge, wie beide Männer noch schwer mit sich selber ringen. Dabei werden ihre Handlungen von verschiedenen Positionen aus beobachtet und bewertet. Das Ganze ist dann auch noch durchwoben von verschiedenen kurzen Annekdoten. Heraus kommt dadurch eine Perspektivenflut, die den Zuschauer beim ersten Mal auf jeden Fall verwirrt.
Nichts desto trotz, sollte man sich darauf einlassen. Es ist kein leichter Film, bei weitem nicht, man muß dabei viel grübeln - und gleich zu Beginn rät der Film seinem Zuschauer, er solle über das bisher Geschehene am besten noch nicht nachdenken, es ergäbe noch keinen Sinn. Selbst nach dem Ende des Filmes wird man vielleicht noch ratlos vor dem dunklen Bildschirm sitzen - aber nach etwas Überlegen fallen einem die Groschen schon :-). Wie so immer wird der mutige, geduldige und ausdauernde Zuschauer zum Ende (oder dannach) belohnt werden.
Erwähnenswert ist auf jeden Fall aber die tolle Kamerarbeit und die ganze Aufmachung des Filmes, so passen sich die Kulissen jeweils den Gefühlszuständen der jeweils aktierenden Charaktere an (von grellen Farben bis hin zum surreal verträumten).
Der Erzählstil ist ganz im Stile Guy Ritchies, ungewöhnlich - jedoch anders, als man es vielleicht von ihm gewöhnt ist. Was man sich vor Augen halten sollte ist, dass dieser Film mit den früheren Ritchies nichts zu tun hat. Er ist nicht lustig (bis auf ein oder zwei Szenen), er ist deutlich blutiger, ernster erzählt und vor allen Dingen hat er nichts von der Coolness, die "Snatch" und "Lock, stock & two smocking barrels" auszeichnete. Guy Ritchie hat sich auf jeden Fall weiterentwickelt.
Was unterm Strich bleibt ist ein guter Film, weit ab vom mainstream, von einem Regisseur, der seinem Publikum (lobenswerterweise) mehr zutraut und dafür bestraft wurde.