Holger Rust spricht mir und vermutlich noch diversen anderen Lesern aus der Seele, wenn er in seinem Buch "Revolution des Spießertums" zu einem einmaligen Rundumschlag ausholt, der einige krasse Auswüchse unserer Zeit bloßstellt. Eine Auswahl aus dem Inhaltsverzeichnis verdeutlicht, welche Themen Rust unter anderen anspricht: Modelwahn, Frauenwelten, Männerwelten, Seeex, Gin & Yang, Geheimtips, ...
Jedes der vierundzwanzig Kapitel des Buches behandelt eine eigenständige "Zeiterscheinung". Sarkastisch und zynisch, gleichzeitig jedoch sachlich, kommt man nicht umhin, bei der Lektüre herzhaft zu lachen - so traurig viele Dinge auch sein mögen.
Jedes Kapitel kann als "Essay" für sich gelesen werden, wobei man die Intention des Autors jedoch nur dann zu fassen bekommt, wenn man das Buch von Anfang bis Ende liest. Dann stellt sich nämlich heraus, daß der Psychologieprofessor Rust (der jedoch nicht in eine wissenschaftliche Sprache verfällt!) jeden einzelnen dazu aufruft, selber zu handeln, da die derzeitigen "Niederungen" - dem Autor entsprechend - nur dann überwunden werden können, wenn jeder einzelne seinen Teil dazu beiträgt. Diese Aussage hätte man jedoch auch am Anfang des Buches bereits etwas stärker und deutlicher herausstellen können - bis dahin war es lediglich eine köstliche Lektüre...zum Schluß hin jedoch gibt Rust dem Leser einen positiven Ausblick und eine Hilfe an die Hand: Die Wiederentdeckung des "Lächelns".
Alles in allen ein sehr lesenswertes Buch, welches die Motive und Prinzipien vieler Alltagserscheinungen (nicht nur in den Medien) offenlegt und den Begriff des "Spießers" aus dem kleinbürgerlichen Milieu heraushebt und ihn auf jene anwendet, welche sich für das genaue Gegenteil eines Spießers halten...