Weit hinten am Horizont sehen manche Auguren schon ein zartes Licht aufscheinen, doch so recht euphorisch mag sich noch niemand über unsere nähere wirtschaftliche Zukunft äußern. Die wird allenthalben immer noch recht düster gemalt. Doch wo Not ist, sind die Retter nicht weit. Auch Christoph Keese, Chefredakteur der
Financial Times Deutschland, ist einer von denen, die uns nun endlich mit klugem Rat den Weg aus der Misere weisen wollen.
Die Ursachen für unsere gegenwärtigen wirtschaftlichen Probleme sieht Keese weniger in dem von allen Seiten so lauthals beklagten Reformstau als vor allem darin, dass die Deutschen sich so schwer damit täten, sich beherzt und mit Überzeugung zum Kapitalismus zu bekennen. Dabei müssten sich die Deutschen doch nur der Rezepte entsinnen, denen sie bereits zweimal in der Geschichte einen so sagenhaften Aufstieg zu verdanken gehabt hätten. Das eine Mal bei der Transformation vom Agrarland zur Industrienation im 19. Jahrhundert und das andere Mal beim Wirtschaftswunder-Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg, als man sich aus dem Nichts an die Weltspitze katapultierte.
Beide Male habe man ohne Zaudern alles auf den Liberalismus und die freie Marktwirtschaft gesetzt. Und damit sei man reich geworden. Heute müsse man die Zeichen der Zeit erkennen und sich endlich frei machen von den Lähmungen der "sozialen Marktwirtschaft". Die sei bei einer Zahl von sechs (sic!) Millionen Arbeitslosen schlichtweg zur Farce geworden. Nur mit einem klaren Bekenntnis zur wirklich freien Marktwirtschaft könne man in der Weltwirtschaft von heute bestehen und so Arbeitsplätze und letztlich auch soziale Gerechtigkeit schaffen.
Vor allen Dingen aber müssten wir endlich lernen, wie Gewinner zu denken. Dann könne Deutschland auf Sicht eines Vierteljahrhunderts zum "Modell für Staaten auf der ganzen Welt werden. Jeder, der arbeiten will, findet Arbeit. Jeder, der eine Idee hat, kann sie umsetzen. Jeder, der gut ist, hat Erfolg. Jede gute Erfindung wird zum Produkt, jedes gute Produkt findet Käufer. Deutschland wird zum Land der Ideen, zur Innovationszentrale, zur Heimat bewunderter Marken, zur Jobmaschine und zum Wachstumsmotor Europas. In fünfundzwanzig Jahren kann Deutschland das schaffen. Die Deutschen müssen nur wollen." Mit diesem wahrhaft utopischen Fanal endet das Buch und wir sind fast ein bisschen enttäuscht, dass keine Karte beiliegt, die uns einlädt bei Gelegenheit einmal mit dem Autor über heiße Kohlen zu laufen. Ach, wenn die Welt doch nur so einfach wäre. --Andreas Vierecke
Aus der Amazon.de-Redaktion:
Die Deutschlandretter sind in diesen Zeiten in allen Winkeln der Republik unterwegs. Akribisch analysieren sie die vertrackte Lage des Landes und werfen dem Volk Rezepte vor die Füße, mit denen die Republik aus dem Sumpf zu holen sei, ganz bestimmt, wollte die Politik nur endlich auf sie hören. Financial Times-Chef Christoph Keese hat mit solchen Hauruckparolen nichts am Hut. Vor allem jammert er nicht über eine verfehlte Reformpolitik und schreit nach Staat und Politik, wenn das System ins Trudeln gerät. Keese appelliert an den Einzelnen, den Bürger: Raus aus der Zuschauerrolle und handeln. Denn wir alle sind Teil der Gesellschaft und müssen Verantwortung übernehmen.
Wie das gehen soll? Indem wir uns einklinken in die Politik, zum Beispiel in Meinungsumfragen. Indem wir die Mediengesellschaft nutzen, um unsere Standpunkte zu verbreiten. Indem wir tatsächlich mal unseren Bundestagsabgeordneten anrufen oder zur Bürgersprechstunde gehen, wenn uns etwas unter den Nägeln brennt. Keese weiß, dass solche Appelle nicht reichen. Damit die Leute mitziehen, brauchen sie ein Ziel, eine Perspektive, für die es sich zu kämpfen lohnt. Sparen um des Sparen willens lockt niemandem hinterm Ofen hervor. Keeses Ziel: die Renaissance des Kapitalismus. Ein Kapitalismus mit sozialem Antlitz auf der Basis von freiem Wettbewerb, der mehr Produktivität, Arbeit, Wachstum hervorbringt.
Der Financial Times-Chef spart nicht mit provokanten Thesen: Wer links ist, müsse Kapitalist sein. Denn nur er schafft soziale Gerechtigkeit. In einer präzisen und überaus gut lesbaren Analyse blättert er die Stärken und Schwächen unseres Systems auf und zeichnet damit den volkswirtschaftlichen Rahmen, in dem wir handeln und den Kapitalismus wieder beleben können. Erfrischend nüchtern und mit Fakten gespickt, räumt Keese dabei mit einem Strauß von Vorurteilen auf, die sich in dieser Gesellschaft festgeklemmt haben und die wir aufbrechen müssen, damit sich etwas ändern kann. Zum Beispiel: Spekulanten verdienen Geld ohne Leistung, Verteilung geht auf Kosten der Armen, der Kapitalismus ist böse. Allein die Demontage verkrusteter Denkmuster macht die Lektüre zu einem Vergnügen. --Anja Dilk
Das Krisenland Deutschland braucht einen neuen Kapitalismus. Wer für Gerechtigkeit eintritt, muss heute Kapitalist sein was sonst?
Deutschland steckt in der Krise. Die Wirtschaft lahmt, die Gesellschaft überaltert, die Sozialsysteme platzen. Gemessen am Pro-Kopf-Einkommen sind die Deutschen nur noch Mittelmaß. Gerade noch auf Platz 14 der Weltrangliste stehen sie mit dem Wohlstand, den sie erwirtschaften. Lange haben die Deutschen ihre Augen vor der Wirklichkeit verschlossen. Jetzt können sie die Probleme nicht länger leugnen und reagieren hektisch mit Sparaktionen und immer neuen Einschnitten ins Sozialsystem. Völlig offen aber ist, worauf sie zusteuern. Was ist das Wirtschaftsmodell der Zukunft? Wie sieht die neue Gesellschaft aus, für die jetzt Opfer gebracht werden müssen? Welche Rolle spielt Deutschlands Wirtschaft in der Welt? Und vor allem: Was kann der Einzelne tun, um einen Beitrag zum Aufschwung zu leisten? Rettet den Kapitalismus! ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Wiederentdeckung der Rezepte, die Deutschland schon zweimal in seiner Geschichte zu Wohlstand verholfen haben. Im 19. Jahrhundert schaffte das Land den Aufstieg von einer Agrar- zur führenden Industrienation. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang aus dem Nichts der Aufschwung an die Weltspitze. Beide Male folgten die Deutschen dabei den Ideen des Liberalismus. Sie errichteten eine wirklich freie Marktwirtschaft und wurden dadurch reich. Kapitalismus ist auch heute das Mittel der Wahl. Wer links denkt und für Gerechtigkeit eintritt, muss heute Kapitalist sein. Kein anderes System schafft so viel Gerechtigkeit wie der Kapitalismus, keines hilft den Armen besser als er in Deutschland und der ganzen Welt.