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Es waren kaum 100 Soldaten, die sich über den Vernichtungskrieg und sein Mordprogramm tatkräftig empörten und so zu Rettern von Juden und anderen politisch und rassisch Verfolgten wurden. Wie die Angehörigen des Widerstandes und die Deserteure der Wehrmacht stehen die "Retter in Uniform" dafür, dass es neben dem militärischen Gehorsam auch Auflehnung und "aktiven Anstand" gab. Zehn dieser Gerechten werden in Fallstudien vorgestellt. Der bekannteste dieser Helden der Menschlichkeit ist Feldwebel Anton Schmid, der Judenretter in Wilna. Schmid wurde im Januar 1942 verhaftet. Vor seiner Hinrichtung am 13. April 1942 schrieb er an seine Frau und seine Tochter: „Ich habe nur als Mensch gehandelt. Aber seid sicher, daß wir uns wiedersehen in einer besseren Welt bei unserem lieben Gott." Nach dem Krieg erlebte Frau Schmid eine schlimme Zeit; die Nachbarn schlugen ihre Fenster ein, und ihr toter Ehemann wurde als Landesverräter beschimpft. Erstmalige Anerkennung erfuhr Schmid in Hannah Arendt Buch „Eichmann in Jerusalem". Hier wird berichtet, wie Feldwebel Schmid der jüdischen Untergrundbewegung in Wilna mit gefälschten Papieren und Wehrmachtsfahrzeugen geholfen hatte. Am geschichtsträchtigen 8. Mai 2000 wurde die Kaserne der Bundeswehr in Rendsburg nach Feldwebel Anton Schmid benannt.
Seit Polanski Film „Der Pianist" ist auch der Name des Hauptmann Wilm Hosenfeld einer interessierten Öffentlichkeit bekannt. Zerlumpt, mit allerletzter Kraft schleppte sich der jüdische Klaviervirtuose Spzilman in eine leere, zerstörte Villa in Warschau. Dort entdeckte ihn der Offizier Wilm Hosenfeld. Der verfolgte Jude wagte eine Frage: „Sind Sie Deutscher?" - „Ja! Ich schäme mich dafür...." Hosenfeld versteckte den Verfolgten, gab ihm Nahrung und Kleidung. Hosenfelds humane Orientierung wurzelte in einer unverstellten christlichen Gläubigkeit. So versteckte und rettete er weitere Verfolgte. Von einem sowjetischen Kriegsgericht freilich wurde der Wehrmachtsoffizier Hosenfeld zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Seelisch und körperlich gebrochen starb er im August 1952 in einem Lager bei Stalingrad.
Unmittelbar nach dem Kinobesuch verfasste ich eine Eingabe an den Bundesminister der Verteidigung Struck mit der Anregung, eine Kaserne der Bundeswehr nach Hauptmann Hosenfeld zu benennen. Antwort des Führungsstabes der Streitkräfte vom 9. Januar 2003: „Die Traditionswürdigkeit von Wilhelm Hosenfeld wird hier nicht bestritten. Inwieweit dies jedoch zu einer Kasernenbenennung führen wird, ist von dem Verfahren abhängig, über das Sie ja bereits mehrfach unterrichtet wurden." Und die Lehre aus dieser Geschichte? Das vorrangige Interesse der Traditionspfleger auf der Hardthöhe ist von der Bürokratie bestimmt. Es geht ihnen zuvörderst um Hinweise, Verfahren und Vorschriften, nicht um Erinnerungsarbeit und politische Kultur.
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