Eines vorweg: Ich finde Christopher Lee toll. Allein schon seiner wunderbaren Sprechstimme wegen sehe ich mir Peter Jacksons "Der Herr der Ringe" stets im englischsprachigen Original an. Als Synchronsprecher in Tim Burtons Puppentrick "Corpse Bride" schätze ich Lee ebenso wie als Darsteller in "Sleepy Hollow", "Charlie and the Chocolate Factory" und "Star Wars Episode II & III" - um nur mal ein paar der aktuellsten Titel aus dem Spätwerk von Lee zu nennen. Hut ab, der Mann ist mittlerweile 84, ist offensichtlich auch im fortgeschrittenen Alter noch sehr umtriebig - und ich wünsche ihm von Herzen, dass das noch ganz, ganz lange so bleiben möge. Nachdem bereits diverse Heavy Metal-Bands Lee als Sprecher und auch Sänger für sich entdeckt hatten, hat der Mime jetzt also auch ein eigenes Album veröffentlicht. Einige Titel darauf sind Wiederveröffentlichung älteren Materials ("Wand'rin' Star", "Name your Poisin"), das Gros von "Revelation" machen aber neue, erst kürzlich eingespielte Stücke aus. Der Gesamteindruck ist dementsprechend etwas uneinheitlich; und prinzipiell stellt sich die Frage, wie ernst das Ganze gemeint ist bzw. wie ernst man das alles nehmen sollte. Die Aufmachung des Albums weist den Weg: Die Fotomontage auf dem Cover ist deutlich als solche erkennbar, das Booklet ist ein unleserlich und, typographisch gesehen, ein absoluter GAU. Die Produktion steht dem in nichts nach: Die Stimmen sind seltsam ausgesteuert, oft besteht die Begleitung aus nicht mehr als einem quietschenden Synthesizer, der Töne auf einem besseren Bontempi-Niveau produziert. Manchmal hapert's an Takt, Tempo, Timing, Phrasierung, und oft, sehr oft, wirkt Lees Stimme einfach zu unsicher und brüchig, als dass das musikalische Vergnügen ungetrübt wäre. Und was ist da eigentlich bei "Oh! What a beautiful morning" passiert? Läuft da einfach ein uraltes Tonband im Hintergrund? Die Aufnahme, die Lees Playback begleitet, wirkt jedenfalls so, als hätte man irgendwo ganz, ganz alte Bänder aus den 40er oder 50er Jahren hervorgekramt. Trotzdem ziehe ich den Hut vor Lee: Ich glaube, er hat im Studio richtig Spaß gehabt, und ich nehme an, wenn er dieses Album 10, 20 oder 30 Jahre früher veröffentlicht hätte, dann wäre "Revelation" ein echtes Glanzstück geworden. Das Album, das jetzt vorliegt und das von 2006 stammt, lässt das ahnen, hat aber eben auch gehörig Patina. Aber nochmal "trotzdem": Wer mit 84 nochmal so aufdreht, verdient Respekt. Ich mag das Album. Gerade mit Menschlein mit Sinn fürs leicht Bizarre empfehle ich die CD vorbehaltlos. Erfahrungsgemäß ist es bei Veröffentlichungen dieser Art fraglich, ob je eine zweite Auflage erscheint - zuweilen steigen solche Sammlerstücke esrtaunlich schnell im Preis, und zuweilen schießt der Preis in erstaunliche Höhen. Ich räume dem Album jedenfalls einen Platz in meiner "Sonderbar"-Lieblingsliste ein und freue mich, dass ich ein Exemplar gekauft habe.