Gerhart Baum ist in der gleichförmigen politischen Landschaft eine erfrischend unabhängige Person, die sich mutig in Debatten einmischt und dann auch schon mal den Mainstream gegen den Strich bürstet: Etwa seine genauen Analysen zum Demokratieverlust durch das Kleingedruckte im Lissabon-Vertrag sind aufrüttelnd und kostbar. Auch die Abwägungen von Sicherheit und Freiheit, die er in diesem Buch an vielen Beispielen durchexerziert verdienen unbedingt ein breites Publikum. Leider findet sich in dem Buch kaum etwas, was er nicht schon an anderer Stelle in Interviews gesagt hätte. Vertiefende Analysen, deutliche Belege und Enthüllungen sucht man vergebens. Geradezu nachlässig ist der Umgang mit den Quellen, die zwar im Anhang angeführt werden, aber im laufenden Text nicht durch Seitennachweise abgesichert werden.
Generell ist das Buch von Redundanzen und einem eher assoziativen Stil geprägt, so daß weder eine systematisch-theoretische Zuspitzung noch eine wirklichkeitsnahe Schilderung gelingt. Dadurch bleibt das Buch leider, bei aller Sympathie für die Position,' intellektuell unbefriedigend. Und wer nach manifesten Beispielen sucht, die zu Präzedenzfällen einer politischen Diskussion werden könnten, wird ebenfalls enttäuscht. Vieles bleibt leider im Vagen oder Allgemeinen. Es entsteht der Eindruck, daß hier ein Thema verschenkt wird, denn statt einer scharfen Streitschrift,' wie vom Verlag angekündig, ist das Buch doch eher eine laue Mischung aus persönlichen Erinnerungen und Selbstrechtfertigungen, grundsätzlichen Bekenntnissen, historischen Referenzen und dünner Zeitdiagnostik. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Baums Anliegen ist legitim, ja sogar dringlich. Es wird nur viel zu schwach vorgetragen.