Der Autor ist Professor für Wirtschaftstheorie mit Schwerpunkt Spieltheorie in Frankfurt. Auf seiner Webseite gibt es viele spannende Anwendungen in der Praxis. Umso interessanter, daß er sich nun in seinem neusten Buch dem Euro und der Eurokrise zuwendet. Im Kern stehen einige leicht verständliche Grundkonzepte aus der Spieltheorie, die er dann auf die Situation des Euro überträgt. Wie zB die Harleyfahrer, die in der Kneipe die Regel befolgen, daß nicht jeder seinen eigenen Konsum bezahlt, sondern die Gesamtrechnung durch alle geteilt wird. Und siehe da, auf einmal ist es rational, wenn man mehr und großzügiger verkonsumiert, als es ansonsten der Fall wäre. Denn die zusätzliche Vorspeise kostet für den Einzelnen jetzt nicht mehr x sondern x/n. Und was erst, wenn es nicht einige wenige Harleyfahrer sind, die sich gut kennen, sondern Menschen in verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Ess- und Lebensgewohnheiten. Und jeder trotzdem weiterhin über seinen Konsum frei entscheidet, die Rechnungen am Ende aber immer geteilt werden. Man kann sich unschwer vorstellen, daß hier noch viel mehr über die Strenge geschlagen würde. Und dies ist im Euroraum bereits geschehen, als sich die Südländer nach der Euroeinführung mit billigen Zinsen bis über die Ohren verschuldet haben und jetzt nach Unterstützung aus den Hilfsfonds und nach Eurobonds rufen. Es ist eine Situation, in der es Anreize gibt und es für das einzelne Land rational ist, sich auf Kosten der anderen zu bereichern. Hier erkennt man spätestens, daß es ein Grundproblem in der Konstruktion des Euro gibt und die Lösung der Eurobonds für Deutschland sehr teuer würden.
Und warum haben die im Euro eingebauten Strafmechanismen bisher nicht funktioniert? Weil sie nur als Drohkulisse konstruiert wurden und die Politik zu Beginn dachte, daß allein würde reichen! Und so wurde keine der im Euro eingebauten Strafmechanismen tatsächlich angewandt, als es eigentlich hätte geschehen müssen. Auch hier verbirgt sich ein interessantes Konzept aus der Spieltheorie: eine möglich Strafe ist dann unglaubwürdig, wenn sie im Ernstfall nicht wirklich eingesetzt werden kann. Und warum wird sie nicht eingesetzt? Weil die Strafe so wirkt, daß sich der Bestrafende noch mehr Schaden zufügt. Der Autor bringt das schöne Beispiel des Räuber Hotzenplotz, der seine Pistole nicht mit echten Patronen, sondern mit Pfeffer gefüllt hat, damit er im Ernstfall auch wirklich zu schiessen bereit ist. Eine solche Pfefferpistole sind natürlich die hohen Zinsen, die Italien für seine neuen Staatsanleihen zahlen muß. Davon geht das Land kurzfristig nicht bankrott, doch wirkt es als schmerzhafte Erinnerung, daß sich perspektivisch etwas grundlegend ändern muß. Letztlich waren es genau die von den Politikern so verschmähten Kapitalmärkte, die eine Wendung zum Besseren in Griechenland, Italien und Spanien bewirkt haben.
Der Autor macht keinen Hehl daraus, daß er den Euro in seiner jetzigen Form für ein völliges Fehlkonstrukt hält und die möglichst baldige Aufspaltung in einen Nord- und einen Südeuro empfiehlt. Das Buch ist locker, fast umgangssprachlich, geschrieben und stellt eine echte Bereicherung in der heutigen Fülle von Unausgegorenem zu diesem Thema.