Ich finde, der Titel ist etwas irreführend. Worum es geht ist, dass wir das Bild das wir uns von den Gründen unseres Handelns machen, wohl in mancher Beziehung vollkommen umdenken müssen. Ziel des in kurzer Zeit lesbaren Buches ist, so der Herausgeber Gero von Randow, Orientierungshilfe zu geben für die "Trends von heute, die das Morgen bestimmen werden".
Bas Kast, Wissenschaftsjournalist, hat es mit seinem Buch "Die Liebe" in Bestsellerlisten gebracht. "Revolution im Kopf" ist nicht so ins Detail recherchiert. Es fasst im Wesentlichen die Fortschritte prägnant zusammen, die in der Hirnforschung in den letzten zehn Jahren gemacht worden sind. Als Quellen dienen eine Reihe von Büchern, die von Protagonisten der Hirnforschung publiziert wurden. Es ist Bas Kast tatsächlich gelungen, eine Orientierungshilfe zu geben für diejenigen, die sich einen Überblick und schnellen Einstieg verschaffen wollen.
Quer durchs Hirn führt uns der Weg zur Erkenntnis:
Wer glaubt, er müsse nur die Augen öffnen um die Welt so zu sehen wie sie ist, wird eines Besseren belehrt: Es ist eine Illusion. Die Wirklichkeit als Hirngespinst?
Unsere Sinneswahrnehmungen werden in ihre Einzelteile zerlegt, separat verarbeitet und wieder zusammengesetzt. Was kann dabei alles passieren? Lernen: Warum ist es nicht ein "Nachlassen" der Fähigkeiten, wenn wir mit zunehmendem Alter uns mit dem Lernen schwerer tun? Es schützt uns vor Chaos im Gehirn!
Wo Freud recht hatte: Die Hirnforschung bestätigt, dass wir nicht "Herr im eigenen Haus sind", ein "Über-Ich" haben, wir uns nicht selbst deuten können. Wir können über uns selbst nur "Vermutungen" anstellen. Wir handeln zuerst, DANN treffen wir die Entscheidung zu handeln. Und ein "Interpretor" findet eine Erklärung für alles, auch für unsere Verhaltensweisen. Im Nachhinein.
Kein Mitgefühl, keine Sprache ohne Spiegelzellen. Wir imitieren alles was wir sehen (mit den Spiegelzellen). Nur ein Hemm-Mechanismus verhindert, dass wir nicht ständig unsere Muskeln in Gang setzen und das Gesehene nachmachen.
Hörschnecken-Implantate, Netzhaut-Implantate, Hirnchips: Werden Mensch und Maschine verschmelzen? Wer glaubt, dies sei reine Science Fiction, sehe sich die Versuche an, in denen Siliziumchips Impulse der Neuronen registrieren, die man auf ihnen wachsen lässt.
Meist gelingt es Bas Kast recht gut, wissenschaftlich komplexe Sachverhalte zu vereinfachen und verständlich auszudrücken. Dabei schießt er allerdings manchmal etwas über das Ziel hinaus. Ein "Zombie" in unserem Hirn klingt zwar ganz lustig, macht aber nichts wirklich klarer. Und wenn ich eine Meeresschnecke namens Aplysia wäre, würde ich einen beleidigten Leserbrief schreiben. Bas Kast beschreibt dieses (zugegebenermaßen etwas amorphe) Geschöpf und Haustier der Lern-Forscher als "eine Art Folienkartoffel mit Ohren".
Für wen:
Es fällt auf, dass die bisherigen Kritiken das Buch mit fünf Sternen, oder nur mit einem Stern bewertet haben. Das liegt möglicherweise an einer unterschiedlichen Erwartungshaltung. Wer die Hirnforschung der letzten Jahre verfolgt hat, wird in dem Buch nichts Neues finden, auch keine neuen Theorien. Das ist aber gar nicht der Anspruch, denn es wurde nicht von einem Hirnforscher geschrieben, sondern von einem Wissenschaftsjournalisten, der Veröffentlichtes zusammengefasst hat. Und so sehen ich das Buch: Als Orientierungshilfe zum schnellen Einstieg. Die Liste von Büchern, die die einzelnen Aspekte vertiefen, kann weiterhelfen.