Das Undenkbare wird 1997 Wirklichkeit: Die Urformation von Black Sabbath, die von 1970 - 1978 mit acht Alben Musikgeschichte geschrieben hat und seither getrennte Wege geht, vereint sich zu einer großen "Reunion" - Tour.
Bei der vorliegenden Liveaufnahme vom fünften Dezember 1997 aus ihrer Heimatstadt Birmingham in England lassen es die Herren Ozzy Osbourne (Gesang), Tony Iommi (Gitarre), Geezer Butler (Bass) und Bill Ward (Schlagzeug) nochmal so richtig krachen. Sämtliche Klassiker aus der Zeit der acht gemeinsamen Studioalben werden in atemberaubenden Versionen dargeboten.
Dabei ist von der Anti - Kriegs Hymne "War Pigs", über die krachenden Kopfnicker "N.I.B.", "Sabbath bloody Sabbath" oder "Children of the Grave" bis zu düsteren Großtaten wie "Black Sabbath" (erneut hervorragend gesungen) oder den alltime Hits "Paranoid" und "Iron man" alles vertreten.
Alle 16 Titel kommen in astreinem Sound um die Ecke, der an manchen stellen jedoch etwas nachbereitet klingt. Iommis Gitarre hat trotzdem immer noch diesen unverkennbar druchvollen Düster - Sound, Butlers Bass rumpelt böse dazu, während Osbourne ab und an psychadelisch nölt, meistens jedoch erstaunlich klar und präzise singt und Ward's Schlagzeugsound so dumpf klingt wie in den Anfangstagen der Formation.
Es ist eine wahre Freude diesen Giganten zuzhören wie sie zeitlose Metal - Klassiker intonieren, die Generationen von Musikern beeinflusst haben und immer noch beeinflussen. Mancher Rock - Veteran mag sich das eine oder andere Tränchen verdrücken müssen ob dieses herausragenden Konzertes absoluter Heroen des Geschäfts.
Als besonderes Schmankerl für die Fans haben sich Tony Iommi und Ozzy Osbourne, lange Zeit Erzfeinde, im Studio zusammengetan und zwei Bonustracks komponiert, die ebenfalls auf "Reunion" zu hören sind.
Einer davon, "Psycho man" ist mit einem typischen Black Sabbath - Riff ausgestattet. Tonnenschwer walzt sich Iommis Gitarre durch die Boxen und Ozzy singt die Strofen erstaunlich tief, was gar nicht schlecht klingt. Lediglich der etwas arg genölte Refrain wird manchen stören. Ich finde den Track okay und durchaus hörenswert,auch wenn man über den Pseudo - düsteren Text eher schmunzeln kann.
Klar, dass der Titel als Single keinen Erfolg hat, aber es ist trotzdem interessant die Urformation nach 20 Jahren mit einem neuen Studio - Song wiederzuhören. Er hat immer noch alle Elemente die man erwartet: stampfendes Midtempo und am Ende einen herrlichen Tempowechsel.
Der zweite Song "Selling my Soul" klingt etwas klassischer. Erneut ein schweres Iommi - Riff und ein Refrain der durchaus ins Ohr geht. Wahrscheinlich die stärkere Komposition als "Psycho man", aber Bill Ward fehlt am Schlagzeug. Ich habe schon zwei Versionen zu "Selling my Soul" gehört. Eine davon besagt, dass die Schlagzeug - Parts von einem Drum - Computer stammen sollen, eine andere, dass Mike Bordin, Ozzy Osbournes Solo - Drummer die Parts eingespielt haben soll. Wer es letztlich war ist jedoch egal, der Song an sich ist durchaus hörenswert.
Das erstaunlichste an beiden Tracks ist die Tatsache, dass sich Black Sabbath nach ihrem Album "Forbidden" (1995) eigentlich von jeglichen Studio - Aktivitäten verabschiedet haben und nun, drei Jahre später, tatsächlich noch einmal zwei Studiosongs erscheinen. Vielleicht will man den treuen Fans auf der "Abschiedstour" nochmal eine kleine Freude bereiten.
Heute im Jahr 2007 weiß man, dass es letztlich keine Abschiedstour geworden ist und dass die Metal - Legende immer noch auf diversen Festivals in der Ur - Formation zu hören und zu sehen ist.
Zwar gehen Iommi und Butler zusammen mit Ronnie James Dio und Vinny Appice 2007 unter dem Namen "Heaven and hell" und mit drei neuen Studiotracks aus dem Album "The Dio years" im Rücken auf Tour, das heißt jedoch nicht, dass sie mit diesem Projekt das endgültige Ende von Black Sabbath einläuten wollen. Vielleicht wird es ja noch einmal die Chance geben, ein letztes Studioalbum der Urbesetzung zu hören...
"Reunion" ist ein zeitloses Live - Dokument einer einmaligen Band, die den Heavy Metal begründet und zahllose Musiker wie Lars Ulrich und James Hetfield, Zakk Wylde oder andere geprägt und inspiriert hat. Sie nach so lange Zeit auf einer Doppel - CD in Bestform erleben zu dürfen, bedeutet einfach einen Pflichtkauf.
Black Sabbath haben in vielen Besetzungen gespielt, hatten die größten Sänger an Bord (Ozzy, Dio, Tony Martin, Ian Gillan, Glenn Hughes), so wichtig jedoch wie in der Urbesetzung waren sie nie mehr. Man kann sagen was man will, aber es lässt sich nicht verleugnen, dass ohne eine solche Band, deren Namen als Anlehnung an einen Horrorfilm kreiert wurde, der heutige Metal weitaus schwieriger auf den Weg gebracht worden und um einige Jahrhundert - Songs ärmer wäre.
Danke für dieses "Best of" - Statement zum Ende des Musik - Jahrhunderts, das ohne Black Sabbath so viel ärmer gewesen wäre.