Das ist schon eine merkwürdige, aber in seiner Konsequenz auch beeindruckende Platte. Gleichförmig-brachial wälzt sich Gitarrist Geordie durch die im staubigen Zivilisationsdreck dahinsiechenden apokalyptischen Songs, die sich zwar wirklich nicht nennenswert voneinander unterscheiden, aber wenn man in der richtigen Stimmung ist, kann einem der modulationsarme betäubende (von Conny Plank produzierte) Dröhnklang dieses Werks auch irgendwie hypnotisierend gefangennehmen. Am nächsten Tag fragt man sich zwar wieder, was man da gestern daran nun so toll gefunden hat. Naja, ist eben ihre künstlerische Sackgassen-Platte, aus der sie ja bekanntermaßen dann wieder herausgefunden haben. Mir fällt zu der Platte auch immer das ähnlich rücksichtslose "Pornography"-Album von The Cure ein.
Höhepunkte für mich sind der unheilvoll dräuende Opener "The Hum", das einzige ruhige Ausnahmestück "Good Samaritan", in dem Coleman sogar mal "Happy, so happy, I just accept the way things are, I'll stick to songs - that's real, so happy, la la la la" äh lallt, was natürlich zynisch gemeint ist, und das allem die Krone aufsetzende, den fröhlichen Reigen (...) abschließende "Dregs", auf dem Jaz Coleman krampfanfallartig hustet und spuckt, dass es eine wahre Freude ist (?? Nun ja...). Und "Chop Chop" ist einer Single noch am nächsten (wurde ja auch eine).
Jedenfalls versinkt man nach dem Hören entweder in wüste Gewaltphantasien und stapft den restlichen Tag fäustegeballt, mißmutig und feindselig durch die Straßen, oder fasst den Gedanken ins Auge, den Rest seines Lebens einsam in einer Hütte in den Wäldern Saskatchevans zu verbringen und diese nur zu verlassen, um ab und zu mal einen Bären zu erlegen (in Wahrheit hielten sich Sänger Jaz Coleman und Geordie seinerzeit oft in Island auf, was scheinbar immer eine merkwürdige Wirkung auf den künstlerischen Ausdruck hat (siehe z.B. The Fall [die dort auch tourten und daraufhin den Monolithen "Hex Enduction Hour" gebaren], Sigur Ros, Björk).