Dieses Buch sollten Iran-Interessierte oder Studenten der Islamwissenschaft auf jeden Fall lesen. Rudolph Chimelli ist ein sehr feinsinniger, ausgewogener und kenntnisreicher Beschreiber des heutigen Irans. Er hat sich lange mit der Entwicklung dieses Landes beschäftigt, das Land besucht und er lässt den Leser an diesem Erfahrungsschatz teilhaben.
Das Buch besteht aus mehreren Artikeln aus der "Süddeutschen Zeitung", die hier in einer Sammlung und thematisch geordnet erscheinen. Chimelli widmet sich nicht nur der Politik, dem Islam und den Mullahs, sondern er beschreibt auch die Widersprüche des heutigen Irans. Die vielen, unterschiedlichen Gesichter prägen dieses Land heute mehr, als islamischer Fundamentalismus. Gerade diese Feinheiten zu beschreiben und erfassen, machen Chimelli zu einem Iran-Experten der anderen Art.
Es gelingt Chimelli, eine Faszination für die Iraner und ihre durchaus widersprüchliche Art zu leben, beim Leser zu wecken. Einziger Wehrmutstrophen ist, dass der Leser schnell die letzte Seite aufschlägt. Verzweifelt sucht man auf dem Buchdeckel einen Hinweis, ob es noch einen zweiten Band zum Iran gibt. Den gibt es leider nicht, aber Chimelli hat noch andere Reportagesammlungen hervorgebracht. Hoffnung auf weitere Lektüre besteht also...