Carl Carlon gehört zu den Gitarren-Zauberern, die leider viel zu unbekannt sind, weil sie nicht aus dem Schatten ihrer berühmten Arbeitgeber heraustreten können. Dieser ist in Carltons Fall Peter Maffay. Auf seinem Solo-Album schafft es der Ostfriese endlich, ohne den Einfluss des Rumänen, mal zu machen, was er für richtig hält. Und das ist auch gut so.
Zunächst einmal muss gesagt werden, dass es ihm gelungen ist, eine hervorragende Band und erstklassige Gastmusiker für dieses Album zu gewinnen. Als Gäste sind unter anderem Robert Palmer und der geniale Sonny Landreth, der hierzulande wohl am ehesten durch John Hiatt bekannt geworden ist, dabei.
Herausgekommen ist ein vielseitiger Mix von guten Rockern und sanften Balladen mit einem Ausflug in die Funk-Ecke.
Die druckvollen Rocker (allen voran das geniale "Shoeshine shuffle", in dem Wurlitzerpiano und Gitarre einen affenstarken Mix ergeben) erinnern oft verblüffend an die Rolling Stones, dann und wann auch etwas an Lynyrd Sknyrd. Von seiner sanften Seite bekommen wir Carlton und seine Songdogs z.B. in dem Gänsehaut-Song "Let it rain" zu hören und er beherrscht auch die alte Singer-Songwriter-Technik: Zwei Akustikgitarren begleiten Song ("Long distance love"), dessen Text von Sehnsucht und Liebe handelt. Gerade in diesem Song kommt zum Ausruck, dass der geniale Gitarrist Carlton auch ein genialer Sänger ist.
Dass "I can feel the fya" von Rolling Stone Ronnie Wood extra für Carl Carlton (der in diesem Song gemeinsam mit Robert Palmer singt!)komponiert wurde, kann leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Song, der Funk-Ambitionen hat, der schwächste auf diesem Album ist.
Carl Carlton sollte bei der soliden Rockmusik bleiben. Dass er sie aus dem ff beherrscht, stellt er auf diesem Album unter Beweis und ich werde nicht der einzige sein, der erwartungsvoll fragt: "Carl, wann kommt die zweite CD?"