Very, very allmanish indeed - nur den Sänger hat man ausgewechselt! Doch die Orgel zum Glück belassen. Selbst die Twin-Gitarren sind da, nur halt von einem gespielt. Der klingt dann aber gleich wie die Quersumme aller Gitarristen die jemals bei den Allmans gespielt haben, von Dickie bis Duane. Der Soundteppich ist auch derselbe, das Songkonzept, ebenfalls zum Vorteil der Aufnahme, stark verknappt, außer beim Ausklang, dem Slowblues `Shelter'.
Nun kann man kritisieren, dass Derek Trucks seiner sonstigen Arbeit, der Verarbeitung ethnischer, multikultureller Einflüsse, die er ansonsten mit der Derek Trucks Band pflegt, untreu wird. Ist okay, denn schließlich ist es eine Tedeschi-Trucks-Aufnahme, und die Gattin ist nun mal `ne Bluesmusikerin und bringt sich entsprechend auch so ein, sie singt den Blues, sie spielt Blues-Gitarre, vor allem schreibt sie auch noch das meiste - Bluestitel in alter Tradition, nur selten in die Nähe eines Soulhauchs driftend, genau das, was sie sonst auch tut.
Man kriegt also zunächst nicht, was man von dieser Aufnahme erwarten könnte, vorausgesetzt man hat Multikulti erwartet. Erwartet man hingegen Allman Bros. orientierten Bluesrock mit Tedeschi-Einfluss, wird man bestens bedient! An der Arbeit von Derek Trucks gibt's sowieso nichts zu kritisieren. Wer spielt farbenprächtiger, variabler als er - auch den Zwölftakter, der hier nie Zwölftakter ist?! Vielleicht fehlt ihm ein wenig das Gegengewicht von Warren Haynes, vielleicht noch mehr das verknappte Spiel von Doyle Bramhall II. Die Band ist die Trucks Band und die spielt wie immer 1 a. Da ist kaum etwas besonders hervorzuheben, außer vielleicht - ausgerechnet - der Einsatz der Orgel sowie der nur hin und wieder verwendete Bläsersatz einschließlich Solosax, die das Ganze in die Nähe von Soul und sogar Jazz rücken. Frau Tedeschi schließt zudem nahtlos an die Qualität ihrer letzten beiden Soloaufnahmen an - kompositorisch wie gesangstechnisch.
Nun ist das in der Summe nicht überragend, dafür ist das Genre auch zu ausgelutscht. Problematisch wird es zudem gerade in den beiden scheinbaren Highlights und Auskling-Tracks der Aufnahme: "Love has something else..." und "Shelter". Das erste ein durch den Bläsersatz geprägtes Soul-Funk-Jazz-Stück, das zweite ein Slowblues. Beide länger als die sonstigen Tracks. Das vor allem deshalb, weil man hier das versucht, was die Derek Trucks Band ansonsten nach Hörermeinung auszeichnet: Einbezug sonstiger Musikeinflüsse und Improvisationsfreude. Beides führt hier aber zu fast collageartigen Songstrukturen, die etwas zusammengeschustert wirken in ihrem etwas beliebigen nebeneinander von Satz, Zwiegespräch von E-Piano und E-Gitarre und dann noch anschließendem Solo.
Dennoch bereitet der Gesamteindruck aber durchaus Hörvergnügen innerhalb der Grenzen des Genres Blues-Rock - morgens nach dem Aufstehen oder im Dunkeln über Straßen gleiten sind gute Anlässe zum Hinhören oder auch nur als Begleitmusik zur entspannten Blues-Feeling-Erzeugung, den richtigen Downer und einen wirklichen Ausfall glücklich vermeidend.
Und zu guter letzt und gesondert hervorzuheben - Jim Scott! Der kann wirklich produzieren - eigentlich. Warum allerdings ausgerechnet ihm, dem Supererfahrenen, das oben angesprochene Unausgegorene unterläuft, mag den beiden Chefs zu "verdanken" sein....