Esslemonts zweiter Roman (nach "Night of Knives") spielt wie sein Erstlingswerk in der Welt von Malaz, die Esslemont zusammen mit Steven Erikson erdacht hat. Während Erikson fleißig fast jährlich seine Werk herausbringt und damit die High-Fantasy ungemein bereichert hat, ging es Esslemont langsamer an.
Nun beschreibt er in "Return of the Crimson Guard" die Heimkehr der berühmt-berüchtigten Crimson Guard, einer verschworenen militärischen Einheit, die vor langer Zeit ihrem Herzog K'azz D'Avore schwor, nicht zu ruhen, bis das malazanische Imperium zerstört sei. Im Laufe der Jahre hat sich die Garde in kleinere Einheiten aufgelöst, die nun aber nach Quon Tali aufbrechen, dem Herzland des Imperiums, um die Imperatris Laseen zu stürzen. Dass der Kommandeur Skinner eigene Pläne verfolgt, die nicht im Sinne des Herzogs sind, dem die Garde einst die Treue schwor, bleibt vorerst unentdeckt.
Der Zeitpunkt für eine Rückkehr scheint auch kaum günstiger, denn in Quon Tali rühren sich die vor Jahrzehnten unterworfenen Völker und erheben sich schließlich gegen die Malazaner. Nur einige Einheiten bleiben loyal, während die Aufständischen auch von ehemaligen malazanischen Offizieren angeführt werden, die vor Jahren untertauchten und nun den Sturz der Imperatrix betreiben. Esslemont beschreibt die diesbezügliche Handlung recht packend, es ist wohl der beste Teil des Romans (vom gut erzählten Ende abgesehen), während die Handlung um die Garde meiner Meinung nach eher mittelmäßig beschrieben wird.
Eine große Schwachstelle des Romans ist, dass das Potential sehr vieler Charaktere nicht genutzt wird und sie teilweise wie Statisten wirken. Ghelel ist so ein Beispiel, aber auch Skinner, über den man gerne mehr wissen würde, wirkt irgendwie blass. Choss und Ameron kommen kaum richtig zur Geltung, während es durchaus lesenswert ist, den "armen" Possum zu beobachten.
Esslemonts Buch ist recht lesenswert, aber keineswegs brilliant. Es steht nicht auf einer Stufe mit Erikson, Joe Abercrombie oder Bakker und Martin. Aber es spielt in der wohl besten Fantasywelt, wodurch vieles aufgewertet wird. Fans von Erikson sollten es sich daher nicht entgehen lassen, denn es ist in weiten Teilen ordentlich bis gut geschrieben, hat aber eben auch einige schwache Passagen; vor allem die Charakterentwicklung mag mich nicht ganz überzeugen. Für Eriksonfans ist es deshalb durchaus ein 4 Sterne Kandidat, alle anderen sollten einen abziehen. Dennoch: ich für meinen Teil habe es trotz der besagten Schwächen sehr genossen, die Handlung im malazanischen Imperium zu verfolgen. Einmal Malazaner....