Nachdem die Mannen um Gitarrist NEAL SCHON und Keyboarder JONATHAN CAIN in den vergangenen Jahren viel Pech mit ihren Sängern hatten (STEVE PERRY und STEVE AUGERI hielten den Anforderungen an die Stimme gesundheitlich nicht stand, JEFF SCOTT SOTO hatte zu viele anderweitige Verpflichtungen) haben JOURNEY einen neuen Sänger und der klingt gleich mal wie der "Alte". ARNEL PINEDA kommt von den Philippinen und sang dort - wen wundert's? - in einer JOURNEY-Cover-Band. Zudem klingt der gute Mann so unglaublich nach Ur-Sänger STEVE PERRY, dass es einem fast kalt den Rücken runter läuft (vor allem auf CD 2).
Musikalisch hat sich nicht viel geändert bei JOURNEY: NEAL SCHON und JONATHAN CAIN schreiben die Songs und die Lyrics. Dass sie das beherrschen beweisen die Beiden immerhin mit Unterbrechungen schon seit den 70ern. Damals wie heute wurden beziehungsweise werden sie von einigen Kritikern als TOTO-Verschnitt belächelt, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Sicherlich gibt es große Parallelen im Gesamt-Sound, aber JOURNEY waren immer schon mehr eine straight rockende Band, während bei TOTO sicherlich der ein oder andere Song (JAKE TO THE BONE von KINGDOM OF DESIRE oder aber DAVE'S GONE SKIING von TAMBU) eher für Musiker gedacht war. Aber das war nie das Ding" von JOURNEY. So auch heutzutage.
Auf REVELATION besinnen sich SCHON, CAIN, PINEDA sowie Bassist ROSS VALORY und Schlagzeuger DEEN CASTRONOVO auf ihre Stärken: großartige, treibende Rock-Songs, hymnenhaft schöne Balladen und alles was dazwischen liegt. Die Gitarre bestimmt den Gesamtsound, ohne aber die Keyboards komplett in den Hintergrund zu drängen.
NEVER WALK AWAY beginnt das Album furios mit dickem Gitarren-Riff, treibendem Rhythmus und tollem Refrain. PINEDA beweist sofort, dass er ein würdiger Ersatz für PERRY ist.
LIKE A SUNSHOWER drosselt das Tempo direkt auf Balladen-Niveau herunter, getragen von gezupfter Gitarre und Klavier ist dabei aber keine platte RICHARD MARX-Ballade sondern mit viel Gefühl.
CHANGE FOR THE BETTER ist eine Mid-Tempo-Nummer, wie sie JOURNEY locker aus dem Handgelenk schütteln, die auf den Konzerten aber sofort für Stimmung (und lautes Mitsingen) sorgen wird.
WILDEST DREAM kling ein frappierend nach BAD ENGLISH (der Band, in der SCHON, CAIN und CASTRONOVO Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre mit Sänger JOHN WAITE zusammen spielten).
FAITH IN THE HEARTLAND (bekannt von GENERATIONS) kommt etwas überraschend auf CD 1, denn die Cover-Versionen sind eigentlich auf der zweiten Disc, ist im Prinzip nur von PINEDA neu eingesungen.
AFTER ALL THESE YEARS ist dann wieder eine schöne Klavierballade, die von PINEDA im bester PERRY-Manier vorgetragen wird.
WHERE DID I LOSE YOUR LOVE erneut Mid-Tempo gehalten, mit leicht funkiger Rhythmus-Gitarren-Arbeit in der Bridge und schönem Refrain.
WHAT I NEEDED erneut ein langsames Stück, mit dramatischem Mittelteil und "herzzerreißender" Gitarre.
WHAT IT TAKES TO WIN rockt dann wieder mächtig aber auch mit toller Melodie, hier klingt PINEDA auch nicht so sehr nach PERRY.
TURN DOWN THE WORLD TONIGHT und wieder eine Ballade, wie man sie von JOURNEY kennt, sehr gefühlvoll, mit kleinen Gitarren-Spielereien im Hintergrund. Bei den Classic Rock"-Radiostationen in den USA sicherlich ein Hit.
THE JOURNEY (REVELATION) ist ein NEAL SCHON-Instrumental, bei dem die restliche Band lediglich für die Untermalung zuständig ist, für Gitarristen und Musiker schön für andere wahrscheinlich eher uninteressant.
LET IT TAKE YOU BACK ist der Bonus-Track für Europa. Straighter Rock aber auch der schwächste Song des Albums.
Auf der zweiten CD, die dem Paket beiliegt gibt es dann die größten Hits der Band-Geschichte noch einmal neu eingespielt mit ARNEL PINEDA als Sänger und etwas mehr Gitarrenanteil. Ob das nötig war wird die Zeit zeigen. Die alten Fans werden sich wahrscheinlich lieber die Originale mit PERRY anhören, aber hier beweist PINEDA schon mal, dass er die Songs in Original-Stimmlage zum Besten geben kann. Das lässt für künftige Tourneen hoffen.
Alles in allem ist REVELATION sicherlich keine Offenbarung im Sinne des Wortes, aber eine rundum gelungene JOURNEY-CD. Fans wünschen sich ohnehin nichts anderes. Warum sollten Musiker auch nach 30 erfolgreichen Jahren im Geschäft ihren Sound oder ihre Songstrukturen noch einmal komplett überarbeiten?