Depression, Drogensucht, Wutausbrüche. Alles Zustände die Brians Leben zur Zeit mit KoRn sicherlich gut beschreiben, da sie sein tägliches Handeln bestimmten.
Dabei hatte alles relativ normal angefangen. Wie er im ersten Teil seines Buches beschreibt hatte er eine angenehme Kindheit, die er in Südkalifornien, Bakersfield erlebte.
Als Fan von KoRn fragt man sich nun, wie dieser Wandel zu Stande kam und ist überrascht, wie offen und durchaus selbstkritisch Head einem die Antwort darauf bietet.
Neben seinen Vorlieben für Horrorfilme und Alkoholexzessen in seiner Jugend, und seiner späteren unbändigen Speedabhängigkeit, die sich aus seiner Vorliebe für diverse andere Drogen bildete, nimmt er auch kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, zu erzählen, wie er in Zuständen von Depression und Paranoidität plant, mit seiner Frau ein letztes Mal zu schlafen und dann mit einem Skateboard auf sie einzuprügeln, da er ihr vorwirft, ihn zu hintergehen. Erst nachdem er seinen Plan in die Tat umgesetzt hat, kommt er schließlich wieder zu Sinnen.
Zustände, die sein Leben und die Hassliebe zu seiner Frau zu Zeiten von KoRn immer wieder bestimmten und für den Leser eindeutig schockierende Maßnahmen annehmen, jedoch macht genau dies den ersten Teil seiner Autobiographie aus.
Es ist beeindruckend wie Head hier Selbsttherapie betreibt und den Schritt geht, all das noch einmal Revue passieren zu lassen, womit er in heutigen Tagen abgeschlossen hat und eine Zeit in seinem Leben zu reflektieren, über die er größtenteils wenig Stolz ist.
Er hat viel Schmerz erfahren, gesteht sich jedoch ein, auch vielen Menschen Unrecht getan zu haben.
Im nächsten Teil des Buches erfährt man dann, dass er allein mit der Hilfe von Gott wieder auf den rechten Weg gelangte.
Der Ausstieg aus KoRn, das Loslassen von den Drogen, Alkohol, Pornographie. Auf der einen Seite ist es ziemlich beeindruckend etwas über diese Entwicklung zu einem gottesfürchtigen Christen zu erfahren und wie dies letztendlich sein Leben gerettet hat, jedoch muss ich zugeben, dass mir vieles auch sehr weltfremd vorkommt.
In kürzester Zeit fängt Head an den verschiedensten christlichen Gemeinden beizutreten, den Glauben auf unterschiedlichste Weise zu praktizieren, die Bibel für sich zu interpretieren und in allem ein Zeichen Gottes zu erkennen. Es fällt schwer ihn letztendlich nicht auch ein wenig für einen Fanatiker zu halten. Zumindest mir kam die ein oder andere Stelle dann doch etwas übertrieben daher. Auch wenn es natürlich eine Autobiographie ist und dies nunmal seinen Lebenswandel beschreibt ist vieles in meinen Augen nicht unbedingt unglaubwürdig aber doch sehr überraschend.
Neben dieser Skepsis sollte man jedoch froh sein, dass es ihm inzwischen gut geht und er der Musik trotzdem treu geblieben ist, bzw. dass Gott ihm gesagt hat er soll in seiner Musik weiterhin kreativ bleiben.
Fazit: In erster Linie finde ich es bemerkenswert, wie offen Brian dieses Werk gestaltet. Während sich andere Rockstars mit exzessiven Partys noch rühmen, zeigt er uns, wie man trotz Ruhm und Geld ganz unten ankommen kann. Sein anschließender Neuanfang mit der Hilfe Gottes und seinem gewonnenen Glauben stimmt mich zum Ende hin jedoch in vielen Punkten stutzig und es fällt schwer Konsens mit Brians neugewonnener Lebenseinstellung zu finden.
Wer als Fan von KoRn mehr über Brian Welchs Leben und seinen Ausstieg erfahren möchte oder Interesse an seinem Lebenswandel gefunden hat wird hier auf jeden Fall ein bemerkenswertes, ungeschönt ehrliches Buch in den Händen halten. Dass man es bei 'Rette mich vor mir selbst' mit dem Korrekturlesen nicht so ernst genommen hat, lässt sich da sicherlich verschmerzen.