Dieses Buch soll mir einen tieferen Einblick in das Finanzsystem verleihen, mir erklären, warum es nicht ohne den Euro geht. Dachte ich. Aber der Titel ist ein wenig irreführend. Tatsächlich geht es hauptsächlich um die Geschichte des Euro und um seine mögliche Zukunft.
Der Autor erklärt im Vorwort, dass der Neugierige eigentlich nur den Anfang lesen müsse, um sich einen kurzen Überblick zu verschaffen. Doch Vorsicht! Gerade diese Kapitel fand ich äußerst dürftig.
Die neun Punkte am Anfang, die belegen sollen, dass der Euro unverzichtbar ist, reichen definitiv nicht aus. Zum Beispiel: Der Euro ist beliebt, weil niemand einen 10-Euro-Schein ablehnen würde, wenn ihm jemand einen anbieten würde. Und darum brauchen wir den Euro. Das genügt einfach nicht als einen von neun Punkten!
Ich hatte mir erhofft, dass das Buch zügig zur Sache kommt und mir die Zusammenhänge im Finanzsystem erklärt. Welchen Einfluss haben Wirtschaft und Politik? Was ist wie geregelt? Was davon funktioniert gut, wo besteht Nachholbedarf?
Das das Buch beginnt mit seitenlagem Blabla, wie toll der Euro sei: Viele Worte, kaum fester Inhalt. Wie gründlich die Einführung des Euro doch gewesen war, schließlich haben renommierte Leute wie Theo Waigel daran mitgearbeitet. Entschuldigt, das ist kein Argument. Was zeichnet Theo Waigel in diesem Punkt aus? Welchen Beitrag hat er zur Euroeinführung geleistet? Welche Regelungen haben wir ihm zu verdanken? Aber nein, der Auto geht darauf leider nicht ein.
Es werden, zumindest am Anfang, zu viele Behauptungen aufgestellt. Es wird zu wenig belegt. Mir geht es wie anderen hier: Ich empfinde das Buch als "Zweckoptimismus. Und vor allem nehme ich dem Autor keine halbwegs objektive Einschätzung der Situation ab. Und das sollen die Kapitel sein, die für Neugierige ausreichen sollen? Nein, wenn sich jemand informieren will, dann sollte er besser das ganze Buch lesen.
Im Laufe des Buches werden nämlich tatsächlich Zusammenhänge erklärt und auch durch Fakten belegt. Es gibt aber immer wieder Anekdoten, auf die ich hätte verzichten können. Zum Beispiel, wie der Autor seine Vorfreude auf den Euro beschreibt und das Anstehen für die ersten Euros. Und manchmal waren es sogar Ausflüge in ganz andere Gebiete, zum Beispiel in die Energiepolitik. Wenn sich Hüfner über den Alleingangs Deutschlands beim Automausstieg auslässt und sich darüber mokiert, dass wir nun Atomstrom aus Frankreich und der Tschechei beziehen würden, begibt er sich auf dünnes Eis. Deutschland hat schon immer zu bestimmten Zeiten Strom importiert und zwar nicht nur von diesen beiden Staaten. Und nach wie vor exportiert Deutschland mehr Strom, als es importiert. 17 Prozent mehr, um genau zu sein. Die Energiewende ist eins der Beispiele, die unglücklich gewählt wurden und zudem völlig überflüssig sind. Damit verspielt Hüfner nur leichtfertig seine Glaubwürdigkeit. Besser wäre es gewesen, das Buch etwas zu straffen und unnötige Anekdoten einfach wegzulassen.
Was ich mir gar nicht gefallen hat, waren Hüfners Ausführungen, wie er sich den Euro vorstellt. Nach dem Motto: Dies müsste so geregelt sein, jenes solle man so machen, das ist ein Fehler und ich würde das auf jeden Fall so und so machen und nicht anders. Ich hatte erwartet, dass ich verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt bekomme, aber nicht in dieser "besserwisserischen" Weise.
Gut, ich beschreibe vor allem, was mich beim Lesen irritiert hat, hauptsächlich deshalb, weil ich mir unter dem Titel etwas anderes vorgestellt hatte. Es gibt natürlich auch viel Interessantes im Buch. Und ja, es werden auch kritische Aspekte angesprochen. Dennoch kann ich mich des Eindrucks nicht verwehren, dass viel beschönigt oder verharmlost wird.
Ich will damit nicht sagen, dass das Buch schlecht ist, ich rate nur zur Vorsicht. Ich würde vor dem Kauf empfehlen, sich zumindest die Leseprobe anzuschauen, damit man einen kleinen Vorgeschmack auf das bekommt, was einen wirklich erwartet.