"Retropolis" ist das zweite Album der Retroprogger Flower Kings. Es ist DAS Album des frühen Retroprog. Zumindest kenne ich kein Album aus der selben Zeit, welches derart durchgängig stark ist.
Mit Tischtennis("Rhythym Of Light") beginnt die Platte. Das instrumentale Titelstück folgt und zeigt sowohl in atmosphärischer, als auch in vertrackter Hinsicht, wozu eine Progband im Stande ist. Beste Musik, die vor Ideenreichtum nur strotzt. Das von Yes abgeschaute Ende (Ausklang mit Akustikgitarre, nachdem das Stück durchgehend elektrisch war) ist einfach nur genial und keineswegs klischeehaft. Bei "Rhythym Of The Sea" sehen viele Leute eine Parallele zu Pink Floyds "The Division Bell". Atmosphärisch unterscheidet sich das Stück jedoch vom ebenfalls erstklassigen Pink Floyd Album. "There Is More To This World" ist dan Happyprog in absoluter Reinheit und Essenz. Wiedereinmal sind Yes als Vorbilder zu erkennen, nur dass hier alles straighter rübergetragen wird. Solierende E-Gitarre, schicke Orgel- und Keyboardsoli füllen das Stück bestens aus. Auch mit wunderschönen Kangflächen und Vokalharmonien wird nicht gegeizt. Das sehr schöne Pianozwischenspiel "Romancing The City" hat u.a. etwas klassisches. "The Melting Pot" ist dann auch wieder instrumental und stimmungsmäßig weniger fröhlich, sondern ist mehr mit einem nachdenklichen Charakter versehen. "Silent Sorrow" ist rockig Gute Laune Mucke mit proggigem Zwischenspiel. Bei "The Judas Kiss" ändert sich wieder die Stimmung, wobei dennoch eine das Album herovrragend auszeichnende musikalische und soundtechnische Homogenität vorherrscht. "Retropolis By Night" ist stark elektronisch gehaltenes Instrumental. "The Road Back Home" bildet eine krönenden Abschluss. Besonders schön der Keyboard- und Saxophoneinsatz, während der Gesang eher schlicht gehalten wird.
Negatives erlebt man bei dieser Platte eigentlich nur in geringem Ausmaße, und auch nur wenn man bei Track 3 tatsächlich Pink Floyd erwartet oder man beim Abschlusstrack auf etwas derbe Vertracktes hofft. Dieses Scheibchen ist ein wahrer Pflichtkauf. Man kommt beim Studieren des Retroprog keineswegs um das Album herum. Zusammen mit "The Light" von Spock's Beard markiert diese Album den Beginn einer wahren Retroprog-Ära.
Anspieltip(s): alles
Vergleichbar mit: Yes, nur viel zugänglicher
Wertung: 14/15
Datum: 27.12.2010