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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mit einigen Genialitäten versehen!, 14. Januar 2007
"Rettet die Wale" ist ein sehr schwieriges Album. Nach Hören des Titeltracks im Radio versuchte ich, hier im Internet Hörproben zu finden - was misslang. So hielt ich dann eine Woche später das Komplettwerk in der Hand und war zunächst wenig beeindruckt. "Rettet die Wale" hat einen völlig anderen Charakter als jedes andere Lied auf der CD. Kein Song klingt wie der andere.
Da sind dann zwar Titel dabei, die beim ersten Hören überzeugen ("Linzserenade", allein schon wegen der Textzeilen "In Linz gibt es viel Polizei / Und trotzdem bin ich allein / ... / Und überall Linzpolizei"; "We shall overcome", so eine Art erste Singleauskopplung mit sehr viel Text und noch mehr Aussage), aber andererseits sind dann auch zwei Stücke drauf, mit denen ich mich auch jetzt nicht 100%ig angefreundet habe. "One Hand Mona" enthält bewegende Elemente ("Rise and shine, Mona! Rise and shine on them all!"), aber ist mit seinen 9einhalb Minuten Spieldauer dann doch zeitweise nervig. Und außerdem "Mein Bruder" - so aussagekräftig der Text auch sein mag: es fehlt die Melodie!
Andere Titel wiederum entpuppten sich schon nach kurzer Zeit als wahre Genialitäten: "Genua" hat eine sehr freie, sphärische Hintergrundmusik (wunderschön: das Cello!) auf der man eigentlich singen kann, wie und was man will. Gustav entscheidet sich dafür, einen Mischmasch aus Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch zu präsentieren. Erstaunlicherweise aber so, dass ich jedes Wort verstehen kann! "Genua" sorgt mit seiner Ruhe und dem aufrüttelnden Text für die bewegendsten Momente auf dem Album.
Auch "Da am Monopol" überzeugt spätestens nach dem 5ten Hören. Hier wird es nämlich rockig! Dazu ein wahrlich genialer Text ("...in die Zukunft blickend, rechts sich drehend / Dann steckten sie sich plötzlich rote Nelken an und pfiffen auf den Steuermann...") und ein GANZ stimmiges Klavier...
Ein leider eher 0815-Titel ist "Little weird Grrrl" - dem Song ist höchstens eine halbwegs eingängige Melodie abzugewinnen. Der Text ist nicht so aussagekräftig, wie man es von Björk - pardon, Gustav, die Stimmen ähneln sich doch sehr... - gewohnt ist. Einzig das Saxophon, das ein originelles Motiv zu spielen scheint ist noch ein Pluspunkt.
Schließlich aber noch das letzte Lied und gleichzeitig der Höhepunkt: "Rettet die Wale" überzeugt durch wenige, aber brilliante Textzeilen, gesungen über eine Art Grammophon-Orchester mit einer jazzigen E-Gitarre und ebenso jazzigen Besen, die wider Erwarten keinen Walzer spielen, sondern sich wie jeder andere Titel auf der CD im 4/4-Takt aufhalten. Die extreme Ordnung in der Melodielinie scheint sich im Text widerzuspiegeln - nur dass dort in Wirklichkeit Chaos herrscht...: "Rettet die Wale und stürzt das System / Und trennt euren Müll, denn viel Mist ist nicht schön / Vergeudet eure Jugend und sagt nicht 'Neger' und nicht 'Tschusch' / Und lasst den Kindern ihre Meinung oder treibt sie früher ab / Und nehmt euch an den Händen und macht Liebe - jeden Tag! / Und rettet die Wale" - perfekt! Alle Boshaftigkeiten, alle vorgetäuschten Süßlichkeiten werden verziehen, als man feststellt, dass Eve Jantschitsch (also Gustav) den Titel mit dem Anfangsausruf beschließt.
Das niedliche Grammophonorchester spielt noch ein bisschen und noch ein bisschen, bis man dann von der Jazzgitarre verabschiedet wird.
Abschließend möchte ich nur noch darauf hinweisen, dass mittlerweile auf einer Schallplatte der Wighnomy Brothers ein hervorragender Remix zu "We shall overcome" erschienen ist. Dies ist leider bisher der einzige Remix, was verwunderlich ist, zumal sich (fast) jedes Lied zum Remixen eignet... DJs: Mut gefasst! Geht fröhlich auf "Rettet die Wale" zu und losgemixt - was auch immer ihr und Gustav damit anstellt...
RETTET DIE WALE!
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sound, Humor und Herz, 14. Mai 2005
Von Ein Kunde
Die scheinbare Naivität der (politischen) Texte, die Vielfalt der Sounds zwischen Elektro, Pop, Akkustiksamples und Experiment/Soundscape und nicht zuletzt die großartige Stimme Eva Jantschitschs, die an Herz und Nieren geht, das alles macht die CD zu einem Gesamtkunstwerk und Gesamtgenuss. "Lass uns Strand finden unter dem Pflaster der Revolution" - mit Gustav sind wir dem einen Schritt näher. Danke Eva :)
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
HD Schellnack, 13. Januar 2007
Ebenso funkykitschigsynthetischselbstgemacht wie das Artwork dieser CD ist auch die Musik von Gustav, einem Projekt der aus Österreich stammenden Eva Jantschisch, das sich jeder einfachen Kategorisierung entzieht, außer vielleicht der Einordnung Muss-man-haben-Klasse. Die Laptop-Tronica-Music ist leicht und minimalistisch, nie einseitig, nie platt, reicht von fixen Happygoluckytracks bis zum absoluten Herzensbrecher. Relaxt und etwas zeitlos programmiert, immer ruhig und sanft, oft hypnotisch, dabei aber auch immer smart und ambitioniert. Nichts ist hier Suppe, jedes Element ist sorgfältig am richtigen Platz.
Der Gesang ist beeindruckend vielseitig, reicht von Naiv-Girliepop bis zu einer fast hörspielartigen Intensität. Jantschisch kann nicht nur tonpräzise singen, sondern bewunderswert, küssenswerte Pausen setzen. A little bit behind the beat, I mean, just enough to turn you on.
Inmitten der absurden wunderbaren, engagierten, federleichten,poetischen und wahren Texte ragt Genua heraus, ein Negligée von einem Lied, fast transluzent schimmernd. Leicht atonal, leicht synkopisch, und bittersweet, die Mischung aus Gesang und Musik so makellos, dass du vor Freude und Trauer, Optimismus und Resignation losweinen musst. Schlagartig ist die ironisch-ernste Leichtigkeit des Albums plötzlich weggewischt und Eva zeigt, wie emotional sie sein kann ... echtes Chanson. Ohne Zweifel der Killertrack des Albums. Ein Song der durch die Tür kommt und dein Herz zerfleddert und wieder weiterzieht.
Andere Tracke wie das grandiose One Hand Mona, das poppige We shall Overcome, das wunderbar straightverspielt sparsamüberbordende treibende Da am Monopol, das psychotische Mein Bruder und der chamefunkelnde Titeltrack Rettet die Wale zeigen eine begeisternde Vielseitigkeit, stets zusammenhalten von einem Hang zum minimalistischen, zum obskuren Sound. Die Vocals so vielzeitig wie die Musik, scharfkantig bis niedlich. Aber immer so, dass du Eva unbedingt kennen lernen willst. Die Texte stehen dieser Energie in nichts nach und entziehen sich - wie das gesamte Album jeder Beschreibung, außer vielleicht «Peter Licht auf harten Drogen». Politisch, humorvoll, klug, naiv, mutig. Und immer wieder einzelne Zeilen, die dich fesseln, deren Resonanz bleibt. Die sind nicht ohne Grund im Booklet abgedruckt, das ist keine Eitelkeit, die sind wirklich lesenswert. ich hab seit Niels Frevert nicht mehr so gerne Texte einfach nur gelesen.
Das Jahr ist noch jung, und das neue Bloc Party Album, das noch nicht erschienen ist, dass wir alle ja aber schon seit einem Monat haben, ist natürlich grandios ... aber wenn nicht mehr viel passiert, habe ich den Soundtrack für 2007 irgendwie wohl schon im Januar gekauft.
Nicht fragen. Einfach kaufen.
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